«Ich verursache keine Probleme, ich löse sie»: Das Leben des Chuck Norris
Legende der Kampfkünste: Chuck Norris – Ikone des Actionfilms und unfreiwilliger Internet-Mythos – ist mit 86 Jahren verstorben. Der ‹unbesiegbare› Star der ‹Walker, Texas Ranger›-Ära starb nach einem Notarzteinsatz auf Hawaii. Seine Familie trauert um einen ‹geliebten Kämpfer für amerikanische Werte›.
Tausende Memes
Ende 2005 erfanden amerikanische Internetnutzer Tausende Memes über den ehemaligen Karate-Weltmeister, der nach der Serie Walker, Texas Ranger (1993–2001) zum Helden der US-Haushalte geworden war: Darin machten sie sich über die übermenschlichen Fähigkeiten seiner Figur lustig.
Nachdem er zunächst darüber gelacht hatte, verklagte der Schauspieler 2007 schliesslich den Verlag, der diese Chuck-Norris-Facts in einem Buch zusammengestellt hatte. «Einige der ‹Fakten› sind rassistisch, obszön oder zeigen Chuck Norris bei illegalen Aktivitäten», heisst es in der Klage. Und wenn es etwas gibt, das Chuck Norris verachtet, dann ist es Illegalität. Denn der Schauspieler mit der Tolle-Frisur, der seinen Gegnern mit Hand oder Fuss das Genick brechen konnte, verkörperte stets ehrliche Helden.
Ob in Filmen über Gewalt (Der Schweigsame; i. O. Code of Silence), Terrorismus (Invasion USA, Delta Force) oder den Vietnamkrieg (Missing in Action 1, 2 und 3) – dieser schweigsame Kämpfer verteidigte stets unbeirrt die amerikanischen Werte. «Ich wollte nur ein positives Bild verkörpern», vertraute der Star 1993 der New York Times an.
Mit seinen Rollen entwickelte er sich zu einem Superhelden, der im Namen eines triumphierenden Amerika die Bösewichte mit Tritten und Schlägen erledigt. Es ist simpel – und es funktioniert.
Verkörperung des ‹American Dream›
Chuck Norris war auch die Verkörperung des ‹American Dream›: Geboren in Armut in Oklahoma am 10. März 1940, war sein Vater ein alkoholkranker Indianer, seine Mutter eine irische Alleinerziehende, die ihre drei Söhne allein grosszog.
Nach der Highschool geht Chuck Norris mit der Armee nach Korea und lernt dort Judo und Karate. Bei seiner Rückkehr ist er Schwarzgurt-Träger. 1968 wird er Weltmeister im Mittel-Schwergewicht-Karate – ein Titel, den er bis 1974 hält. In Los Angeles, wo er mit seiner Frau und zwei Kindern lebt (eine uneheliche Tochter erfährt er erst Jahre später), eröffnet er mehrere Karate-Schulen und trifft auf Schauspieler Steve McQueen. «Steve meinte, ich solle es im Film versuchen: ‹Du hast diesen intensiven Blick beim Kämpfen – das könnte ankommen und dir viel Geld einbringen!›»
Nach einem zaghaften Debüt 1968 in Matt Helm – Einsatz in Karatschi bescherte ihm Bruce Lee seine erste bedeutende Rolle im Kultfilm Die Todeskralle schlägt wieder (1972). Unvergessen bleibt ihr tödlicher Kampf im Kolosseum von Rom – ein Moment, an den bis heute mit emotionaler Rührung erinnert wird.
Unterstützung für Netanjahu
Im wirklichen Leben ist Chuck Norris seit 1998 mit einer ehemaligen Model verheiratet, die 23 Jahre jünger ist als er. Er vertritt klare republikanische Werte: Im Jahr 2012 rief Norris als evangelikaler Christ dazu auf, Mitt Romney zu wählen, und warnte, es würden «tausend Jahre der Dunkelheit» drohen, falls Barack Obama wiedergewählt werde.
Im Jahr 2013 unterstützte er – oberkörperfrei und mit einem lederbehandschuhten Faustschlag in einem Video – auf eher ungewöhnliche Weise den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu.
Nachdem beim Sturm auf das Kapitol im Jahr 2021 ein Doppelgänger von Chuck Norris gesichtet worden war, sah sich der inzwischen über 80-Jährige, der 2017 zwei Herzinfarkte überlebt hatte, gezwungen, seine Anwesenheit in Washington zu bestreiten. Er versicherte:
