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Gouverneur spricht von «Terrorismus» – Messerangriff während Chanukka-Feier in New York

Bei einem Messerangriff während einer Feier zum jüdischen Lichterfest Chanukka sind in Monsey im US-Bundesstaat New York mindestens fünf Menschen verletzt worden. Der mutmassliche Täter plädiert auf nicht schuldig.



Die versammelten Gläubigen im Haus des Rabbis Chaim Rottenberg wollten gerade die Chanukka-Kerzen anzünden, als ihre Feier zum jüdischen Lichterfest von einem Angreifer blutig und brutal unterbrochen wurde.

«Keine Zeit zu reagieren»

«Wir haben gesehen, wie er ein Messer aus einer Verpackung genommen hat - es war so gross wie ein Besenstiel», sagte Aron Kohn, einer der Teilnehmer der Feier, der «New York Times». «Er hat sofort angefangen, Menschen anzugreifen, sobald er zur Tür hereingekommen war. Wir hatten überhaupt keine Zeit zu reagieren. Ich habe um mein Leben gebetet.»

«Genug ist genug! Juden sollten in Amerika nicht um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie in ihre Gotteshäuser gehen»

Der Angriff geschah in der Nacht zum Sonntag im Haus des Rabbis in der von orthodoxen Juden geprägten Ortschaft Monsey, etwa eine Autostunde nördlich der Metropole New York. Dort lebt eine grosse jüdische Gemeinde.

Der Angreifer verletzte in kürzester Zeit mindestens fünf Menschen und flüchtete dann mit einem Auto. Rund zwei Stunden nach der Tat wurde ein 37-Jähriger Verdächtiger festgenommen.

Er muss sich in fünf Anklagepunkten wegen versuchten Mordes und Einbruchs verantworten. In einer Voranhörung vor Gericht plädierte er am Sonntag auf nicht schuldig. Er soll am Freitag (3. Januar) erneut vor Gericht erscheinen. Seine Kaution wurde auf fünf Millionen Dollar festgesetzt.

«Innerstaatlicher Terrorismus»

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sprach von einer «abscheulichen und feigen Tat» und ordnete Ermittlungen an. Am Sonntag besuchte er den Tatort und plädierte dafür, den Vorfall als «innerstaatlichen Terrorismus» zu werten. Die Justizministerin des Bundesstaates New York, Letitia James, zeigte sich «zutiefst verstört» von dem Angriff und sicherte der jüdischen Gemeinschaft ihre Solidarität zu.

Orthodox Jewish people listen to N.Y. state Assemblyman Dov Hikind speak in Monsey, N.Y., Sunday, Dec. 29, 2019, following a stabbing late Saturday during a Hanukkah celebration. A man attacked the celebration at a rabbi's home north of New York City late Saturday, stabbing and wounding several people before fleeing in a vehicle, police said. (AP Photo/Allyse Pulliam)

Der Schock ist gross. Bild: AP

In der Millionenmetropole New York waren erst kürzlich die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden, nachdem es dort rund ein halbes Dutzend antisemitisch motivierter Angriffe während der Chanukka-Feierlichkeiten gegeben hatte. Mit dem mehrtägigen Lichterfest gedenken Juden jedes Jahr der Neuweihe des Tempels in Jerusalem im Jahre 164/165 vor der christlichen Zeitrechnung.

Die unversehrt gebliebenen Gläubigen rund um Rabbi Rottenberg setzten ihre Chanukka-Feier nach dem Angriff in der benachbarten Synagoge fort, wie ein Video der lokalen jüdischen Gemeinde zeigt.

Weltweit verurteilt

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu verurteilte die Attacke ebenfalls. «Wir werden auf jede Art mit den örtlichen Behörden zusammenarbeiten, um dabei zu helfen, diesem Phänomen ein Ende zu setzen.» Der israelische Präsident Reuven Rivlin sprach von einer «schrecklichen Attacke».

Ebenso «schockiert» zeigte sich Parlamentspräsident Juli Edelstein. Er sei zuversichtlich, dass die amerikanische Behörde entschieden gegen den «abscheulichen Angreifer» handeln werde - wie gegen jeden Kriminellen, der seine Hand gegen einen Juden erhebe.

