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Stadler Rail renoviert Züge von Thurbo und verkauft sie nach Ungarn

Thurbo
Nach rund 25 Jahren auf Ostschweizer Schienen verkehren die Züge von Thurbo künftig für die ungarischen Staatsbahnen.Bild: keystone

Stadler Rail renoviert Züge von Thurbo und verkauft sie nach Ungarn

Nächster Halt Ungarn: Nach rund 25 Jahren auf Ostschweizer Schienen verkehren die Züge von Thurbo künftig für die ungarischen Staatsbahnen. Parallel dazu erhält die SBB-Tochterfirma fortlaufend neues Rollmaterial von Stadler.
12.01.2026, 14:4912.01.2026, 15:23

Seite an Seite stehen in diesen Tagen in der modernen Serviceanlage in Weinfelden neue und altbekannte Züge der Ostschweizer Regionalbahn Thurbo. Während die einen in der 99 Meter langen Halle für ihre kommenden Fahrten auf Ostschweizer Schienen vorbereitet werden, geht es für die anderen bald auf eine wesentlich weitere Reise, nämlich nach Ungarn. Die Rede ist vom Flirt Evo und den sogenannten Gelenktriebwagen (GTW) von Thurbo.

Peter Spuhler, Verwaltungsratspraesident der Stadler Rail in einem neuen Flirt Evo Zug waehrend einer gemeinsamen Praesentation der SBB, Thurbo und RegionAlps von neuen Flirt Evo Zuegen der Stadler Ra ...
Stadler-Chef Peter Spuhler.Bild: keystone

Für letztere ist nach über fünf Millionen zurückgelegten Kilometern pro Zug Schluss. In den kommenden Jahren werden die grösstenteils zwischen 2002 und 2008 angeschafften Kompositionen von Thurbo hierzulande nach und nach ausser Betrieb genommen. Verschrottet werden die GTW jedoch nicht. Stattdessen sollen sie in Ungarn voraussichtlich weitere 15 Jahre im Einsatz stehen.

Verantwortlich für die Weitergabe der Züge an die ungarischen Staatsbahnen MAV ist der Thurgauer Zugbauer Stadler Rail. Das Unternehmen, das die Züge einst an Thurbo lieferte, kauft 93 der insgesamt 110 Thurbo-GTW und macht sie fit für ihren weiteren Einsatz. Nach einer Modernisierung verkauft Stadler die Fahrzeuge wiederum an die MAV. Wie viel Geld fliesst, wird nicht kommuniziert.

«Die ungarischen Staatsbahnen befördern immer mehr Fahrgäste und bekundeten deshalb ein Interesse an Occasionsfahrzeugen», sagte Florian Leu von Stadler Rail bei einem Rundgang durch die Serviceanlage von Thurbo der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. An einem der Gelenktriebwagen zeigte der Projektverantwortliche, was es braucht, damit der Wechsel von den Ostschweizer auf die ungarischen Schienen möglich wird.

Neues Farbkleid für Ungarn

«Wir unterziehen die Züge einer Modernisierung, weil lokal andere Normen und Standards gelten», führte Florian Leu aus. Zur Modernisierung gehören unter anderem ein neues Informationssystem für die Fahrgäste oder eine erneuerte Videoüberwachung. Auch das Antriebssystem der Fahrzeuge wird umgerüstet. Zudem erhalten die Züge das Design der ungarischen Staatsbahnen. Pro Fahrzeug dauert die Modernisierung zwölf Wochen.

Die verschiedenfarbigen Kopfpolster, für welche die Thurbo-Züge bekannt sind, verschwinden, weil die Sitzbezüge ebenfalls erneuert werden. Für alle diese Arbeiten baut Stadler in Ungarn eine Serviceanlage auf.

