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Ukraine: Militärexperte sieht Gefahren in einer Waffenruhe

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Derweil kämpft die Ukraine mit einem Personalmangel der Streitkräfte.Bild: keystone

Ukraine: Militärexperte sieht Gefahren in einer Waffenruhe

19.01.2025, 21:19
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Im Falle einer Waffenruhe im Ukraine-Krieg rechnet der ukrainische Militärexperte und Analytiker Olexander Kowalenko mit einem massiven Militäraufbau Russlands. Innerhalb eines Jahres könnte Moskau sein militärisches Potenzial ausweiten, wurde Kowalenko von der Agentur Unian zitiert. Damit drohe aber das klassische Szenario eines dritten Weltkriegs.

Russland könne innerhalb von zwölf Monaten alle Komponenten seiner Streitkräfte – vor allem Panzer, Artillerie und Raketen – unbehindert ausbauen. Zudem sei mit steigenden Zahlen von Infanterie zu rechnen – bis zu 1,2 Millionen Mann. Sollten Moskau und Pjöngjang weiterhin an ihrer Zusammenarbeit festhalten, wären bis zu 50'000 Soldaten aus Nordkorea als Verstärkung zu erwarten, meinte er. «Diese Anhäufung wird um eine Vielfaches höher sein als das, was den russischen Besatzungstruppen am 24. Februar 2022 (zu Beginn der Offensive gegen die Ukraine) zur Verfügung stand.»

Warnung vor drittem Weltkrieg und Kritik am Westen

Kremlchef Wladimir Putin könnten sich damit Möglichkeiten zum Vorstoss nach Europa eröffnen, etwa durch den sogenannten Suwalki-Korridor, das Grenzgebiet zwischen Polen und Litauen, nach Kaliningrad. «Wenige Menschen sprechen davon, aber dieser Plan der russischen Militärführung existierte schon 2022», sagte Kowalenko. Zu den russischen Plänen zu Angriffsbeginn 2022 gehörte auch der Vorstoss im Süden der Ukraine über die Hafenstadt Odessa in Richtung Moldau.

Nach Kowalenkos Meinung könnte Europa durch eine erzwungene Waffenruhe in der Ukraine den Dritten Weltkrieg nur näher bringen. «Auf merkwürdige Weise versagt die Voraussicht der westlichen Führer, und niemand sieht, was nach einem Jahr des 'Schweigens der Waffen' passieren kann», sagte Kowalenko. «Jeder Frieden mit einem unbesiegten Feind führt zu einem noch grösseren Krieg.»

Ähnlich argumentieren russische Experten gegen eine Waffenruhe. Sie warnen davor, dass der Westen mit seinen Waffenlieferungen und der Ausbildung ukrainischer Soldaten Kiew noch stärker machen könne, um Moskau dann eine strategische Niederlage zuzufügen. Sie verweisen darauf, dass der Westen die vor gut zehn Jahren geschlossenen Minsker Friedensvereinbarungen eben zu einer militärischen Stärkung der Ukraine genutzt habe. Die Ukraine betonte mehrfach, dass Russland auf eine Weise besiegt werden müsse, damit es nie wieder ein anderes Land angreifen könne.

Personalmangel der ukrainischen Streitkräfte

Derweil haben die ukrainischen Streitkräfte nach Aussage ihres Oberkommandeurs Olexander Syrskyj zu wenig Soldaten. «Wir müssten die Zahl unserer mechanisierten Brigaden angemessen erhöhen», sagte er im Rundfunk. «Aber die Mobilisierungskapazität reicht leider nicht aus, um diesen Bedarf zu decken.»

Daher habe man begonnen, die rückwärtigen Dienste auszukämmen. «Innerhalb vernünftiger Grenzen» werde nunmehr Personal aus der Logistik, Versorgung und Instandhaltung abgezogen, um Lücken zu füllen und neue Einheiten aufzustellen.

Anlass zu dieser Aussage Syrskyjs waren Beschwerden aus Luftwaffenverbänden zu Forderungen, dass von dort hoch qualifiziertes Personal abgezogen werden sollte, um an den Fronten eingesetzt zu werden. Die Armeeführung habe diesen Bestrebungen einen Riegel vorgeschoben, sagte Syrskyj. Dies seien erfahrene Spezialisten, «die durch niemanden ersetzt werden können».

Die Ukraine leidet unter anderem wegen der Altersgrenze für Reservisten an Personal für die Fronttruppen. Zwar müssen alle Männer ab 18 Jahren einen Grundwehrdienst ableisten, in den Kriegseinsatz müssen Soldaten erst ab 25. Die Unterstützer der Ukraine haben Kiew wiederholt aufgefordert, diese Altersgrenze zu senken. (sda/dpa)

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