International
USA

USA: 3 Fälle von Waffengewalt, die fassungslos machen

3 Fälle von Waffengewalt, die fassungslos machen: Wenn Irrtümer in den USA tödlich enden

Die falsche Adresse, die falsche Zufahrtsstrasse, das falsche Auto: Drei absonderliche Schiessereien in den letzten Tagen kurbeln in den USA die Debatte über Waffengewalt an.
22.04.2023, 19:2622.04.2023, 19:27
Renzo Ruf, Washington / ch media
Mehr «International»

Eine Reihe geradezu absurder Schiessereien erschüttern die USA, einem Land notabene, in dem Waffengewalt zum Alltag gehört. Diese Fälle aber, die sich zufällig im gleichen Zeitraum ereigneten, haben das Potenzial, die Amerikanerinnen und Amerikaner aufzurütteln – auch weil es sich bei den Opfern um unbescholtene junge Menschen handelt.

This undated photo provided by Ben Crump Law shows Ralph Yarl, the teenager shot by a homeowner in Kansas City, Mo. (Ben Crump Law via AP)
Er wollte bloss seine beiden jüngeren Brüder abholen: Weil Ralph Yarl aber vorigen Donnerstag sich in Kansas City (Missouri) in der Adresse irrte, liegt der 16-jährige Junge nun im Spital.Bild: keystone

Der 16 Jahre alte Teenager, der an der falschen Haustür klingelte

Die Adresse in Kansas City (Missouri) lautete: 1100 NE 115th Terrace. In diesem Haus hätte der 16 Jahre alte Ralph Yarl am Donnerstagabend letzte Woche seine beiden jüngeren Bruder abholen sollen. Der Schüler aber las die Adresse nicht richtig, bog mit seinem Auto in die NE 115th Street ein, eine Parallelstrasse, und klingelte dort kurz vor 22 Uhr an der falschen Haustür.

Andrew Lester appears in court to answer charges of first-degree assault and armed criminal action on Wednesday, April 19, 2023 in Liberty, Mo. Lester, 84, accused of shooting Ralph Yarl, a Black teen ...
Rechts im Bild: Andrew Lester, 84 Jahre alt, muss vor Gericht aussagen, 19. April 2023.Bild: keystone

Der Eigentümer des Einfamilienhauses, ein 84 Jahre alter Mann, war bewaffnet. Als er nach längerem Zögern die Türe öffnete, schoss er ohne Vorwarnung auf Yarl. Der Teenager wurde am Kopf und am rechten Arm getroffen, bevor er sich aufraffen konnte und davonrannte.

Die Begründung des alleinstehenden Mannes für seine Schüsse: Er sei der Meinung gewesen, der junge Afroamerikaner wolle in sein Haus einbrechen. (Im Bundesstaat Missouri ist es legal, sich mit tödlicher Waffengewalt gegen einen rechtswidrigen Angriff zu wehren.) Yarl wiederum sagt, er habe bloss geläutet und sich nicht auf den alten, weissen Mann zubewegt.

Der Junge befindet sich in Spitalpflege, scheint aber glücklicherweise auf dem Weg zur Besserung zu sein. Der Schütze wurde am Montag formal angeklagt. Ein hochrangiger Politiker aus Kansas City zeigte sich über den Vorfall entsetzt: «Ich bin ziemlich erschrocken darüber, wie leicht wir bereit sind, aufeinander zu schiessen», sagte der Abgeordnete Emanuel Cleaver.

Die zwanzigjährige Frau, die in die falsche Zufahrt fuhr

Sie waren gemeinsam unterwegs, an einem warmen Samstagabend, kurz vor 22 Uhr: Eine Gruppe von jungen Menschen, auf dem Weg zu Freunden in einem ländlichen Teil von New York. In der Nähe des Dorfes West Hebron machte die Gruppe, unterwegs in zwei Autos und einem Motorrad, einen fatalen Fehler, ignorierte die «No Trespassing»-Schilder und fuhr auf ein privates Grundstück.

Der Besitzer des Hauses fackelte wohl nicht lange, als er die motorisierten Besucher auf der langen Zufahrtsstrasse zu seinem Haus bemerkte. Er schoss mindestens zweimal. Ein Schuss traf die zwanzig Jahre alte Kaylin Gillis, die sich auf dem Beifahrersitz eines der Autos befand, und tötete die junge Frau. Angeblich hatte die Gruppe zu diesem Zeitpunkt bereits realisiert, dass sie sich auf dem falschen Grundstück befand.

