International
Südamerika

«Kapitalismus für alle»: Paz in Bolivien als Präsident vereidigt

«Kapitalismus für alle»: Paz in Bolivien als Präsident vereidigt

08.11.2025, 19:2108.11.2025, 19:21
President Rodrigo Paz waves to supporters after his swearing-in ceremony in La Paz, Bolivia, Saturday, Nov. 8, 2025. (AP Photo/Juan Karita)
Bolivia New President
Der frisch vereidigte Rodrigo Paz, 08.11.2025.Bild: keystone

In Bolivien ist Rodrigo Paz Pereira als Präsident vereidigt worden. «Gott, Familie und Vaterland, ja, ich schwöre», sagte der 58-Jährige bei seinem Amtseid. Die Zeremonie markiert das Ende einer fast zwei Jahrzehnte währenden Ära linker Regierungen, die lange vom Machtkampf zwischen Ex-Präsident Evo Morales und dem scheidenden Staatschef Luis Arce von der linken Partei «Movimiento al Socialismo» (MAS) geprägt war. «Heute beginnt eine neue Ära der Unabhängigkeit im Dienste des Volkes», sagte Paz, wie er im Volksmund meist genannt wird. «Das ist das neue Bolivien, das sich der Welt öffnet.»

Paz, Kandidat der christdemokratischen Partei «Partido Demócrata Cristiano», die der politischen Mitte zugerechnet wird, gewann bei der Stichwahl gegen Ex-Präsident Jorge Quiroga. Der frühere Staatschef Morales wiederum, eine Ikone der lateinamerikanischen Linken, durfte gemäss den Regeln der Verfassung nicht nochmal zur Wahl antreten. Und Arce hatte sich wegen sinkender Beliebtheitswerte aus dem Rennen um das Präsidentenamt zurückgezogen.

Paz ist mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, wie einer Wirtschaftskrise mit hoher Inflation und Engpässen bei Benzin, Lebensmitteln und einem akuten Medikamentenmangel. Der Binnenstaat, der ungefähr dreimal so gross wie Deutschland ist, aber nur etwa zwölf Millionen Einwohner hat, zählt zu den ärmsten Ländern Südamerikas.

Öffnung der Wirtschaft und stärkere Aussenbeziehungen

Bei der Amtseinführung, an der mehrere südamerikanische Staatschefs wie Argentiniens Präsident Javier Milei und Chiles Präsident Gabriel Boric teilnahmen, versprach Paz eine Politik des «Kapitalismus für alle». Er kündigte eine schrittweise Öffnung der Wirtschaft, gezielte Subventionskürzungen und stärkere Aussenbeziehungen an – darunter eine vorsichtige Wiederannäherung an die USA nach jahrelanger Eiszeit unter den linken Regierungen.

Bolivien verfügt über die weltgrössten Reserven an Lithium, einem Schlüsselrohstoff für Batterien und Elektroautos. Deren Erschliessung stockte bislang, Investitionen kamen nur langsam voran. Unter der neuen Regierung hoffen auch deutsche Unternehmen auf neue Kooperationschancen. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Parlament im Irak scheitert erneut bei Präsidentenwahl
Im Irak ist ein neuer Anlauf im Parlament zur Wahl eines Staatschefs für das arabische Land gescheitert. Die heute geplante Sitzung zur Wahl sei erneut verschoben worden, hiess es aus Kreisen des Medienbüros im Parlament. Die kurdischen Blöcke konnten sich demnach nicht einigen, welchen Kandidaten sie für das Amt nominieren. Weil deshalb viele Abgeordnete nicht zur Sitzung erschienen, war das Parlament nicht beschlussfähig.
Zur Story