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FILE - In this March 24 , 2017 file photo, a bison stands next to fir trees that have been logged, in the Bialowieza Forest, Poland. Poland said Thursday July 13, 2017, it was glad it will have a chance to defend its logging in the pristine Bialowieza forest before a European Union court and implied that it knows better about the preservation of nature than western Europe. (AP Photo/Adam Bohdan, File)

Holzschlag im Urwald von Białowieża: Die polnische Regierung hat die zwischen 2012 und 2023 zur Abholzung vorgesehene Holzmenge von 63'400 m3 auf 188'000 m3 verdreifacht.  Bild: AP/AP

Das ist der letzte Tiefland-Urwald von Europa – und er ist in grosser Gefahr

28.07.17, 11:40 29.07.17, 06:46


Einst jagten hier russische Zaren und polnische Fürsten. Heute leben 250 Vogel- und 62 Säugetierarten im Urwald von Białowieża, darunter Wölfe, Luchse und Europas grösster Säuger, der Wisent. Ein Teil des 150'000 Hektar grossen Waldes, der im polnisch-weissrussischen Grenzgebiet liegt, ist ein Nationalpark und gehört zum Weltnaturerbe und Biosphärenreservat der UNESCO. Hier stehen majestätische Eschen, jahrhundertealte Eichen und mächtige, bis zu 50 Meter hohe Fichten – Europas grösste Bäume. 

In this photo taken on Aug, 2006, dead trees lie on the ground in the Bialowieza National Park, a protected part of the Bialowieza Forest in eastern Poland. Poland’s government has sparked a conflict with scientists and conservationists with a plan to significantly increase logging in the Bialowieza Forest, the best preserved relic of an ancient forest that once covered the lowlands of Europe and Russia. (AP Photo/Vanessa Gera)

Kein menschlicher Eingriff: Alt- und Totholz bleibt im Urwald liegen. Die biologische Vielfalt hier ist überwältigend; neben zahlreichen Tierarten wurden bisher 5500 Pflanzen- und 3500 Pilzarten nachgewiesen.   Bild: AP/AP

Vielleicht nicht mehr lange. Die rechtskonservative Regierung in Polen kann sich mit den strikten Schutzbestimmungen für den letzten Tiefland-Urwald Europas nicht anfreunden. Im März 2016 beschloss sie, eine Verdreifachung der bisher zugestandenen Abholzung zu erlauben – und zwar auch in Teilen des Waldes, die bisher von Eingriffen jeglicher Art ausgenommen waren. 

Urwald von Białowieża

Der Białowieża-Urwald (polnisch «Puszcza Białowieska») erstreckt sich an der polnisch-weissrussischen Grenze über eine Fläche von rund 1500 km2, 620 km2 davon auf der polnischen Seite. 876 km2 beidseits der Grenze sind Schutzgebiet und zählen zum Weltnaturerbe und Biosphärenreservat der UNESCO. Besonders geschützt ist der auf polnischer Seite gut 105 km2 grosse Białowieża-Nationalpark und darin eine Kernzone von etwa 47 km2. Menschliche Eingriffe sind dort nur sehr eingeschränkt erlaubt, Besucher dürfen sich nur auf bestimmten Routen bewegen. 

Rund die Hälfte des Białowieża gilt als weitgehend unberührt: Diese Gebiete wurden seit der Entstehung des Waldes vor rund 8000 bis 9000 Jahren kaum vom Menschen beeinflusst. 

Quelle: Wikipedia

FILE - In this October 2013 file photo, a bison grazes in the Bialowieza Forest, in eastern Poland. Poland's Environment Ministry says that global forestry experts are checking the condition of the ancient Bialowieza Forest where the ministry has begun controversial, extensive logging to stop the spread of a harmful beetle. The ministry said on its website that it has invited experts from the International Union for Conservation of Nature who started inspecting the forest on Sunday, June 5, 2016, and will draw up plans to protect it. (AP Photo/Rafal Kowalczyk, File)

Für den grössten europäischen Säuger, den Wisent, war der Urwald eines der letzten Rückzugsgebiete.  Bild: AP/AP

Das rief die EU-Kommission auf den Plan. Im April 2017 forderte sie Warschau in einer «letzten Mahnung» dazu auf, den grossflächigen Holzeinschlag im Natura-2000-Gebiet – das Natura-2000-Netz verbindet Schutzgebiete in der gesamten EU – innerhalb von vier Wochen zu stoppen. Ansonsten werde sie Polen vor dem EU-Gerichtshof (EuGH) verklagen.

