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epa04706593 (FILE) A file picture released by the US Coast Guard on 22 April 2010 shows a fire aboard the mobile offshore oil drilling unit Deepwater Horizon, located in the Gulf of Mexico some 80 kilometers southeast of Venice, Louisiana, USA. An explosion on board BP's mobile offshore drilling rig Deepwater Horizon on 20 April 2010 had triggered the worst oil spill in US history. An estimate 5 million barrels of oil spewed into the Gulf from the underwater leak, killing uncountable numbers of birds and sea animals and bringing down fishery in the region. It took BP months to plug the leaking oil well.  EPA/US COAST GUARD / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY *** Local Caption *** 51549747

Die Explosion auf der Ölplattform Deepwater Horizon hatte dramatische Auswirkungen. Bild: EPA/US COAST GUARD / EPA FILE

Vor 10 Jahren explodierte die Deepwater Horizon – die Natur hat sich nicht erholt

Im Jahr 2010 kam es zu einer der schwersten Umweltkatastrophen der jüngeren Geschichte. Die Auswirkungen davon sind heute noch spürbar.

Niklaus Salzmann/ ch media



Der 20. April 2010 war ein Tag zum Feiern. Das glaubten zumindest am Morgen noch die vier Manager, die an jenem Tag auf die Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko geflogen wurden. Sieben Jahre ohne ernsten Unfall, die Bohrung abgeschlossen: Dazu gratulierten die Herren – zwei vom Ölkonzern BP, zwei vom Tiefseebohrspezialisten Transocean – den Arbeitern.

Ein paar Stunden, nachdem sie wieder abgeflogen waren, knallte es auf der Plattform. Die Abdichtung des frisch verschlossenen Bohrlochs hatte dem Druck nicht standgehalten. Gas war ausgetreten und hatte sich an einem Funken entzündet. Die Katastrophe liess sich nicht mehr aufhalten.

Elf Arbeiter starben. Fast drei Monate lang floss Öl ins Meer zwischen den USA und Mexiko. Pelikane und Schildkröten verendeten, von einer schwarzen, klebrigen Schicht überzogen. Das Öl gelangte in die Mägen von Fischen, Delfinen und Walen, Robben, Ottern. Pflanzen erstickten im Öl. Korallen- und Austernriffe starben ab.

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Das Öl breitete sich gut sichtbar auf der Meeresoberfläche aus und machte das Ausmass der Katastrophe für die ganze Welt sichtbar. bild: keystone

Kein Fisch, der nicht beeinträchtig wurde

Ein Teil des Öls konnte von der Meeresoberfläche abgeschöpft oder direkt am Bohrloch eingefangen werden. Ein Teil wurde abgefackelt. Zudem wurden fast 7 Millionen Liter eines Lösungsmittels ausgebracht, das dafür sorgen sollte, dass sich das Öl rascher zersetzt. Einen Monat nach der Explosion – das Öl floss noch immer aus dem Leck – sagte BP-Chef Tony Hayward:

«Ich glaube, die Umweltbelastung dieses Unglücks wird wahrscheinlich sehr, sehr bescheiden sein.»

Zwei Monate später musste er seinen Rücktritt erklären.

FILE - In this Thursday, June 17, 2010, file photo, protesters stand behind BP CEO Tony Hayward as he arrives on Capitol Hill in Washington, to testify before the House Oversight and Investigations subcommittee hearing on the role of BP in the Deepwater Horizon Explosion and oil spill. When then-BP chief Tony Hayward testified before Congress about the Deepwater Horizon oil spill in 2010, he denied involvement or knowledge of the problem in many cases. That’s a classic response designed to avoid legal trouble, but it didn’t make him sympathetic to viewers. Hayward lost his job about a month later. (AP Photo/Haraz N. Ghanbari, File)

Der damalige BP-Chef Tony Hayward spielte die Katastrophe herunter. Bild: AP/AP

Auf der Meeresoberfläche war zwar nach wenigen Wochen kein Öl mehr zu sehen. Aber in den Körpern von Tieren und im Boden ist auch zehn Jahre später noch nicht alles in Ordnung. Kürzlich hat die Universität South Florida eine Studie zu 2500 Fischen von 91 Arten publiziert. Laut Meeresbiologe Steven Murawski fanden sich in jedem einzelnen Fisch Spuren des Öls.

«Es gibt in diesem System keine unberührten Fische», sagte er laut Medienmitteilung. Zu den am stärksten belasteten Fischen gehörte der Ziegelbarsch, der sich Höhlen im Meeresgrund gräbt.

