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FILE - In this Feb. 22, 2019 file photo, men walk to be screened after being evacuated out of the last territory held by Islamic State militants, near Baghouz, eastern Syria. As Syria marks the eighth anniversary of its grinding war, the violence has left a trail of broken lives. Syrian President Bashar Assad’s government appears to have won the war against the insurgency trying to topple him. While the Islamic State group’s territorial defeat will close one of its bloody conflicts, others are still burning. (AP Photo/Felipe Dana, File)

Männer verlassen das eroberte Baghus: Der Ort galt als letzte «IS»-Hochburg in Syrien. Bild: AP/AP

«IS»-Chef Bagdadi erscheint erstmals nach fünf Jahren in Video



Sein «Kalifat» ist zerschlagen, sein Verbleib war lange ein Rätsel, doch jetzt gibt es ein Lebenszeichen von «IS»-Führer Abu Bakr al-Bagdadi: Am Montag veröffentlichte die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) ein Video.

In diesem spricht al-Bagdadi die Einnahme der letzten «IS»-Bastion im Osten Syriens im März an. «Die Schlacht um Baghus ist vorbei», sagt der Mann, auf dessen Kopf die USA eine Prämie in Höhe von 25 Millionen Dollar ausgesetzt haben.

In dem Video sitzt al-Bagdadi im Schneidersitz auf einer Art Matratze und spricht mit drei Männern, deren Gesichter unkenntlich gemacht wurden. Sein langer grauer Bart scheint teilweise mit Henna gefärbt, er spricht langsam, unterbricht seine Sätze häufig für mehrere Sekunden.

Im Video erklärt er unter anderem, der Kampf gegen die «Kreuzfahrer» werde lange dauern. Er droht damit, «Rache zu nehmen» für die getöteten Kämpfer. Es werde noch mehr passieren nach diesem Kampf, so al-Baghdadi.

Wann genau und wo das Video aufgenommen wurde, blieb zunächst unklar. Versteckt sich der selbsternannte Kalif mit seinen letzten Kämpfern in der syrischen Wüste, ist er im Irak untergetaucht oder konnte er ins Exil entwischen?

Soweit bekannt trat der 47-Jährige nur einmal in der Öffentlichkeit auf: Anfang Juli 2014, als er von der Kanzel der Al-Nuri-Moschee in der nordirakischen Grossstadt Mossul den «Gehorsam» aller Muslime gegenüber seinem «Kalifat» in Syrien und dem Irak einforderte.

Mehrfach für tot erklärt

Seitdem veröffentlichte seine Gruppe in unregelmässigen Abständen Audiobotschaften, die von al-Bagdadi stammen sollen. Doch wurde der Iraker, der an Diabetes leidet, nicht wieder in der Öffentlichkeit gesehen. Mehrfach wurde er bereits für tot erklärt, mindestens einmal wurde er verletzt.

«Er ist nur von drei Menschen umgeben: Seinem älteren Bruder Dschumua, seinem Fahrer und Leibwächter Abdellatif al-Dschuburi, den er seit seiner Kindheit kennt, und seinem Kurier Saud al-Kurdi», sagte der Dschihadismus-Experte Hischam al-Haschemi im März. Er vermutete die vier in der weitläufigen Badia-Wüste im Zentrum Syriens.

epa07381818 A general view showing smoke clouds rising following an alleged airstrike carried out by the international anti-Islamic State (IS) coalition in Baghouz town eastern Syria, on 19 February 2019. The UN human rights chief Michelle Bachelet expressed concern for the 200 families trapped in Baghouz after the Islamic state (IS) group preventing civilians, among them women and children from leaving Baghouz town, while a military source of SDF announced that the evacuation of hundreds of civilians from the last enclave of Islamic State in Baghouz town have failed despite the entry of dozens of trucks to evacuate them.  EPA/MURTAJA LATEEF

Rauchwolken über Baghus: Der «IS» will trotz des Falls seiner letzte Bastion in Syrien weitermachen. Bild: EPA/EPA

Geboren wurde al-Bagdadi 1971 als Sohn einer armen Familie im zentralirakischen Samarra unter dem Namen Ibrahim Awad al-Badri. Als Junge begeisterte er sich für Fussball und träumte davon, Anwalt oder Soldat zu werden, doch seine mangelhaften Noten und seine schlechten Augen verhinderten beides. So studierte er schliesslich in Bagdad Theologie, bevor er nach der US-Invasion 2003 als Anführer einer Dschihadistengruppe in den Untergrund ging.

Die Journalistin Sofia Amara, die einen Dokumentarfilm über ihn gedreht hat, sagt, er mache nicht den Eindruck eines «brillanten Mannes», sondern erscheine eher als «geduldig und arbeitsam». Doch habe der «geheime Planer» schon früh «eine sehr klare Vorstellung» von der Organisation gehabt, die er schaffen wollte. Als er 2004 im Februar von der US-Armee im Gefängnis von Bucca inhaftiert wurde, knüpfte er dafür wichtige Kontakte.

«Universität des Dschihad»

Das Gefängnis im Südirak galt als «Universität des Dschihad», da dort radikale Islamisten mit Militär- und Geheimdienstleuten des gestürzten Baath-Regimes von Saddam Hussein zusammenkamen. «Alle haben gemerkt, dass dieser schüchterne Typ ein feiner Stratege ist», sagt Amara über al-Bagdadis Zeit in Bucca.

Als er im Dezember 2004 aus Mangel an Beweisen freikam, schloss er sich dem Al-Kaida-Führer Abu Mussab al-Sarkawi an. Als erst al-Sarkawi und dann sein Nachfolger getötet wurden, übernahm der einstige Theologiestudent aus Samarra 2010 unter dem Namen Abu Bakr al-Bagdadi die Führung der Extremisten im Irak.

Indem er frühere Offiziere Saddam Husseins anwarb, machte er aus seiner Guerillagruppe eine schlagkräftige Truppe und nannte sie «Islamischer Staat» (IS). Sie überrannte im Sommer 2014 die nordirakische Grossstadt Mossul und drang binnen weniger Wochen bis vor Bagdad vor.

Doch mit Gräueltaten und blutigen Anschlägen brachte er viele Iraker und Syrer sowie die internationale Gemeinschaft gegen sich auf. In den vergangenen Jahren folgte eine Niederlage auf die andere, und nach dem Verlust des letzten Dorfs in Ostsyrien bleiben dem «IS»-Führer nur noch einige versprengte Zellen. (sda/afp)

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Oh Dae-su
29.04.2019 18:57registriert May 2017
Ähm was hat er denn jetzt genau gesagt?
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Jacob Crossfield
29.04.2019 19:20registriert December 2014
Ich hoffe er teilt seinen Standort...
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Maracuja
29.04.2019 20:51registriert February 2016
Dieser Verbrecher verdient lebenslänglich und nicht unsere Aufmerksamkeit.
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