Die polnische Regierung liess sich davon nicht beirren und stoppte die Abholzung nicht. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass vorherige Regierungen Polen um viel Geld gebracht hätten, weil sie derart strenge Richtlinien zum Holzeinschlag akzeptiert haben. Umweltminister Jan Szyszko konterte zudem, bei den Massnahmen im Wald handele es sich um «aktiven Schutz» – mit der Abholzung bekämpfe man den Borkenkäfer. Später forderte der Minister sogar, den Wald von der UNESCO-Liste zu streichen. 

In this photo taken on Aug, 2006, a large dead tree lies on the ground in the Bialowieza National Park, a protected part of the Bialowieza Forest in eastern Poland. Poland’s government has sparked a conflict with scientists and conservationists with a plan to significantly increase logging in the Bialowieza Forest, the best preserved relic of an ancient forest that once covered the lowlands of Europe and Russia. (AP Photo/Vanessa Gera)

Auf polnischer und weissrussischer Seite bilden Teile des Urwalds einen Nationalpark mit einer streng geschützten Kernzone. Sie steht auf der Weltnaturerbe-Liste der UNESCO.  Bild: AP/AP

Mitte Juli hat die EU-Kommission daher Warschau wie angedroht vor dem EU-Gerichtshof verklagt. Da der Holzeinschlag bereits begonnen hat, forderte Brüssel zusätzlich eine einstweilige Verfügung des Gerichtshofes. Solche Massnahmen werden nur in dringenden und schwerwiegenden Fällen verhängt, bis ein endgültiges Urteil ergangen ist.

Bialowieza-Urwald in Polen, Weissrussland

Die Wälder von Białowieża sind auch Lebensraum für über 9000 Insektenarten. Viele der Tier- und Pflanzenspezies sind endemisch, also nur hier anzutreffen. Bild: Wikimedia/Robert Wielgórski a.k.a. Barry Kent

Lügt polnische Regierung, um Wald abzuroden?

Video: srf/SDA SRF

Nicht nur die EU und die UNESCO – sowie Naturschutzorganisationen wie Greenpeace oder der WWF –  sorgen sich um den Urwald von Białowieża. In Polen selber wächst der Widerstand. Mitte Juli demonstrierten Umweltschützer in Krakau, wo das UNESCO-Welterbekomitee tagte. Und am letzten Wochenende gingen in Warschau tausende auf die Strasse, um gegen die Abholzung zu protestieren. 

Protestdemos in Polen

Wie der Kampf um einen der letzten Urwälder in Europa ausgehen wird, steht derzeit noch in den Sternen. 

(dhr)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 28.07.2017 18:24
    Highlight Die böse Nazi-EU (gemäss Blocher) möchte also diesen letzten Tiefland-Urwald und UNESCO-Welterbe vor der Abholzung bewahren.
    Ja das ist sehr böse und eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates...
    Zum Glück mischen die sich ein!
    Und sie sollen diesen Voll-Idioten ruhig auch noch die "Lizenz zum Töten" wegnehmen, die sie sich selber ausgestellt haben!
    Was will uns dieses Beispiel sagen?
    Vielleicht dies:
    Es ist nicht immer alles böse und schlecht, was aus dem Ausland kommt!
    Manchmal ist es sogar ein Segen für die einheimische NATUR!
    32 11 Melden
    • Chnebeler 29.07.2017 09:08
      Highlight Du hast nur ein Detail vergessen ein EU-Staat hat seine Souveränität zu einem grossen Teil der EU abgetreten, daher ist es nur ein beschränkt souveräner Staat.

