Warum die Epstein-Fotos nur langsam ans Licht kommen – und gewisse Dinge noch gar nicht
Die Frist für die Veröffentlichung von Ermittlungsakten im Skandal um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein läuft heute ab.
Kurz vor Ablauf der Frist für die Veröffentlichung von Ermittlungsakten im Skandal um den gestorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat US-Vize-Justizminister Todd Blanche erklärt, dass nicht alle Unterlagen auf einmal veröffentlicht werden.
Noch im Laufe des Tages würden mehrere Hunderttausend Dokumente freigegeben, «und in den nächsten Wochen werden es voraussichtlich noch einmal mehrere Hunderttausend mehr sein», sagte Blanche im Sender Fox News. Er begründete dies damit, dass jede einzelne Seite, die veröffentlicht werde, so gestaltet sein müsse, dass die Identität der Opfer geschützt werde.
Erst Auszüge bekannt
Zu dem Fall gibt es umfangreiche Akten, aus denen bislang nur Auszüge bekannt sind. Viele Missbrauchsopfer gingen in den vergangenen Jahren an die Öffentlichkeit.
US-Präsident Donald Trump unterschrieb erst auf massiven Druck aus dem Parlament – darunter auch aus dem eigenen Lager seiner Republikanischen Partei – ein Gesetz, das die Veröffentlichung anmahnt. Trump hatte noch im Präsidentschaftswahlkampf die Freigabe der Akten selbst gefordert, dann aber sträubte er sich nach dem Amtsantritt dagegen.
Dokumente aus Nachlass bereits veröffentlicht
Anders als die Ermittlungsakten sind bereits Dokumente, die aus dem Nachlass Epsteins stammen, veröffentlicht worden. Der Kongress hatte die Unterlagen überprüft. Erst am Donnerstag hatten Demokraten erneut Fotos aus dem Nachlass veröffentlicht. Auf diesen Fotos sind wieder zahlreiche Prominente zu sehen, darunter der Microsoftgründer Bill Gates, der eine junge Frau im Arm hält. Die Echtheit der Fotos liess sich zunächst nicht unabhängig verifizieren. Gates war bereits auf früher veröffentlichten Bildern zu sehen.
US-Präsident Donald Trump, der in früher veröffentlichten Fotos im Umfeld Epsteins zu sehen war, ist auf den jüngsten Bildern nicht dabei. Nach Angaben der Demokraten befinden sich in dem Nachlass, der nach und nach im zuständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses überprüft werde, 95'000 Fotos.
Grund für Veröffentlichung in Häppchen
Die Demokraten im zuständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses haben Zugriff auf rund 95'000 Fotos. Ein Grund, wieso nicht alle auf einmal veröffentlicht werden, ist, dass die Ausschuss-Mitglieder noch gar nicht alle Fotos sichten konnten. Vor einer Woche war das Komitee bei etwa 25'000 gesichteten Fotos.
Weiter sehen sich die Demokraten dem Identitätsschutz der Überlebenden verpflichtet, wie sie bei der vorletzten Veröffentlichung mitteilten. Dadurch müssen sie Fotos genauer prüfen und je nachdem Teile davon schwärzen.
Die Demokraten im Komitee sagten zu den jüngsten Veröffentlichungen von Donnerstag, die Bilder seien «ausgewählt worden, um der Öffentlichkeit Transparenz anhand einer repräsentativen Auswahl der Fotos zu bieten» und «um Einblicke in Epsteins Netzwerk und seine äusserst verstörenden Aktivitäten zu geben».
Der Hintergrund
Der New Yorker Finanzier Epstein war über viele Jahre Teil der High Society und verkehrte in einflussreichen Kreisen. Der Multimillionär hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Auch er selbst soll Frauen und Mädchen missbraucht haben.
Vor etwa 20 Jahren landete der Fall vor Gericht. Zu einigen Vorwürfen bekannte sich Epstein schuldig. Jahre später wurde der Fall nochmals aufgerollt und der Multimillionär erneut festgenommen. Noch bevor ein mögliches weiteres Urteil gefällt werden konnte, starb der Finanzier 2019 mit 66 Jahren in seiner Gefängniszelle. Im Obduktionsbericht wurde Suizid als Todesursache genannt.
Lass dir helfen!
Du glaubst, du kannst eine persönliche Krise nicht selbst bewältigen? Das musst du auch nicht. Lass dir helfen.
In der Schweiz gibt es zahlreiche Stellen, die rund um die Uhr für Menschen in suizidalen und depressiven Krisen da sind – vertraulich und kostenlos.
– Die Dargebotene Hand: Tel 143, www.143.ch
– Beratung + Hilfe 147 für Jugendliche: Tel 147, www.147.ch
– Reden kann retten: www.reden-kann-retten.ch
Epsteins plötzlicher Tod und seine vielfältigen Kontakte in die Welt der Reichen und Mächtigen lösten Spekulationen über die mögliche Verwicklung einflussreicher Kreise aus. Vor seiner Festnahme waren Prominente und Milliardäre bei ihm ein und aus gegangen – auch US-Präsident Donald Trump verbrachte Zeit mit Epstein, wie mehrere Party-Videos belegen. Allerdings gibt es keine Hinweise auf eine Verwicklung Trumps in den Skandal.
(rbu) mit Material von sda und dpa
