International
X - Twitter

Twitter bittet User: «Helft uns, IS-Propaganda zu bekämpfen»

Bild
Bild: Getty Images North America

Twitter bittet User: «Helft uns, IS-Propaganda zu bekämpfen»

Twitter geht verstärkt gegen islamistische Propaganda beim Kurznachrichtendienst vor. Nicht nur wird mehr Personal eingesetzt – auch die Nutzer sollen mithelfen. 
14.03.2015, 12:3014.03.2015, 15:00
Ein Artikel von
Spiegel Online

Der «Islamische Staat» (IS) wird beim Verbreiten seiner Propaganda von Tausenden Anhängern unterstützt. Allein zwischen Oktober und November 2014 zählte das US-Politikinstitut Brookings mindestens 46'000 Profile bei Twitter, die Sympathien mit dem IS erkennen lassen. Der Kurznachrichtendienst will nun mit mehr Personal gegen islamistische Propaganda vorgehen.

«Wir nehmen das ernst und haben die betreffenden Teams aufgestockt», schrieb der Chefjurist des Unternehmens an einen Ausschuss des US-Kongresses. Ziel von Twitter sei es, Inhalte von Unterstützern der Terrormiliz IS so schnell wie möglich aus seinem Dienst zu entfernen.

User sollen mithelfen

Twitter werde das Netzwerk allerdings nicht selbst nach möglichen IS-Tweets durchforsten, schrieb Unternehmensjurist Vijaya Gadde. Alle Tweets zu durchsuchen, sei angesichts der Menge nicht möglich. Stattdessen sollten Nutzer das Unternehmen über eine Meldefunktion auf Nachrichten aufmerksam machen. Dann werde geprüft, ob die Tweets gegen die Regeln verstossen. «Wir haben Tausende Twitter-Profile von Terror-Organisationen oder Unterstützern suspendiert, weil ihre Gewaltdarstellungen gegen unsere Nutzungsbedingungen verstossen», erklärte Gadde in dem Brief.

Twitter hatte erst kürzlich Konten entfernt, in denen Anhänger der Terrorgruppe IS und der Islamistengruppe Boko Haram zu Gewalt aufgerufen hatten. Kurz darauf berichtete Twitter, der Onlinedienst habe Drohungen erhalten, weil er Nutzerkonten mit Verbindungen zum IS blockiert hatte.

Jetzt auf

Politik fordert Twitter zu Massnahmen auf

Die US-Abgeordneten hatten Twitter gebeten, mehr gegen die Verbreitung extremistischer Propaganda von Terroristen zu unternehmen. IS-Kämpfer nutzen Twitter und andere Online-Netzwerke massiv, um ihre Gräueltaten zu präsentieren und Anhänger anzulocken.

Das US-Politikinstitut Brookings hat auch ausgewertet, wie sich die IS-Unterstützer bei Twitter zusammensetzen. Demnach wurden bei den im vergangenen Herbst gezählten 46'000 Profilen drei Viertel der Tweets auf Arabisch versendet. Die meisten kamen aus dem Irak und Syrien sowie aus Saudi-Arabien, Ägypten und anderen arabischen Ländern.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
«Iran hat einen Pyrrhussieg errungen», sagt der Nahostexperte Volker Perthes
Anders als viele Beobachter glaubt der deutsche Politologe nicht, dass das Teheraner Regime gestärkt aus dem Krieg mit den USA hervorgegangen ist. Aber auch sonst gebe es keine Sieger.
Derzeit laufen Verhandlungen zwischen Iran und den USA; gleichzeitig kommt es immer wieder zu Kampfhandlungen zwischen beiden Staaten. Sind diese Teil der Verhandlungstaktik oder kündigen sie bereits ein Scheitern der Gespräche an?
Volker Perthes: Ich denke, sie sind Teil des Verhandlungsprozesses. Nicht unbedingt der Taktik, und schon gar nicht einer Strategie. Es gibt praktisch kein Vertrauen zwischen den Verhandlungsparteien, von daher sind die Hürden für Störungen niedrig. Die 14 Punkte, auf die man sich in einem Memorandum geeinigt hat, können unterschiedlich interpretiert werden. Noch werden die Eskalationen eingefangen, weil beide Seiten ein Interesse daran haben, dass der Schiesskrieg nicht wieder beginnt. Beide haben gelernt, dass sie diesen Krieg nicht gewinnen können.
Zur Story