Thomas Massie und Ro Khanna: Ein «Odd Couple» kämpft für Epstein-Opfer
Die Epstein-Files halten die USA weiter auf Trab. Am Mittwoch musste Justizministerin Pam Bondi vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses auftreten. Die Anhörung geriet zu einem Schlagabtausch, in dem Bondi vorgeworfen wurde, mit der Schwärzung von Akten mutmassliche Täter und womöglich Präsident Donald Trump und sein Umfeld zu schützen.
Zu den härtesten Fragestellern gehörte ein Parteifreund der Ministerin, der republikanische Abgeordnete Thomas Massie aus Kentucky. Seit Monaten kämpft er für eine gründliche Aufklärung der Machenschaften des pädophilen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Diese Woche forderte Massie den Rücktritt von Handelsminister Howard Lutnick, der tief im Epstein-Sumpf steckt.
Sein wichtigster Mitstreiter ist der Demokrat Ro Khanna aus Kalifornien. Er ist nicht Mitglied des besagten Ausschusses, doch am Dienstag machte er in einer Rede im Repräsentantenhaus sechs geschwärzte Namen publik. Die meisten sagen einer breiten Öffentlichkeit wenig bis nichts, doch Khanna und Massie befinden sich auf einer Mission.
Tweet mit Gewehren
Gemeinsam hatten sie am Montag ungeschwärzte Akten eingesehen. Vor den Medien zeigten sie sich empört: «Wir wollen, dass die Namen jener Männer veröffentlicht werden, denen Jeffrey Epstein Frauen zugeführt hat», sagte Massie. Er und Ro Khanna bilden ein seltsames Paar, denn politisch passen sie zusammen wie Feuer und Wasser.
Der 55-jährige Thomas Massie gehört zum libertären Flügel der Republikaner. Er setzt sich für einen «schlanken» Staat ein, der sich nicht in das Leben der Menschen einmischen soll. Im Dezember 2021 postete er auf Twitter ein Foto seiner Familie mit halbautomatischen Gewehren vor einem Christbaum, nur vier Tage nach einem Schulmassaker in Detroit.
Unterstützer von Bernie Sanders
Der demokratische Abgeordnete John Yarmuth, der ebenfalls aus dem eigentlich erzkonservativen Kentucky stammt, war entsetzt und betonte ebenfalls auf Twitter, dass «nicht jeder in Kentucky ein unsensibles Arschloch ist». Kontroversen schreckten Thomas Massie noch nie: Mit seinen libertären Ansichten eckte er auch wiederholt in der eigenen Partei an.
Merry Christmas! 🎄
— Thomas Massie (@RepThomasMassie) December 4, 2021
ps. Santa, please bring ammo. 🎁 pic.twitter.com/NVawULhCNr
Rohit «Ro» Khanna hingegen ist ein linker Demokrat. Der 49-jährige Sohn indischer Einwanderer unterstützte 2016 und 2020 die Präsidentschaftskandidatur von Bernie Sanders. Er fordert mehr Klimaschutz und war im letzten November einer von 20 Demokraten hinter einer Resolution, die Israel des Genozids in Gaza beschuldigte.
Lichtblick in der Polarisierung
Gleichzeitig setzt sich Khanna für eine Zweistaatenlösung samt Entwaffnung der Hamas ein und engagiert sich gegen Antisemitismus an Hochschulen. Beim Thema Meinungsfreiheit vertritt er fast schon libertäre Ansichten, weshalb er in seinem Kongress-Wahlkreis im Silicon Valley mehrfach vom kontroversen Tech-Investor Peter Thiel unterstützt wurde.
Es gibt durchaus Berührungspunkte mit Thomas Massie. Dennoch ist ihre Allianz ein Lichtblick in der heutigen, scharf polarisierten US-Politik. Bei den meisten Themen gehen ihre Ansichten weiterhin auseinander, doch im Epstein-Skandal kämpfen sie zusammen für Aufklärung, unterstützt von der einstigen «Super-Trumpistin» Marjorie Taylor Greene.
Sie hat sich mit dem Präsidenten überworfen und ist mittlerweile aus dem Repräsentantenhaus zurückgetreten. Ähnlich soll es Thomas Massie ergehen, zumindest wenn es nach Trump geht. Ihm ist der aufmüpfige Republikaner lästig geworden, er will ihn loswerden, möglichst schon in der parteiinternen Vorwahl für die Midterms im November.
Massie lässt dies kalt. Auf CNN erklärte er diese Woche, er und Ro Khanna hätten versucht, die Politisierung der Epstein-Files zu verhindern: «Wir wollen den Opfern zu Gerechtigkeit und Transparenz verhelfen.» Khanna wiederum betonte auf X, er und Massie seien anders: «Wir machen nicht nur Memes oder Reden, wir kämpfen gegen ein korruptes System.»
