Während die Schlagzeilen weiterhin dem ukrainischen Einfall in die russische Grenzoblast Kursk gelten, besetzt Russland in der Ukraine weitere Gebiete. Vor allem im Donbas, in Richtung der 65’000-Einwohner-Stadt Pokrowsk, kämpfen sich russische Einheiten unablässig nach vorn. Laut Serhii Dobriak, dem Leiter der städtischen Militärverwaltung, befinden sich die feindlichen Truppen nur noch zehn Kilometer von der Stadt entfernt. Deshalb wurden die Einwohner aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und die Stadt zu evakuieren.
Bilder und Videos auf verschiedenen Telegram-Kanälen zeigen bereits heute verlassene Quartiere und menschenleere Strassen. Eine Stadt ohne Zivilisten, so die offizielle Begründung der Evakuierungsmassnahmen, gibt den Verteidigern zusätzlichen taktischen Spielraum.
Vor und während des Kriegs war Pokrowsk das wichtigste Bergbauzentrum der Ukraine mit einer der grössten Kohleminen des Landes. Laut dem Betreiber Metinvest ist sie die einzige im Land, die noch Kokskohle fördert – bedeutend für die Stahlherstellung und damit auch für die heimische Rüstungsindustrie. Sie beschäftigte mehr als 7000 Arbeiter und befindet sich 14 Kilometer westlich des Stadtzentrums (und damit weiter weg von der Front). Seit Ausbruch des Kriegs und einem zunehmenden Mangel an männlichem Personal wurden dort vermehrt auch Frauen als Bergleute eingestellt.
In Kursk haben ukrainische Einheiten in der letzten Woche weitere Gebiete unter Kontrolle gebracht. Das melden verschiedene Quellen, unter anderem auch das Institute for the Study of War (ISW). Weil offizielle Stellen der Ukraine nur sehr rudimentär informieren, stammen die glaubwürdigsten Informationen meist von unabhängigen OSINT-Journalisten (Open-Source-Intelligence), welche mittels Geolokalisation von Bildern und Videos aus Telegram-Kanälen Gerüchte bestätigen oder entkräften. Dies erklärt die deutlichen Unterschiede verschiedener Karten. Wir haben vier verschiedene Quellen zusammengeführt.
1250 Quadratkilometer sollen ukrainische Einheiten nun kontrollieren (der Kanton Aargau umfasst 1404 km2). Vor einer Woche waren es noch 1000 Quadratkilometer.
Wie tief sich die Ukraine in russisches Gebiet vorwagen will, ist nicht bekannt. Ein mögliches Ziel könnten die Ufer des Flusses Sjem sein, wie Markus Reisner, Oberst des österreichischen Bundesheeres, gegenüber ntv.de mutmasst. Das Gewässer bietet sich als natürliche Verteidigungslinie an. Im Westen der besetzten Gebiete hat die Ukraine dieses Ziel bereits erreicht.
Reisners Aussage folgt auf die Zerstörung dreier Brücken über das Gewässer durch die Ukraine nördlich von Sumy. Kann Russland die abgeschnittenen Gebiete nicht mehr versorgen und kein schweres Gerät mehr über den Sjem verschieben, sind weitere Gebietsgewinne für die Ukraine vorprogrammiert. Eine von Russland installierte Pontonier-Brücke sei ebenfalls zerstört worden. Unabhängig konnten diese Aussagen nicht überprüft werden. Beim Gebiet südlich des Sjem handelt es sich um weitere 700 Quadratkilometer.
Der Vorstoss in der Kursk-Region war für die Kreml-Generäle völlig überraschend. Interessant, dass sie nicht in der Lage sind, adäquat damit umzugehen.
Die Situation im Donbas ist für die UA nach wie vor schwierig und herausfordernd. Aber auch hier beweist die UA-Führung ihr taktisches Geschick mit möglichst wenigen Verlusten und nur marginalen RU-Gebietsgewinnen – unter nach wie vor hohen [!] Verlusten – der RU-Armee.
Vor dem geistigen Auge sehe ich Putin, wie er sich in den Arsch beisst.
Muss nicht stimmen, aber der Umstand, dass Putin und seine Topschergen "unterwegs", sprich, nicht im Kreml sind, lässt angesichts der Lage schon aufhorchen.
Spannende Entwicklung.
Die Lage in Prokowsk + Yassir Jan hingegen gibt ernsthaft Grund zur Besorgnis.Hier könnte ein RUS Durchbruch mit fatalen Folgen drohen