      Zudem ist der Naturschutz nur wirkungsvoll, wenn er Intarnational praktiziert wird, selbes gilt für den Klimaschutz
      4 10 Melden
    • rodolofo 29.07.2017 09:35
      Highlight @ Chnebeler
      Hat er das wirklich?
      Warum benehmen sich denn die Ungaren und die Polen dermassen frech?
      Besteht das Problem der EU heute vielleicht darin, dass die Nationalstaaten noch ZU VIEL zu sagen haben?
      So steckt die EU irgendwo zwischen einem richtigen Bundes-Staat, wie die USA sind, und den alten Nationalstaaten-Gebilden fest, ist also "weder Fisch, noch Vogel", oder "weder Stadt, noch Land", sozusagen ein "Agglomeration-Brei", wie wir ihn in der Schweiz auch immer grossflächiger haben...
      7 2 Melden
    • Chnebeler 29.07.2017 11:20
      Highlight Du wärst also der Meinung es wäre besser die Nationalstaaten aufzugebenund ein neuen riesigen zentralistischen Europa Staat zu konstruieren? Dies würde meiner Meinung nach den Zusammenhalt eher schwäche als stärken, da 500 Millionen Menschen sich niemals durch eine einzige Regierung vertreten fühlen würden.
      Und wenn man die vielfalt abbilden will eine quasi handlungsunfähige Regierung hat, ausser man schränkt die Demokratie sehr stark ein. Dies kann aber unmöglich das Ziel sein.
      1 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • ovatta 28.07.2017 17:29
    Highlight Wäre da gern mal in die Ferien gegangen, aber um Motorsägen kreischen zu hören muss ich nicht nach Polen!
    16 12 Melden
    • Martin1610 28.07.2017 20:07
      Highlight Was für ein dämlicher Kommentar! Flieg doch nach Las Vegas!
      10 26 Melden
    • ovatta 28.07.2017 21:15
      Highlight Sorry, aber USA steht voraussichtlich frühestens in drei Jahren wieder auf dem Tableau!

      Immerhin wissen die dort, das Nationalparks Touristen und Touristen Geld bringen!
      Wenn auch die gegenwärtige Administration dem schnellen Dollar aus Kohle und Öl nachzulaufen scheint..
      15 3 Melden
    • Martin1610 28.07.2017 22:03
      Highlight Bleib am besten da!
      5 17 Melden
  • glüngi 28.07.2017 14:10
    Highlight Ich frage mich wie man Erzkonservativ sein kann und sich dann nicht für den eignen Urwald einsetzen kann. Der Wald hat Geschichte und jetzt will man das Abholzen. Was für ein dummes Pack!
    120 9 Melden
    • leu84 28.07.2017 17:11
      Highlight Wie die "Konservativen" in der USA. Hauptsächlich money money. Als heimatliebenden soll man auch auf den heimischen Wald achten. Das hat ja nichts mit grün und so zu tun.
      39 2 Melden
    • glüngi 28.07.2017 18:05
      Highlight genau so ist es.
      7 1 Melden
  • Grundi72 28.07.2017 12:44
    Highlight Zum Glück sind wir nicht in der EU! Wäre ja noch schöner wenn die in Brüssel sich in solche Angelegenheiten einmischen!
    20 178 Melden
    • Sapere Aude 28.07.2017 14:22
      Highlight Dann befürwortest du die Abholzung des Waldes?
      86 17 Melden
  • Wald Gänger 28.07.2017 12:36
    Highlight Wie kann man rechtsnational sein und gleichzeitig sein eigenes Erbe und seine Scholle so gering schätzen?
    203 10 Melden
    • bcZcity 28.07.2017 12:49
      Highlight C.R.E.A.M
      21 6 Melden
    • *sharky* 28.07.2017 13:07
      Highlight Ein Witz, oder? Genau das machen die rechtsnationalen überall around the world... 🌎💀
      und vor allem sie!
      Wenn sich jemand für die Umwelt einsetzt, sind das Umweltschutz Organisationen, die Grünen und viele linkslieberale Menschen. Und klar, Ausnahmen bestätigen die Regel.
      64 10 Melden
    • x4253 28.07.2017 13:13
      Highlight "Heimat" und "Naturschutz" verkaufen sich eben gut. Damit locken auch die hiesigen Rattenfänger Wähler.
      Wie wichtig es denen tatsächlich ist zeigt sich gerade in Polen: gar nicht.
      36 8 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • kEINKOmmEnTAR 28.07.2017 12:14
    Highlight Ich frage mich was den passieren würde wenn Polen die einstweilige Verfügung vom Gerichtshof nicht anerkennt? Gibt es wieder eine Drohung von der Kommission das Stimmrecht zu entziehen?
    44 5 Melden

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