Der mutmassliche Täter, ein 65 Jahre alter Mann (der wie alle involvierten Personen weisser Hautfarbe ist), fühlte sich von den ungeladenen Gästen bedroht. Der Auto-Konvoi habe sich mit hoher Geschwindigkeit auf sein abgelegenes Haus zubewegt, und dabei am späten Abend viel Lärm gemacht, sagte sein Anwalt in einer ersten Stellungnahme. Über seinen Anwalt liess der Hausbesitzer auch ausrichten, dass der Vorfall ihm schrecklich leidtue. Er sei kein Bösewicht, und in dieser Tragödie gebe es nur Opfer. Er wurde bereits angeklagt, wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz.

Die Cheerleaderin, die ins falsche Auto stieg

Der Parkplatz des Supermarktes H-E-B in Elgin, einer texanischen Kleinstadt in der Nähe von Austin, ist riesig – so wie das in Amerika häufig der Fall ist. Das wurde einer Gruppe von vier jungen Mädchen in der Nacht auf Dienstag zum Verhängnis. Kurz nach Mitternacht, die vier Cheerleaderinnen machten sich nach einem Training im Fitnessstudio auf den Nachhauseweg, stieg eine der jungen Frauen in eines der parkierten Autos ein.

Sie sei der Meinung gewesen, dass es sich dabei um ihr eigenes Fahrzeug gehandelt habe, sagte Heather Roth in einer Stellungnahme auf Instagram. Als sie einen Mann auf dem Passagiersitz gesehen habe, bemerkte sie ihr Versehen und nahm Reissaus. Roth sprang zurück ins Auto ihrer Freundinnen. Sie habe noch versucht, sich beim unbekannten Mann zu entschuldigen. Dieser aber, ein 25 Jahre alter Mann, zückte seine Waffe und begann, auf das Auto mit den Cheerleaderinnen zu schiessen.

Zwei der jungen Frauen wurden angeschossen; die Verletzungen einer Cheerleaderin sind derart schwer, dass sie noch auf einer Intensivstation gepflegt werden muss. Der Täter flüchtete und feuerte wohl noch weitere Schüsse ab. Er wurde von der Polizei in seiner Residenz festgenommen. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Amoklauf in Schule in Texas
1 / 15
Amoklauf in Schule in Texas
Ein 18-jähriger Mann erschiesst mindestens 19 Schülerinnen und Schüler und zwei Erwachsene. (William Luther/The San Antonio Express-News via AP)
quelle: keystone / william luther
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Dieser Schulbusfahrerin platzt der Kragen – und viele fühlen mit ihr
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
58 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Ferienpraktiker21
22.04.2023 19:57registriert Dezember 2020
Verstehe nicht, wie man freiwillig in dem Land noch seinen Urlaub verbringen will.
USA befindet sich auf seinem direkten Abstieg ohne Zwischenstopp.
12726
Melden
Zum Kommentar
avatar
Nosferal
22.04.2023 19:34registriert Oktober 2018
Schrecklich wie man einfach mal zu schiessen beginnt ohne überhaupt zu denken...
988
Melden
Zum Kommentar
avatar
Homelander
22.04.2023 20:21registriert Oktober 2014
Nicht zu vergessen die im 7. Monat schwangere Frau, die auf dem Parkplatz eines Walgreens vom einem Walgreen Mitarbeiter niedergeschossen wurde wegen Verdacht auf Ladendiebstahl. LADENDIEBSTAHL!

Die Frau lebt und das Baby musste mit einem Notfallkaiserschnitt geholt werden und «is doing OK».
947
Melden
Zum Kommentar
58
Unicef: Keine höhere Bildung für afghanische Mädchen seit 1000 Tagen
In Afghanistan dürfen nach Machtübernahme der Taliban Mädchen seit nunmehr 1000 Tagen keine höhere Schule mehr besuchen.

Darauf wies das UN-Kinderhilfswerk Unicef am Donnerstag hin. «Für 1,5 Millionen Mädchen ist dieser systematische Ausschluss nicht nur eine eklatante Verletzung ihres Rechts auf Bildung, sondern führt auch zu schwindenden Chancen und einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit», erklärte Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell.

Zur Story