Police work the scene of a residence in Monsey, N.Y., early Sunday, Dec. 29, 2019, following a stabbing Saturday during a Hanukkah celebration. Authorities say that several people were stabbed north of New York City late Saturday night and a possible suspect has been located. The Orthodox Jewish Public Affairs Council for the Hudson Valley region tweeted reports that the stabbing took place at the house of a Hasidic rabbi while they were celebrating Hanukkah. (Seth Harrison/The Journal News via AP)

Brutale Attacke auf Juden in Monsey, New York. Bild: AP

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem äusserte sich «zutiefst besorgt über die Nachrichten und Bilder von dem Ort einer weiteren antisemitischen Attacke». Das Wiesenthal-Zentrum forderte US-Präsident Donald Trump zur Einrichtung einer FBI-Sondereinheit im Kampf gegen Antisemitismus auf, «nach den endlosen Attacken auf Juden und ihre religiösen Einrichtungen». «Genug ist genug! Juden sollten in Amerika nicht um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie in ihre Gotteshäuser gehen.»

Auch das Internationale Auschwitz Komitee und die Konferenz der Europäischen Rabbiner verurteilten die Attacke (sda/dpa/afp)

Antisemitische Schmierereien an Synagoge in London

Nach der Entdeckung von antisemitischen Schmierereien an einer Londoner Synagoge und mehreren Schaufenstern hat die britische Polizei Ermittlungen wegen eines «rassistisch motivierten Hassverbrechens» eingeleitet.

Die Gebäude in den Stadtteilen Hampstead und Belsize Park waren mit Davidsternen und den Zahlen 9/11 besprüht worden. Die Schmierereien scheinen Bezug zu nehmen auf die Verschwörungstheorie, dass in Wirklichkeit Juden hinter den islamistischen Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA stünden.

Ein Vertreter der Londoner Polizei bezeichnete die Schmierereien als einen «eindeutig besorgniserregenden Vorfall». Die Schmierereien würden so schnell wie möglich entfernt. Ermittlungen zu den Tätern seien bereits eingeleitet worden. (sda/apa/afp)

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • solum 30.12.2019 08:35
    Highlight Highlight Ein einzelner, feiger, kranker Mensch greift eine Gruppe betender Juden mit einem langen Messer an. Das ist schrecklich und traurig aber mit Terrorismus hat dieser Angriff wenig zu tun. Es werden wieder Begriffe verwendet, die weiteres suggerieren lassen sollen.
    • opwulf 30.12.2019 10:59
      Highlight Highlight Ein Herz von mir, obwohl ich sehr wohl denke dass es Terror war! Domestic Terror! Diese Gruppe Leute wurde wegen ihrer Religionszugehörigkeit angegriffen, von einer Person welche von einer anderen Community kam. Terror muss nicht immer von ausserhalb kommen. Rein spekulativ, wenn ein Angehöriger der Darwishe in Pakistan in eine Sunnitische Moschee läuft und dort wahllos auf Menschen schiesst weil sie Sunniten sind, ist dies doch auch Terror? Oder Timothy McVeigh welcher ein Bombenanschlag auf ein Spital verübte, welches vorallem von Minderheiten besucht wurde, genau so Domestic Terror war!
  • Do not lie to mE 29.12.2019 23:56
    Highlight Highlight Diese Woche gab es in New York "Neun" antisemitische Angriffe - alle Angreifer waren "African Americans". Die Frage hat einer der prominentesten Antisemit und Israel-Hasser Louis Farrakhan etwas damit zu tun?
    • opwulf 30.12.2019 08:19
      Highlight Highlight Der feige Angreifer hat wohl eher mit den Black Israelites zu tun, wie auch der Vorfall in London vor einer Woche!
  • CalibriLight 29.12.2019 20:28
    Highlight Highlight Der Antisemitismus nimmt nicht nur in Europa zu.
    Eine schreckliche Entwicklung.
  • Kruk 29.12.2019 19:38
    Highlight Highlight Was für ein schrecklicher und feiger Typ, betende Menschen an ihrem Feiertag anzugreiffen.
  • lansky 29.12.2019 19:16
    Highlight Highlight Und noch immer ist mir (Jude, aber sakulär) nicht klar, was Juden den tun, um dafür gehasst zu werden. Und ich meine nicht einzelne Juden, sondern DER Jude.

    Was haben die paar Leutchen da an dieser Feier, oder ein othodoxer Jude in Wiedikon, den auf dem Kerbholz?

    • Saraina 29.12.2019 23:58
      Highlight Highlight Rein gar nichts nichts haben sie falsch gemacht. Sie sind völlig unschuldige Opfer. Genau wie die Toten, die in einer Kirche oder in einer Moschee von rassistischen Hatern erschossen wurden.

      Mir scheint, die Menschenverachtung , die sich im Diskurs einer bestimmten Art von Politikern weltweit breitmacht, entspannt die Situation ganz und gar nicht. 2019 gab es in den USA so viele Opfer von Massenmorden wie noch nie zuvor.
    • Kruk 30.12.2019 04:01
      Highlight Highlight Es gibt keinen Grund Fehler bei den Opfern zu suchen.
      Diesen Hass sollten wir schon längst aus der Welt geschafft haben.

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