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Ukraine soll im Donbass mehr Panzer als die Russen haben: Diese Waffen liefert der Westen

Panzerhaubitzen, Fahrzeuge und Kamikaze-Drohnen: Die Ukraine erhält vom Westen ein breites Arsenal – und mittlerweile auch schwere Waffen. Aber reicht es, um die Russen zu schlagen? Eine neue Entwicklung im Donbass macht den Ukrainern Mut. Eine Übersicht.
23.04.2022, 22:2325.04.2022, 11:55
Remo Hess, Brüssel und Renzo Ruf, Washington / ch media

Jetzt kommt Bewegung in die westlichen Waffenlieferungen an die Ukraine: Beinahe täglich gibt es neue Ankündigungen, wer welche Waffen ins Kriegsgebiet schickt, darunter auch immer mehr schwere Artillerie und Panzer. Am Donnerstag machte US-Präsident Joe Biden die neusten US-Lieferungen im Umfang von 800 Millionen Dollar publik. Insgesamt belaufen sich die amerikanischen Waffenlieferungen seit Kriegsbeginn auf 3.4 Milliarden. Ein neues Paket ist bereits in Planung.

Neben Helikoptern sowjetischer Produktion liefert Washington auch 90 Artilleriegeschütze samt Munition, welche die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland dringend benötigt. Kanada will ebenfalls Artilleriegerät schicken. Und auch in Europa hat man die anfängliche Zurückhaltung abgelegt: Neben Grossbritannien kündigten die Niederlande an, den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski mit gepanzerten Fahrzeugen und Haubitzen zu unterstützen.

Wert der militärischen Hilfsleistungen

Militärische Hilfsleistungen ausgewählter Länder im Zeitraum vom 24. Februar bis 27. März 2022.
Militärische Hilfsleistungen ausgewählter Länder im Zeitraum vom 24. Februar bis 27. März 2022.Quelle: IfW Kiel
Lieferungen, die von der EU erfolgten, wurden auf die einzelnen Mitgliedsstaaten gemäss ihrem Anteil am EU-Budget 2020 aufgeteilt. Weil mehrere Länder nicht zu allen Lieferungen Angaben machen, können die tatsächlichen Beiträge abweichen.
Lieferungen, die von der EU erfolgten, wurden auf die einzelnen Mitgliedsstaaten gemäss ihrem Anteil am EU-Budget 2020 aufgeteilt. Weil mehrere Länder nicht zu allen Lieferungen Angaben machen, können die tatsächlichen Beiträge abweichen.Quelle: IfW Kiel

Belgien will ebenso schwere Waffen liefern. Wie es Tschechien bereits getan hat, tritt Slowenien zwischen 30 und 40 seiner T-72 Panzer aus jugoslawischen Zeiten an Kiew ab. Und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bestätigte in einem Interview, dass Paris eine nicht genannte Zahl seiner «Cäsar»-Haubitze der Ukraine zur Verfügung stellt und Soldaten zu deren Handhabung ausbildet. Klar ist auch, dass viele weitere westliche Staaten Waffen liefern, aber in der Öffentlichkeit wenig darüber reden.

Im neusten US-Paket findet sich auch eine ganz spezielle Waffe: Es handelt sich um über 120 Kamikaze-Drohnen mit dem geheimnisvollen Namen «Phoenix Ghost». Sie ist unter Hochdruck von der US-Luftwaffe entwickelt worden und ganz auf die Bedürfnisse der Ukraine zugeschnitten. Die mit einem Sprengsatz bestückte Drohne kann vertikal starten, bei Nacht fliegen und bleibt bis zu sechs Stunden in der Luft, ehe sie sich treffsicher auf ihr Ziel stürzt. Bereits zuvor lieferten die USA der Ukraine gegen 700 «Switchblade» Kamikaze-Drohnen.

Militärische Hilfsleistungen nach Ländern und der jeweilige Anteil am BIP

Lieferungen, die von der Europäischen Union erfolgten, wurden auf die einzelnen Mitgliedsstaaten gemäss ihrem Anteil am EU-Budget 2020 aufgeteilt. Weil mehrere Länder nicht zu allen Lieferungen Angaben machen, können die tatsächlichen Beiträge abweichen.
Lieferungen, die von der Europäischen Union erfolgten, wurden auf die einzelnen Mitgliedsstaaten gemäss ihrem Anteil am EU-Budget 2020 aufgeteilt. Weil mehrere Länder nicht zu allen Lieferungen Angaben machen, können die tatsächlichen Beiträge abweichen.Quelle: IfW Kiel

Ukrainer haben im Donbass aktuell wohl mehr funktionsfähige Panzer als die Russen

Die Lieferung schwerer und auch offensiver Waffen ist nötig geworden, seit Russland seinen Angriff auf den Donbass konzentriert und mit grossen Mengen an Artillerie, Panzern und Soldaten einen traditionellen Bewegungskrieg auf breiter Front aufzieht. Laut amerikanischen Sicherheitskreisen sind die Ukrainer mittlerweile so hochgerüstet, dass sie sogar über mehr funktionsfähige Panzer im Donbass verfügen sollen als die Russen. Ausschlaggebend dürften dabei nicht nur die Lieferungen aus dem Ausland sein, sondern auch von den Russen erbeutetes Kriegsgerät.

