International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Russian Foreign Minister Sergey Lavrov, center, speaks to Turkey's Foreign Minister Mevlut Cavusoglu, second right back to a camera, during their talks in Moscow, Russia, Tuesday, Dec. 20, 2016. Foreign ministers of Russia, Turkey and Iran are meeting on Tuesday to discuss Syria, but the talks are likely to be overshadowed by the assassination of Russia's ambassador to Turkey the previous night by an Ankara policeman, who after killing his victim cried out:

Die Aussenminister von Russland, der Türkei und des Irans treffen sich in Moskau. Bild: Pavel Golovkin/AP/KEYSTONE

Russland, Iran und Türkei beraten über Syrien: Die wichtigsten 6 Fragen

Die Aussenminister und die Verteidigungsminister von Russland, Iran und der Türkei werden über die nächsten Schritte im Kriegsland Syrien beraten.



Der grausame Fall von Aleppo war eine wichtige Schlacht im Syrien-Krieg. Nun beraten die ausländischen Sieger Russland und Iran, wie es weitergehen soll. Dritte Nation am Tisch: Die Türkei als Anwalt der syrischen Opposition mit eigenen Interessen.

Die wichtigsten 6 Fragen und Antworten zum Treffen:

Was ist der Sinn dieses neuen Dreier-Formats der Syrien-Gespräche?

This image released on Friday, Dec. 16, 2016 by Aleppo 24, shows a man of eastern Aleppo standing next to a fire in western rural Aleppo, Syria. As the last holdouts leave the rebel-held enclave in Aleppo, they speak of their love for the city despite witnessing so much destruction and death. Bit by bit over three weeks, the government offensive chipped away at their last refuge. (Aleppo 24 via AP)

Ein Mann wärmt sich am Feuer und schaut sich seine komplett zerstörte Heimatstadt Aleppo an. Bild: AP/Aleppo 24

Es ist eine Demonstration der Stärke. In Moskau versammeln sich die drei Mächte, die mit den grössten ausländischen Truppenkontingenten in Syrien kämpfen. Gerade erst konnten die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad die Stadt Aleppo zurückerobern – mit Hilfe der russischen Luftwaffe am Himmel und iranischer Milizen am Boden. Russlands Aussenminister Sergej Lawrow sprach von den Ländern, die realen Einfluss ausüben und Gebiete kontrollieren. Andere Mächte, vor allem die USA, bleiben ausgesperrt.

Wie wirkt die Ermordung des russischen Botschafters in Ankara auf das Treffen?

epa05682729 Flowers lie near a picture of Russia's ambassador to Turkey Andrei Karlov outside the Russian foreign ministry in Moscow, Russia, 19 December 2016. Russia's ambassador to Turkey, Andrey Karlov, has been shot at an art exhibition in the Turkish capital of Ankara. Karlov has died of his wounds after the attack, Russia's Ministry of Foreign Affairs confirmed.  EPA/SERGEI ILNITSKY

Für den ermordeten russischen Botschafter Andrej Karlow werden Blumen niedergelegt. Bild: SERGEI ILNITSKY/EPA/KEYSTONE

In anderen Zeiten wäre das Treffen wohl abgesagt oder verschoben worden, Russland hätte über Vergeltung nachgedacht. Doch diesmal halten die drei Staaten trotz der tödlichen Schüsse auf Botschafter Andrej Karlow an ihren Plänen fest. Das nach monatelangem Streit reparierte Verhältnis zwischen Moskau und Ankara ist beiden Seiten wichtiger. Russland will seine günstige Lage in Syrien nutzen.

Mehr zum Thema:

Moskau denkt der Türkei die Rolle eines Anwalts der syrischen Opposition zu. Für welche Kräfte in Syrien kann Ankara sprechen?

A Free Syrian Army soldier walks through a street in Amariya district in Aleppo, Syria, Monday, Sept. 10, 2012. (AP Photo/Manu Brabo, File)

Ein Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) läuft durch die Strassen von Aleppo, 2012. Bild: Manu Brabo/AP/KEYSTONE

Die Türkei gehört zu den wichtigsten Unterstützern der syrischen Opposition. Viele Organisationen, Milizen, aber auch kritische Medien haben Stützpunkte im Nachbarland. So sitzt die Nationale Syrische Koalition als grösstes Exil-Bündnis der Regimegegner in Istanbul. Auch Vertreter mehrerer bewaffneter Gruppen halten sich in der Türkei auf – sowohl Mitglieder der eher gemässigten Freien Syrischen Armee (FSA) als auch Repräsentanten der radikal-islamischen Miliz Ahrar al-Scham. Der Einfluss der Türkei auf diese Gruppen machte auch die Einigung mit dem syrischen Regime über einen Abzug von Kämpfern und Rebellen aus Aleppo möglich.