FILE - In this file photo taken June 12, 2010, crude oil from the Deepwater Horizon oil spill washes ashore in Orange Beach, Ala. The spring of coronavirus feels a lot like the summer of oil to residents along the Gulf Coast. Bars and restaurants are empty in Florida because of an invisible threat nearly a decade after the BP oil spill ravaged the region from the ocean floor up, and condominium reservations have taken a nosedive in Alabama. (AP Photo/Dave Martin, File)

Das Öl auf der Wasseroberfläche ist verschwunden, in den Sedimenten hat die Belastung hingegen zugenommen. Bild: AP

Die Belastung mit giftigen Kohlenwasserstoffen in der Galle der Fische hat über die vergangenen zehn Jahre nicht etwa ab-, sondern sogar zugenommen. In den Sedimenten um das Bohrloch herum lagert immer noch Öl, das durch Stürme oder Strömungen freigesetzt wird. Stark belastet ist zum Erstaunen des Forschungsteams aber auch der Gelbflossenthunfisch, der nicht am Meeresgrund lebt.

Laut der US-Meeresbehörde NOAA brauchen im Allgemeinen langlebige Arten länger, um sich zu erholen. Dazu zählen neben grossen Fischen auch Schildkröten und Meeressäuger. Noch immer finden sich bei Delfinen Schäden an inneren Organen wie Lunge und Nebenniere. Sie können entstehen, wenn ein Delfin direkt mit Öl in Kontakt kommt, aber auch wenn er Fische frisst, die verseucht sind.

Auch die Meeresschildkröten haben sich noch nicht erholt. Von den rund 600 toten Schildkröten, die nach der Katastrophe eingesammelt wurden, gehörten drei Viertel zu den vom Aussterben bedrohten Atlantische Bastardschildkröten. Ihr Bruterfolg schwankt seit der Katastrophe stark.

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Besonders stark von den Folgen der Ölkatastrophe betroffen: die atlantische Bastardschildkröte. bild: United States Fish & Wildlife Service (USFWS)

Bleibende Schäden an Korallen in der Tiefsee

Wie eng dies mit der Ölpest zusammenhängt, lässt sich schwer sagen. Deren Folgen vermischen sich mit anderen Umweltproblemen im Golf von Mexiko. Das Meer wird überfischt. Das Wasser ist schmutzig. Und durch den Klimawandel steigt der Wasserspiegel und es kommt häufiger zu Stürmen. Erosion ist an den Küsten des Golfs ein grosses Problem, das sich verstärkt hat, als das Öl die Pflanzen abtötete, die mit ihren Wurzeln die Ufer zusammenhielten. Es verschwanden Brutplätze von Schildkröten und Vögeln, aber auch Lebensräume für kleinere Tiere, von denen sich wiederum grössere ernähren.

In zahlreichen Projekten wird noch immer versucht, zumindest einen Teil der Schäden wiedergutzumachen. Die Netze der Shrimps-Fischerei werden mit Öffnungen versehen, durch welche Schildkröten entkommen können. Austernriffe werden wiederaufgebaut, in denen sich neben den Austern auch Krabben und junge Fische wohlfühlen.

Düster sieht es dagegen in der Tiefsee aus. Das Bohrloch befand sich 1500 Meter unter der Wasseroberfläche. Dort unten ist es eiskalt und der natürliche Abbau des Öls durch Bakterien schreitet langsamer voran als weiter oben. Das Öl floss auf Korallenkolonien, die bis zu sechshundert Jahre alt waren, heisst es in einem Bericht der «National Wildlife Federation», der grössten Naturschutzorganisation der USA. Einige Kolonien würden sich wohl nie erholen.

Und da solche Wassertiefen nur durch ferngesteuerte Roboter zugänglich sind, kann der Mensch auch kaum nachhelfen.

Hauptschuldig für die Katastrophe ist laut Gerichtsurteil der britische Ölkonzern BP, der grobfahrlässig gehandelt habe. Einen Teil der Schuld trägt zudem die Firma Transocean mit Sitz im Kanton Zug, die im Auftrag von BP die Plattform betrieb.

BP verkündete bereits 2013, der Golf kehre dank den Säuberungsaktionen, Renaturierungsprojekten und natürlichen Erholungsprozessen nun in den Zustand zurück, in dem er ohne den Unfall wäre. Das Gericht war anderer Meinung: BP muss in Tranchen bis 2032 unter anderem 8.1 Milliarden Dollar zur Wiedergutmachung von Schäden an der Natur zahlen.

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Die Deepwater-Horizon-Katastrophe

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Deepwater Horizon
quelle: epa/us coast guard / epa file / us coast guard / handout
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