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Taliban-Führer Mullah Omar offenbar seit mehreren Jahren tot – noch keine Bestätigung der afghanischen Regierung

ZU DEN MEDIENBERICHTEN, WONACH TALIBAN-FUEHRER MULLAH OMAR TOT SEIN SOLL STELLEN WIR IHNEN AM MITTWOCH, 29. JULI 0215, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  (FILE) An undated image believed to be showing Afghan Taliban leader Mullah Omar. Elusive Taliban leader Mullah Mohammad Omar has gone missing from his hideout in Pakistan, a spokesman for the Afghan spy agency said 23 May 2011, hours after the Taliban rejected reports about their leader's death. EPA/HO BEST QUALITY AVAILABLE HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

Bild: EPA

Die afghanische Regierung prüft Berichte, wonach Talibanchef Mullah Omar tot sein soll. Dies sagte ein Präsidentensprecher am Mittwoch in Kabul. Zuvor hatten Medien unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, dass Omar seit zwei oder drei Jahren tot sei. 

«Wir haben die Bestätigung von den pakistanischen Behörden und Taliban-Quellen, dass er vor zwei Jahren an einer Krankheit in Pakistan gestorben ist», sagte der Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte. Seit dem Sturz der Taliban 2001 durch eine von den USA angeführte Offensive war Omar nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden.

Sky News zitierte am Nachmittag jedoch einen Taliban-Sprecher, wonach Mullah Omar «immer noch am Leben ist und die Bewegung anführt.»

Über den nach unterschiedlichen Angaben 1959 oder 1960 bei Kandahar geborenen Omar ist wenig bekannt. Der in Koranschulen an der pakistanischen Grenze erzogene Islamist brach nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan 1979 seine Studien ab, um sich dem bewaffneten Kampf gegen die Invasoren anzuschliessen. Er wurde Kommandant einer Mudschaheddin-Truppe und verlor im Kampf ein Auge.

In this image released by the FBI, Mullah Omar is seen in a wanted poster. The reclusive Afghan Taliban leader has backed peace talks with the Kabul government, saying in a rare message distributed to media Wednesday, July 15, 2015 that the goal of these efforts is an

Steckbrief des US-Justizministerium. Bild: AP/FBI

Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes im Jahr 1992 brach Bürgerkrieg in Afghanistan aus. Omar begann zu dieser Zeit, eine radikale Bewegung aufzubauen: die Taliban (Koran-Schüler), welche 1996 unter Omars Führung an die Macht kamen. Bis 2001 war er Chef der Taliban-Regierung, mit der er eine radikale Auslegung des islamischen Rechts in dem Land durchsetzte.

Syed Zafar Hashemi, a deputy spokesman for Afghanistan President Mohammad Ashraf Ghani,  speaks during a news conference in Kabul, Afghanistan July 29, 2015. The Afghan government is investigating reports that Mullah Omar, leader of the Afghan Taliban, is dead, a spokesman for the president's office said on Wednesday. REUTERS/Omar Sobhani

Syed Zafar Hashemi, Sprecher des afghanischen Präsidenten Mohammed Ashraf Ghani: «Wir gehen den Berichten nach.» Bild: OMAR SOBHANI/REUTERS

Enger Vertrauter Bin Ladens

Omar war ein enger Vertrauter des von den USA getöteten Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden, an dessen Seite er in den 1980er Jahren gegen die sowjetischen Besatzer gekämpft hatte. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gewährten die Taliban Bin Laden Zuflucht und weigerten sich, diesen an die USA auszuliefern. Sie läuteten damit den Sturz ihres eigenen Regimes Ende desselben Jahres ein, nachdem US-geführte Truppen in Afghanistan einmarschierten.

FILE - This undated file photo shows al Qaida leader Osama bin Laden in Afghanistan. U.S. intelligence officials have released more than 100 documents seized in the raid on Osama bin Laden’s compound, including a loving letter to his wife and a job application for his terrorist network. The Office of the Director of National Intelligence says the papers were taken in the Navy SEALs raid that killed bin Laden in Pakistan in 2011. (AP Photo, File)

Osama bin Laden: Enger Vertrauter von Mullah Omar. Bild: Uncredited/AP/KEYSTONE

Bei US-Angriffen nach den Anschlägen vom 11. September starb Medienberichten zufolge Omars zehn Jahre alter Sohn. Omar drohte den USA mit Rache, tauchte unter und galt seither als verschwunden. Die USA setzten damals ein Kopfgeld in Höhe von zehn Millionen Dollar auf ihn aus. Mullah Omar wurde in Pakistan vermutet.

In den folgenden Jahren rief er mehrfach zum Heiligen Krieg gegen ausländische Truppen in Afghanistan auf und schlug alle Gesprächsangebote der Führung in Kabul aus. Meldungen über seinen Tod wurden von den Taliban wiederholt dementiert. 1999 hatte er ein Attentat überlebt, bei dem angeblich eine seiner vier Frauen getötet wurde.

Erst Mitte Juli war Omar eine Botschaft zugeschrieben worden, in der er Unterstützung für Verhandlungen über ein Ende des Afghanistan-Krieges signalisierte. Zuvor war es in Pakistan erstmals zu direkten Gesprächen zwischen Vertretern der Regierung in Kabul und Repräsentanten der radikalislamischen Taliban gekommen. (wst/sda/dpa/afp)



Der Mann ohne Biographie

Über die Biographie des Taliban-Führers ist nicht viel bekannt. Gemäss Informationen aus Taliban-Kreisen ist Omar 1960 in der Provinz Kandahar zur Welt gekommen. 1980 erlitt er im Kampf gegen die sowjetischen Besetzer eine Verletzung, die ihn sein rechtes Auge kostete. 

Auch das Aussehen des Taliban-Chefs ist geheimnisumrankt. Insgesamt kursieren nur zwei Fotos von Mulla Omar. Eines soll aus den frühen 90ern datieren, das andere ist eine heimlich aufgenommene Fotographie eines BBC-Videoteams.

Über den Aufenthaltsort des Taliban-Führers bestand zuletzt ebenso viel Unklarheit wie über sein Äusseres. Verschiedene Quellen mutmassten, dass Mullah Omar die letzten Jahre seines Lebens faktisch unter Hausarrest in Pakistan verbracht hatte – bewacht vom ominösen pakistanischen Geheimdienst ISI. (wst)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kian 29.07.2015 11:38
    Highlight Highlight Wenn er seit mehreren Jahren tot ist, ist damit auch die Frage nach seiner Bedetung beantwortet. Offensichtlich kommen die Taliban gut ohne ihn zurecht.
    • Angelo C. 29.07.2015 12:40
      Highlight Highlight Die Frage, die dabei nicht beantwortet wird, ist die nach der offensichtlich miesen Arbeit der NSA und anderer US-Geheimdienste, die noch nicht mal in Erfahrung bringen konnten, dass der von ihnen als mostwanted gesuchte und mit hohen Kopfprämien dotierte Staatsfeind seit etlichen Jahren bereits tot ist 😑!

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