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U.S President Donald Trump arrives at Noi Bai Airport before a summit with North Korean leader Kim Jong Un, Tuesday, Feb. 26, 2019, in Hanoi. (AP Photo/ Evan Vucci)

Donald Trump wird in Hanoi mit militärischen Ehren empfangen. Bild: AP/AP

Trump trifft Kim – und in Washington geht die Furcht um

Donald Trump braucht dringend einen Erfolg in seiner Nordkorea-Politik – auch weil daheim neue Enthüllungen drohen. Seine eigene Regierung fürchtet, dass er Kim Jong Un weitreichende Zugeständnisse machen könnte.

Fabian Reinbold / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Kurz bevor Donald Trump Washington verliess, legte er sein Programm für das Gipfeltreffen mit Kim Jong Un in zwei Sätzen offen: «Ich denke, wir werden einen grossartigen Gipfel haben. Wir wollen Denuklearisierung und ich denke, er wird ein Land bekommen, das sich in Rekordzeit wirtschaftlich entwickeln wird.»

Doch nur die wenigsten in der US-Hauptstadt mögen Trumps Optimismus teilen und an seinen Deal zur Abrüstung gegen wirtschaftlichen Aufschwung glauben. Vor dem Treffen der beiden Staatschefs in Hanoi grassiert in Washington eher grosse Sorge darüber, was Trump Kim für Zugeständnisse machen wird, um seinen «grossartigen Gipfel» zu bekommen.

Donald Trump  steht vor seinem Treffen mit Kim aus zwei Gründen mächtig unter Druck. Den zahlreichen Skeptikern seiner Annäherung an Nordkorea müsste er einen Beweis liefern, dass er mit seiner Umarmungspolitik wirklich konkrete Fortschritte erzielen kann.

Und daheim stehen weitere unangenehme Enthüllungen an: Parallel zum Treffen in Hanoi wird daheim in Washington Trumps frühere rechte Hand Michael Cohen vor dem Kongress aussagen und dabei voraussichtlich für viele unangenehme Nachrichten für Trump sorgen. Ausserdem soll die Russland-Untersuchung vor dem Abschluss stehen. Umso mehr braucht der Präsident eine Erfolgsstory.

Was soll Denuklearisierung eigentlich heissen?

Seine Berater liessen durchblicken, dass Trump und Kim in Hanoi den Kriegszustand in Korea offiziell beenden könnten. Formell wurde der Korea-Krieg nie abgeschlossen und verharrt seit 1953 offiziell im Status einer Waffenruhe. Trump könnte sich so als Friedensstifter inszenieren.Doch was den eigentlichen Zweck der Gespräche angeht, die nukleare Abrüstung Nordkoreas, sehen viele Experten schwarz.

Denn beide Seiten haben noch immer keine Verständigung darüber erzielt habe, was die vielzitierte Denuklearisierung eigentlich genau bedeutet. Für die Amerikaner heisst sie, dass der Norden auf überprüfbare Weise seine Atomwaffen aufgibt. Für  Nordkorea  heisst das hingegen womöglich, dass die Atomwaffen der Amerikaner aus Südkorea abgezogen werden.

The motorcade transporting North Korean leader Kim Jong Un makes it way down a street in Hanoi, Vietnam, Tuesday, Feb. 26, 2019. Kim is in town for a summit with President Donald Trump. Trump and Kim first met last June in Singapore. But that face-to-face hasn't resulted in any solid plan for ridding the North of nuclear weapons. (AP Photo/Susan Walsh)

Schaulustige beobachten den Konvoi von Kim Jong Un in Hanoi. Bild: AP/AP

Die erste Erklärung vom Gipfel in Singapur im vergangenen Juni spricht von der «Denuklearisierung auf der koreanischen Halbinsel», also eben nicht ausdrücklich von jener des Nordens. Und bleibt ansonsten sehr vage. «Denuklearisierung sollte an erster Stelle stehen und der Friedensprozess an zweiter Stelle», mahnt der frühere US-Sondergesandte für Nordkorea, Joseph Yun.

Doch die Abrüstung zu erreichen ist extrem kompliziert. Die US-Geheimdienste halten es trotz Trumps Rhetorik für unwahrscheinlich, dass Kim seine Waffen aufgibt, weil die nun einmal die Lebensversicherung für seine Herrschaft seien.

Sorge vor weitreichenden Zugeständnissen

Hinter vorgehaltener Hand fürchten Mitarbeiter im Regierungsapparat, dass Trump einseitig weitgehende Zugeständnisse an Kim machen könnte, um überhaupt eine Einigung zu präsentieren.

Die Sorge lautet etwa, dass die Denuklearisierung nun Gegenstand der Gespräche werden könne, obwohl sie eigentlich ihre Vorbedingung war. Möglich ist, dass die  USA  entgegen früherer Aussagen erste Sanktionen schon erlassen könnten, auch wenn es bei der Abrüstung noch keinen Durchbruch gegeben habe.

FILE - This June 12, 2018, file photo, U.S. President Donald Trump, right, meets with North Korean leader Kim Jong Un on Sentosa Island, in Singapore. Trump and Kim will likely be all smiles as they shake hands later this week in Hanoi for a meeting meant to put flesh on what many critics call their frustratingly vague first summit in Singapore. But behind the grins is a swirl of competing goals and fears. (AP Photo/Evan Vucci, File)

Kim Jong Un und Donald Trump in Singapur: Hat der Nordkoreaner besser gepokert? Bild: AP/AP

Ein Szenario, das disktuiert wird: Kim könnte die Schliessung seiner wichtigen Atomanlage Yongbyon in Aussicht stellen – und dafür das Ende von einem Teil der Wirtschaftssanktionen fordern. Ob Kim sein Versprechen hält, liesse sich aber nur überprüfen, wenn internationale Kontrolleure die Vorgänge im abgeschotteten Land überwachen dürften.

Trump selbst schraubte zuletzt die Erwartungen an das Treffen herunter und setzte einen Versuchsballon ab für eine neue Definition von Erfolg bei den Gesprächen. Es gebe «keine Eile» bei einer Entwaffnung Nordkoreas, es sei doch alles gut, solange keine weiteren Waffen- und Raketentests stattfänden. 

Monatelang hatte die US-Regierung die Geschäftsgrundlage bei ihren Nordkorea-Verhandlungen gebetsmühlenartig wiederholt. Es könne nur um die «komplette, überprüfbare und unwiderrufliche Denuklearisierung» des Landes gehen. Kurz vor dem zweiten Gipfeltreffen mehren sich die Indizien, dass Trump davon abrücken könnte.

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