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Bild: screenshot/youtube

Auf dem Silbertablett serviert: So töten Touristen in Afrika mit Pfeil und Bogen Löwen

31.07.2015, 13:1231.07.2015, 13:18

Mit Cecil hatte Walter Palmer den falschen Löwen erwischt. Der Zahnarzt, der das geschützte Tier mit Pfeil und Bogen im Juli niedergestreckt hatte, konnte dank eines Senders ausfindig gemacht werden. Er erntete die Mutter aller Shitstorms. Die Kritik reisst nicht ab, Palmers Haus wird noch immer von Empörten belagert, und Palmer sah sich zu einem Erklärungsschreiben an seine Patienten genötigt.

Doch die Geschichte von Palmer und Cecil ist, abgesehen von der Berühmtheit des Löwen, kein Einzelfall. Mittlerweile wurde ein drei Jahre altes YouTube-Video wiederentdeckt, das einen Amerikaner dabei zeigt, wie er mit Pfeil, Bogen und zittriger Hand einen weiblichen Löwen erlegt. Mit dem ersten Schuss scheint er das Tier nur leicht zu verletzen, er wird nervös, keucht, sagt seinen Begleitern, sie sollen schiessen. 

Die Trophäenjagd – ein umstrittenes Konzept
Die Trophäenjagd ist eine weitverbreitete Form der Jagd, die aber immer wieder – national wie international – in die Kritik gerät. Tierschutzverbände kritisieren die Jagd gegen Entgelt als unmoralisch, Befürworter hingegen weisen auf den Rückgang der Wilderei als positiver Effekt hin. Der WWF schreibt auf seiner Website, dass die Trophäenjagd grundsätzlich abzulehnen sei. Allerdings toleriert der WWF die Jagd im Einzelfall, «wenn sie Bestandteil eines integrierten, umfassenden Schutz- und Nutzungskonzeptes ist.»

Doch diese muntern ihn dazu auf, noch mehr Pfeile auf die Löwin zu feuern und nach dem vierten abzuwarten, bis das Tier an den von ihm zugefügten Verletzungen stirbt. Mit «das war eine aufregende Jagd» wird der Schütze, sichtlich vollgepumpt mit Adrenalin, beglückwünscht. «War das nicht toll, vier Pfeile auf das Tier zu schiessen?»

Achtung: Das Video zeigt detailliert die Tötung des Tiers

Über den Schützen ist nichts bekannt. Er hatte bei seiner Jagd kein berühmtes Tier erwischt. Abgesehen vom Fall Palmer werden wohl die wenigsten Jagden geahnt. So offenbart eine nur oberflächliche YouTube-Recherche weitere Videos von Löwenjagden in Afrika, über deren Konsequenzen nichts bekannt ist. 

Ein YouTube-User namens Frikkie Rademan beispielsweise postete vor drei Jahren Aufnahmen einer Jagd, die in ihrer Perfidität die bereits erwähnten Fälle noch übertrifft: Der Schütze steht auf einem Auto, jederzeit bereit, vom Löwen davonzufahren, und zielt mit wackliger Hand auf das wehrlose Tier. Eine nur kurze Notiz in einem Blog weist daraufhin, dass der Südafrikaner Rademan einmal wohl juristische Konsequenzen hatte tragen müssen, weil er an einem «bezahlten Abschuss» beteiligt gewesen war.

Touristen töten 105'000 Tiere pro Jahr
In einem Bericht von 2009 nennt die International Union for the Conservation of Nature 105'000 von Touristen getötete Tiere pro Jahr – unter anderem 3800 Büffel, 800 Leoparden, 640 Elefanten und 600 Löwen. Noch leben Schätzungen zufolge etwa 20'000 Löwen in Afrika. 

Auch dieses Video zeigt eine absurde Werbung von Jack Bittingham's Tanzania Adventures für den Abschuss von Löwen. 

Und in diesem Video wurde der Löwe offenbar erschossen, als er den Bogenschützen angreifen wollte. 

(dwi)

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