Bad Bunny schreibt Geschichte – so war die Super-Bowl-Halbzeitshow
Vorneweg: Es wurde politisch – aber anders, als wohl die meisten erwartet hätten.
Bad Bunny, derzeit nach Songstreams erfolgreichster Musiker der Welt, trat beim Super Bowl in Santa Clara bei San Francisco an und auf, um Geschichte zu schreiben. Als erster rein spanischsprachiger Künstler überhaupt wurde dem Puertoricaner in Kalifornien die Ehre zuteil, die Halbzeitshow als Main Act zu bestreiten.
Als klarer Gegner der aktuellen US-Regierung erwarteten nicht wenige auch kritische Botschaften auf der grössten Bühne der Welt. Das Fazit: Bad Bunny hatte tatsächlich eine Botschaft. Aber er war bei der Formulierung dieser praktisch ausschliesslich auf eine positive Perspektive bedacht – und lieferte vor allem damit einen Gegenentwurf zur gängigen Rhetorik der US-Regierung.
Ein puerto-ricanisches Dorf – und eine Hochzeit
Der Künstler, der bürgerlich Benito Antonio Martínez Ocasio heisst, machte gleich zu Beginn seiner Show mit der Kulisse deutlich, welche Atmosphäre er bei seinem Auftritt schaffen will: Versöhnlich, harmonisch, familiär sollte es hier zu- und hergehen. Auf dem Feld des Levi's Stadium in Santa Clara liess er ein puerto-ricanisches Dorf nachbauen.
Während er seine Lieder zum Besten gab, bewegte sich Bad Bunny durch die von viel Grün umrahmten Pseudo-Gassen, in dem klischeehafte Szenen aus dem lateinamerikanischen Dorfleben gezeigt wurden: Plaudernde ältere Herren, Musiker, tanzende Frauen. Die Kulisse umrahmte die gesamte Performance, bei der er, wie das jeweils üblich ist, ein Medley seiner grössten Hits abspulte.
Auch der Heiratsantrag eines Mannes an seine Angebetene wurde gezeigt – der Ring wurde zuvor von Bad Bunny persönlich überreicht. Was zunächst keiner ahnte: Das Paar, das sich hier das Ja-Wort gab, heiratete tatsächlich während der Super-Bowl-Halbzeitshow.
Die Geschichte laut NBC News: Braut und Bräutigam sind grosse Bad-Bunny-Fans, aus diesem Grund luden sie den Künstler zu ihrer Hochzeit ein. Doch der drehte den Spiess um – und bot den beiden kurzerhand an, bei seiner Super-Bowl-Halbzeitshow den Bund fürs Leben zu schliessen. Eine Sprecher des Musikers bestätigte die Story später. Sie passte bestens in das harmonische, familiäre Setting bei der Show.
Lady Gaga und Ricky Martin
Das Paar kann künftig nicht nur damit prahlen, beim Super Bowl geheiratet zu haben, sondern auch damit, dass Bad Bunny und Lady Gaga bei der eigenen Hochzeit zusammen getanzt haben. Denn die 39-Jährige wurde von Bad Bunny als Verstärkung für die Show aufgeboten. Im hellblauen Kleid performte Gaga eine Art Salsa-Version ihres Hits «Die With a Smile». Passend dazu bat Bad Bunny sie danach zum Tanz.
Als zweiter perfomender Stargast trat Ricky Martin auf. Der 55-Jährige ist quasi der Vorgänger Bad Bunnys als bekanntester Musikexport Puerto Ricos. Zusammen gaben die beiden Künstler den Song «Lo Que Le Pasó a Hawaii' » zum Besten. Weitere kurze Cameo-Auftritte hatten Stars wie Cardi B, Karol G, Jessica Alba oder Pedro Pascal. Auch die Latino-Boxer Emiliano Vargas und Xander Zayas traten in einer kurzen Sequenz auf.
Eine Mini-Geste gegen ICE
Mit offener Kritik und politischen Messages hielt sich Bad Bunny also zurück. Eine feine Geste, die aber als Referenz zum aktuellen politischen Geschehen verstanden werden kann, war jene Szene, in der Bad Bunny einem kleinen Jungen, der mit seiner Familie die Grammy-Verleihung vor dem Fernseher verfolgte, eines der goldenen Grammophone überreichte.
Der Bub sah dem 5-jährigen Liam Conejo Ramos, dessen Inhaftierung gemeinsam mit seinem Vater in den USA durch die Abschiebebehörde ICE für grosse Empörung gesorgt hatte, verblüffend ähnlich. Die Grammys vergangene Woche waren zudem sehr politisch, diverse Stars und Moderator Trevor Noah kritisierten die Politik der Trump-Regierung deutlich. Auch Bad Bunny, der dort für das beste Album ausgezeichnet worden war, protestierte bei seiner Dankesrede gegen ICE.
Bad Bunnys Botschaft
Am Ende seines Auftritts marschierte Bad Bunny vor einer grossen Menschenmasse und dicht gefolgt von einem Zug von Flaggenträgern über das Spielfeld. Er rief sämtliche Namen der Länder Nord-, Mittel- und Südamerikas sowie der Karibik ins Mikrofon – und droppte mit einem grossen Banner im Hintergrund die finale Botschaft seiner Darbietung:
Dazu hielt er einen Football, auf dem «Gemeinsam sind wir Amerika» stand und er sagte «Gott segne Amerika» in die Kamera, eher er das Spielgerät auf den Boden knallte, so wie es die Spieler häufig tun, wenn sie einen Touchdown erzielt haben.
🚨🚨POWERFUL🚨🚨
— MLFootball (@MLFootball) February 9, 2026
BAD BUNNY ENDS THE SUPER BOWL HALFTIME SHOW WITH A MESSAGE TO UNITE THE COUNTRY.
“THE ONLY THING MORE POWERFUL THAN HATE IS LOVE”
🙏🙏🙏
pic.twitter.com/OsON6OLoMC
Die Musik von Bad Bunny mag Geschmacksache sein, doch eines kann niemand bestreiten: Der 32-Jährige lieferte in Santa Clara eine Wohlfühlshow, die nur so von Harmonie und Einigkeit strotzte. Es ist in Zeiten von Trump-Amerika vielleicht das symbolisch stärkste Zeichen, das der Künstler überhaupt setzen konnte. Auf die Beschreibung der Reaktion des US-Präsidenten sei deshalb zumindest hier verzichtet.