Ein Blick in ein Flirt Evo Zug der Thurbo, aufgenommen waehrend einer gemeinsamen Praesentation der SBB, Thurbo und RegionAlps von neuen Flirt Evo Zuegen der Stadler Rail, in der Instandhaltungsanlage ...
Für die verschiedenfarbigen Kopfpolster sind die Thurbo-Züge bekannt.Bild: keystone

Neues Rückgrat des Ostschweizer Regionalverkehrs wird mit dem Flirt Evo wieder ein Zug von Stadler. Die SBB, das Walliser Transportunternehmen RegionAlps und Thurbo beschaffen insgesamt rund 300 dieser neuen Regionalzüge. 107 gehen an das Ostschweizer Bahnunternehmen. Der Preis pro Fahrzeug liegt bei zirka sieben Millionen Franken.

Revision für die Schweiz wäre aufwendig

Eine Erneuerung der bisherigen Thurbo-Flotte für einen weiteren Betrieb in der Schweiz hätte sich hingegen nicht gerechnet. Die Züge genügen beispielsweise den aktuellen Anforderungen von mobilitätseingeschränkten Reisenden nur noch bedingt. «Wenn wir die heutigen Fahrzeuge ertüchtigen würden, bräuchte es eine komplette Neuzulassung. Zudem müssten wir an der gesamten Fahrzeuginfrastruktur Hand anlegen», sagte Christian Baumgartner, Leiter Markt und Mediensprecher bei Thurbo.

Dank der gemeinsamen Beschaffung mit den SBB und RegionAlps profitiere Thurbo von Kostenvorteilen. Die Neubeschaffung sei daher insgesamt wirtschaftlicher als die Modernisierung der bestehenden Flotte.

Ein weiterer Vorteil: «Der Verkaufserlös kommt dem regionalen Personenverkehr zugute. Das heisst, er bleibt beim Bund und Kanton und entlastet somit die öffentliche Hand», so Christian Baumgartner weiter. Die ungarischen Staatsbahnen wiederum können dank den Occasionen schneller zusätzlich 14'000 Sitzplätze anbieten, als wenn sie neue Züge bestellen würden, ergänzte Florian Leu von Stadler Rail.

Ende der 2030er Jahre ist definitiv Schluss

Die neuen Fahrzeuge werden parallel zur Ausmusterung der GTW-Flotte schrittweise zwischen 2026 bis 2034 auf dem Thurbo-Netz eingeführt. Aktuell ist vorgesehen, dass die ersten Flirt Evo in der zweiten Jahreshälfte auf der S26 zwischen Winterthur und Rüti ZH erstmals regulär im Einsatz stehen werden. Im Toggenburg sind die Züge derzeit bereits im Probebetrieb mit Passagieren unterwegs.

Drei neue Flirt Evo Zuege der Stadler Rail, von Thurbo, links, SBB, Mitte, und RegionAlps, rechts, waehrend einer gemeinsamen Praesentation der SBB, Thurbo und RegionAlps von neuen Flirt Evo Zuegen de ...
Die neuen Flirt Evo Züge der Stadler Rail.Bild: keystone

Bis die ersten revidierten GTW durch Ungarn fahren, wird es gemäss Florian Leu voraussichtlich 2029. Das definitive Ende der GTW auf Ostschweizer Schienen bedeutet der Verkauf der 93 Züge aber noch nicht. 2012 und 2013 bestellte Thurbo 15 weitere Fahrzeuge nach. Diese sollen noch bis Ende der 2030er Jahre auf dem Ostschweizer Schienennetz im Einsatz sein. Zwei weitere Fahrzeuge werden 2028 ausrangiert. (dab/hkl/sda)

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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Madison Pierce
12.01.2026 16:07registriert September 2015
Da kann Stadler aber froh sein, dass die Ungarn ausländische Züge kaufen!
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pages
12.01.2026 16:13registriert August 2025
Also jetzt, Spuhler verkauft ins Ausland. Wieso flippt er nicht komplett aus, dass Ungarn kein ungarische Züge kauft?

Ach so, das ist dann was ganz Anderes...
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Peter Vogel
12.01.2026 15:30registriert Juni 2020
Gute Sache von der alle was haben.
Thurbo bekommt Geld, Stadler bekommt Aufträge, die Ungarn günstige Züge, die Umwelt wird geschont.
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