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Syrien: Rebellen veröffentlichen Fotos von Baschar al-Assad in Badehose

Syriens Präsident Assad: Der Diktator hat große Gebiete in Syrien nicht mehr unter Kontrolle.
Syriens Präsident Baschar al-Assad muss derzeit herbe Rückschläge einstecken.Bild: IMAGO/SPA

Syrien: Rebellen veröffentlichen Foto von Baschar al-Assad in Badehose

06.12.2024, 14:52
Anna Von Stefenelli /
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Wokes Gedankengut ist bei den Diktatoren dieser Welt noch nicht angekommen. Eines der schlimmsten Dinge für sie ist es, Schwäche zu zeigen. Ihre Aussenwirkung soll Macht, Männlichkeit und Härte demonstrieren.

Für den syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad dürfte ein kürzlich aufgetauchtes Foto deshalb so etwas wie eine persönliche Demütigung sein.

Als wäre der Bürgerkrieg in Syrien und die Eroberung zahlreicher Städte und Orte durch Rebellen nicht Problem genug für ihn, sind nach der Eroberung des Gouverneurspalasts in Aleppo offenbar private Bilder des Diktators aufgetaucht. Eines davon zeigt ihn so, wie er sich sicherlich nicht freiwillig öffentlich zeigen würde: in Badehose.

Demütigung für den Diktator: Rebellen veröffentlichen Badehosen-Foto

Eines der mutmasslichen Fotos zeigt den syrischen Präsidenten in jüngeren Jahren. Er ist umgeben von zwei Frauen und einem weiteren Mann: Assads Schwager, der 2012 verstorbene Verteidigungsminister Asef Shawkat. Assad trägt darauf nur Badekleidung, ebenso wie die anderen Personen auf dem Bild.

Die Rebellen konnten kürzlich die Grossstadt Aleppo in einer überraschenden Offensive einnehmen – ein herber Rückschlag für Assads Truppen. Aleppo, Syriens zweitgrösste Stadt, war zuvor ein Symbol für die Kontrolle des Regimes und galt als strategischer Schlüsselpunkt.

Laut Anti-Assad-Aktivisten wurden die Fotos während dieser Operation im Gouverneurspalast entdeckt und veröffentlicht. Das Badehosen-Foto verbreitete sich nach der Veröffentlichung rasant über Social Media. Ob die Echtheit des Fotos zweifelsfrei bestätigt ist, bleibt unklar.

Klar ist aber: Sie erregen Aufmerksamkeit und zielen laut Expertinnen und Experten darauf ab, den Machthaber zu demütigen und sein Image in der Öffentlichkeit zu schädigen, schreibt «Bild».

Aus westlicher Sicht ist dies völlig unverständlich. Ja, ein Olaf Scholz oder Frank-Walter Steinmeier in Badehose würde zumindest für Gesprächsstoff sorgen, doch als Demütigung würde dies wohl hierzulande kaum wahrgenommen werden.

Assad inszenierte sich in Syrien als brutaler Herrscher

Assad ist in der syrischen Öffentlichkeit für seine Brutalität bekannt, inszeniert sich bewusst so.

Bewaffnete syrische Oppositionskämpfer stellen ihre Füße auf ein Plakat mit einem Foto von Assad.
Bewaffnete syrische Oppositionskämpfer stellen ihre Füsse auf ein Plakat mit einem Foto von Assad.Bild: dpa / Anas Alkharboutli

Als 2011 friedliche Proteste gegen das Regime begannen, reagierte Assad mit unverhältnismässiger Härte: Tausende Menschen wurden getötet oder verschleppt. Eines der bekanntesten Opfer ist der 13-jährige Hamza Al-Khateeb, dessen verstümmelte Leiche ein Symbol für die Grausamkeit des Regimes wurde.

In den folgenden Jahren eskalierte der Konflikt zu einem Bürgerkrieg. Assads Truppen setzten wiederholt Fassbomben und sogar chemische Waffen ein, wie beim Sarin-Angriff auf Ghouta 2013. Allein dabei kamen über 1300 Menschen, darunter viele Kinder, ums Leben.

Während die internationale Gemeinschaft Assad weitgehend isolierte, erhielt er entscheidende Unterstützung: von Russland und dem Iran. Russische Luftangriffe zerstörten gezielt zivile Infrastruktur in von Rebellen kontrollierten Gebieten. Zudem entsandte das iranische Regime schiitische Milizen zur Unterstützung des syrischen Diktators.

Nun also der Aufstand der Rebellengruppen, der der Anfang vom Ende des Assad-Regimes bedeuten könnte.

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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Der Micha
06.12.2024 15:16registriert Februar 2021
Ich wäre dafür, die Nachrichten bezüglich des Bürgerkrieges in Syrien nicht zu beschönigen. Man sollte das Kind bei Namen nennen.

Die Rebellen sind in Wirklichkeit eine Allianz aus verschiedenen Dschihadisten, die von HTS angeführt werden. HTS sind in vielen Ländern als Terrororganisation eingestuft worden.

Auch wenn einige Experten berichten, dass sich diese gemäßigt haben, sollte man das nicht unterschlagen.

Im Kern sind die Gruppierungen nicht besser als Assad.
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Krämer Ochsenknecht
06.12.2024 17:26registriert März 2022
Uiuiui, ich glaube ich muss meine diktatoren ambitionen begraben, angesichts der vermutlich noch existierendenden fotos aus meiner jugendzeit...
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Hundshalter Leno
06.12.2024 14:58registriert September 2023
Eines von den Dingen wo ich bis jetzt nicht wusste, dass ich sie nicht sehen will weil ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre.
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