Seit Beginn des Krieges machen auf den sozialen Netzwerken Bilder die Runde, die zeigen, wie die Ukrainer russische Panzer und gepanzerte Mannschaftstransporter zigfach übernehmen. Genaue Zahlen gibt es keine. Der Militärblog «Oryx» führt aber eine Liste mit visuell verifizierten Zerstörungen oder Erbeutungen durch die ukrainischen Streitkräfte. Demnach hat die Ukraine mindestens 212 Panzer und 131 gepanzerte Fahrzeuge von der russischen Armee ergattert.

Ob die von den USA festgestellte Übermacht der Ukraine über längere Zeit anhält, kann aber bezweifelt werden: Russland kann auf ein nahezu unerschöpfliches Waffenarsenal zurückgreifen, welches bei Bedarf ins Kriegsgebiet verlegt werden kann.

Hilfsleistungen ausgewählter Länder (da mehrere Staaten nicht zu allen Lieferungen Angaben machen, sind die Daten nicht vollständig)

Hilfsleistungen ausgewählter Länder im Zeitraum vom 24. Februar bis 27. März 2022. Weil mehrere Länder nicht zu allen Lieferungen Angaben machen, sind die Angaben nicht vollständig.
Hilfsleistungen ausgewählter Länder im Zeitraum vom 24. Februar bis 27. März 2022. Weil mehrere Länder nicht zu allen Lieferungen Angaben machen, sind die Angaben nicht vollständig.Quelle: IfW Kiel

Lassen die Deutschen die Ukrainer im Stich?

Vor diesem Hintergrund wird auch die Kritik am deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz immer lauter, der sich nach wie vor weigert, der Ukraine schwere Waffen direkt zu liefern. Die Begründungen dafür wechseln sich ab und werden von der Opposition, aber auch von Teilen des grünen Koalitionspartners als Ausflüchte wahrgenommen. Einmal sagt Scholz, die Bestände der Bundeswehr seien erschöpft. Ein anderes Mal heisst es, es mache keinen Sinn, Waffen wie den Schützenpanzer Marder zu liefern, welchen die ukrainische Armee wegen der fehlenden Ausbildung nicht bedienen könne. Eine der Ukraine zur Verfügung gestellte Liste an möglichen Waffenlieferungen soll Scholz gemäss Medienberichten gezielt von schwerem Gerät befreit haben.

Zweifel an Scholz' Argumenten lässt aber die Tatsache aufkommen, dass Deutschland in einem sogenannten «Ringtausch» nun doch Marder-Schützenpanzer und Radpanzer vom Typ Fuchs nach Slowenien schickt, für die T-72, die das Land an die Ukraine übergibt. Gleichzeitig ist bekannt geworden, dass deutsche Militärs die Ukrainer auf der Panzerhaubitze 2000 ausbilden, die die Niederlande nach Kiew liefert. Eine Ausbildung im Eiltempo ist also möglich.

Panzerhaubitze 2000 der deutschen Armee.
Panzerhaubitze 2000 der deutschen Armee.Bild: keystone

Weshalb der Regierungschef des mächtigsten europäischen Landes so auf der Bremse steht ist unklar. Im Zentrum steht offenbar Scholz' Angst vor einem Atomkrieg: «Ich tue alles, um eine Eskalation zu verhindern, die zu einem dritten Weltkrieg führt. Es darf keinen Atomkrieg geben», sagte Scholz am Freitag im Interview mit dem «Spiegel». Die Zeitung «Welt» spekulierte diese Woche bereits, ob Russlands Präsident Putin Scholz im direkten Gespräch mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht habe.

Tatsächlich hat auch William Burns, der Leiter des US-Geheimdienstes CIA, kürzlich gewarnt, Putin könnte angesichts seiner möglichen Verzweiflung und der militärischen Rückschläge den Einsatz taktischer Atomwaffen in Betracht ziehen.

(aargauerzeitung.ch)

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quelle: keystone / alejandro zepeda
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74 Kommentare
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Erbinho
23.04.2022 23:46registriert Juli 2014
Das heisst ja dann, dass Russland mehr Panzer an die Ukraine "geliefert" hat als die Schweiz - mol, Bravo! 😅
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JtotheP
23.04.2022 23:04registriert Februar 2018
Ich würde gerne mein Stgw spenden. Es verstaubt nur im Keller.

Hoffe, dass die Ukrainier es schaffen die Russen zu stoppen.
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BG1984
23.04.2022 23:04registriert August 2021
Dass die kleinen Phoenix Ghost Kamikazedrohnen 6 Stunden fliegen können ist kaum zu glauben. Habe das nur bei italienischen und deutschen Quellen gefunden, aber wenn's so wäre, umso besser für die Ukraine.
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