Welche Interessengegensätze gibt es zwischen der Türkei und Russland im Syrien-Krieg?

Turkey's President Recep Tayyip Erdogan, right and Russian President Vladimir Putin, left, look at each other during a news conference following their meeting in Istanbul, Monday, Oct. 10, 2016. Putin and Erdogan voiced support for the construction of a gas pipeline from Russia to Turkey, called Turkish Stream, a project that was suspended amid tensions between the two countries. The pipeline would carry Russian natural gas to Turkey and onto European Union countries. (AP Photo/Emrah Gurel)

Der russische Präsident Putin und der türkische Staatschef Erdogan in Istanbul, Oktober 2016. Bild: Emrah Gurel/AP/KEYSTONE

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im Grenzgebiet zu Syrien im November 2015 war das Verhältnis über Monate auf einem Tiefpunkt. Doch Moskau und Ankara haben sich wieder angenähert, die Präsidenten Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan besuchten sich gegenseitig.

Trotzdem bleiben in Syrien Interessengegensätze. Die Türkei hat immer deutlich gemacht, dass sie Assads Sturz will. Zugleich begann sie eine Bodenoffensive in dem Bürgerkriegsland, mit der sie Rebellen im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die Kurdenmiliz YPG unterstützt.

Russland dagegen will Assad an der Macht halten. Die russische Armee bekämpft zwar auch den IS, sieht in den Kurden jedoch eher einen Partner. Moskau will auch keine Flugverbotszone in Nordsyrien, die von der Türkei immer wieder vorgeschlagen wird.

Warum unterstützt der Iran das Assad-Regime in Syrien?

Im Iran ist es ein offenes Geheimnis, dass Syrien in erster Linie eine strategische Rolle im Kampf gegen den Erzfeind Israel spielt. Dabei ist die Person Assad zweitrangig, aber Syrien mit Assad dient als Korridor für Waffenlieferungen an die Hisbollah-Milizen in Südlibanon.

Welche Interessen verfolgt der Iran bei diesem Treffen?

epa05668759 Destruction in the old part of the city in the east of Aleppo, Syria, 10 December 2016. According to media reports, the Syrian army's military operations are continuing in the only remaining 8 percent of the eastern neighborhoods of Aleppo province.  EPA/STR BEST QUALITY AVAILABLE

Im Osten Aleppos: Die Zerstörung des alten Stadtteils, Dezember 2016. Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Der Iran will erneut zeigen, dass auch er an einer politischen Lösung in Syrien interessiert sei. Nur gehe das nicht, solange Syrien von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bedroht werde und nicht klar sei, ob der IS auch innerhalb der Rebellen Einfluss habe oder nicht. Daher kann es in Teheraner Sicht nur eine Lösung geben, wenn der IS besiegt ist und Assad sich an Wahlen beteiligen darf. In Moskau hofft der Iran dafür auf russische wie auf türkische Unterstützung.

(sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Sie sind 2015 als Minderjährige in die Schweiz geflüchtet – drei Flüchtlinge erzählen

Tausende von Kindern und Jugendlichen sind in den letzten Jahren ohne Eltern in die Schweiz geflüchtet. Fern ihrer Heimat und Familie mussten sie sich in einem neuen Land zurechtfinden. Wie geht das? Drei junge Flüchtlinge erzählen.

Sie haben Krieg, Terror oder grösste Armut überlebt, Landesgrenzen sowie Meere überquert und eine Flucht ohne ihre Familie hinter sich: Kinder und Jugendliche, die allein aufgebrochen sind, um fernab ihrer Heimat Schutz zu suchen. Die Behörden nennen sie unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA).

Tausende von ihnen haben in den vergangenen Jahren in der Schweiz Zuflucht gesucht. Vor fünf Jahren kamen besonders viele an: 2736 Kinder und Jugendliche flüchteten 2015 ohne Eltern hierher.

Wie …

Artikel lesen
Link zum Artikel