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Cohen (r.) mit Sohn Jake (l.) und Tochter Samantha (M.)
Cohen (r.) mit Sohn Jake (l.) und Tochter Samantha (M.)Bild: AP/AP

Finish him? Wohl kaum. 7 Fragen und Antworten, bevor Cohen über Trump auspackt

26.02.2019, 10:2327.02.2019, 06:16

Wer ist Michael D. Cohen?

Michael D. Cohen. Einst wollte er für Trump eine «Kugel nehmen», jetzt kann er den Präsidenten schwer belasten.
Michael D. Cohen. Einst wollte er für Trump eine «Kugel nehmen», jetzt kann er den Präsidenten schwer belasten.Bild: AP/AP

Michael Dean Cohen wurde im August 1966 als Sohn eines jüdischen Weltkrieg-Flüchtlings aus Polen in Long Island, New York, geboren. Nach seiner Ausbildung zum Anwalt stieg er ins New-Yorker Taxibusiness und in den Immobilienhandel ein. 2015 kaufte er in New York ein Wohnhaus für 58 Millionen Dollar.

Cohens Onkel, ein Arzt, behandelte Mitglieder der berüchtigten Mafiafamilie Lucchese, welche zu den fünf dominierenden Mafiaclans in New York zählt. Derselbe Onkel besass den «El Caribe Country Club», in dem russische Mitglieder des organisierten Verbrechens verkehrten.

Cohen ist mit einer Ukrainerin verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter.

2006 trat der bekennende Trump-Fan Cohen, der nach eigenen Angaben die Trump-Bibel «The Art of the Deal» zweimal gelesen hat, dessen Organisation bei. Ihm gelang es, das Vertrauen des Patrons zu gewinnen, als er einen Aufstand der Eigentümerversammlung im Trump World Tower niederschlug. Später stieg er zum Vizepräsidenten der Trump Organization auf. Er wurde zu Trumps persönlichem Anwalt. Vor allem zu seinem «Fixer». Sich selber nannte er einen «Pitbull».

Cohen bemühte sich stets, seinen Ruf als Trumps rechte Hand mit Schlagring immer wieder zu zementieren. Er prahlte mit seiner Loyalität – und seinen Methoden:

«Sollte es jemand wagen, etwas zu tun, was Trump missfällt, ... , werde ich ihn am Hals packen und nicht loslassen, bis ich mit ihm fertig bin.»
Michael D. Cohen 2011 gegenüber dem tv-sender abc-news.
«Ich warne dich. Sei fucking vorsichtig, weil das, was ich dir antun werde, wird fucking abscheulich.»

Der Höhepunkt seiner Loyaliät erreichte Cohen mit dem Statement, er werde für Trump notfalls «eine Kugel» nehmen.

Aber wenn er doch so loyal ist – weshalb sagt er nun trotzdem aus?

Michael Cohen verlässt das Gericht in New York. Soeben wurden ihm drei Jahre Haft aufgebrummt.
Michael Cohen verlässt das Gericht in New York. Soeben wurden ihm drei Jahre Haft aufgebrummt.Bild: EPA/EPA

Im April 2018 stürmten FBI-Beamte Cohens Anwesen, sein Büro, wie auch sein Hotelzimmer im Loews Regency Hotel. Der Hausdurchsuchungsbefehl stammte vom Southern District of New York – der Tipp aber vom Team von Sonderermittler Mueller.

Das FBI konfiszierte tausende elektronische und auch schriftliche Unterlagen, mit deren Hilfe Cohen angeklagt werden konnte. Am 21. August bekannte er sich in acht Anklagepunkten schuldig. Neben diversen Steuervergehen gab Cohen zu, illegale Schweigegelder bezahlt zu haben «mit dem einzigen Ziel, den Ausgang der Wahlen zu beeinflussen».

Es handelte sich dabei um die Schweigegeldzahlungen an Karen McDougal und Stormy Daniels. Die beiden drohten, Affären mit Trump publik zu machen.

Zunächst behauptete Cohen, weder der Präsident noch irgend jemand sonst in der Trump Organization habe von den Zahlungen gewusst. Er selbst habe das Geld aus der eigenen Tasche bezahlt. Eine Story, die er wenig später revidierte: «Individual Nr. 1» habe ihm den Auftrag gegeben. Gemeint ist natürlich der Präsident. Das macht Donald Trump zu einem «nicht angeklagten Mitverschwörer». Cohens Bruch mit seiner Götzenfigur war vollbracht.

Er sei von Trump verführt worden, «den dunklen Pfad zu beschreiten», wirft Cohen dem Präsidenten nun vor. Sein Entscheid, gegen Trump auszusagen, sei gereift, als er beim Helsinki-Treffen 2018 zwischen Trump und Putin zur Überzeugung gelangte, der Präsident vertrete die Interessen der USA nicht mehr ausreichend. Seine Loyalität gelte von nun an nur noch seinen Kindern, seiner Frau und den USA, liess Cohen verlauten.

Am 12. Dezember wurde Michael Cohen zu drei Jahren Haft, einer Nachzahlung von 1,4 Millionen und einer Busse von 50'000 Franken verurteilt.

Vor welchem Ausschuss wird Cohen aussagen?

Das Kapitol in Washington – es beherbergt den Senat und das Repräsentantenhaus.
Das Kapitol in Washington – es beherbergt den Senat und das Repräsentantenhaus.Bild: AP/AP

Michael Cohen wird vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses aussagen. Das ist deshalb brisant, weil das Repräsentantenhaus seit Jahresbeginn in demokratischer Hand ist. Anhörungen dieser Art konnten zuvor von der republikanischen Mehrheit verhindert werden.

In einem Tweet gibt Cohen an, er freue sich auf die Anhörung. Amerika werde seine Version der Geschichte mit seiner Stimme zu hören bekommen.

Welche Themen werden angesprochen?

Elijah E. Cummings präsentierte die zehn Punkte umfassende Tranktandenliste der Demokraten.
Elijah E. Cummings präsentierte die zehn Punkte umfassende Tranktandenliste der Demokraten.Bild: AP/AP

Cohen kennt Trumps Verstrickungen mit Russland aus dem Effeff. Er leugnete, dass Trumps Bemühungen, in Moskau einen Wohnturm zu errichten, bis weit in die Zeit der Wahlkampagne reichten. Er war es, der sich 2016 mutmasslich in Prag mit russischen Beamten traf, um das Hacking der demokratischen Partei zu bezahlen und um sämtliche Spuren zu verwischen. Cohen bestritt bisher immer, zum betreffenden Zeitpunkt in Prag gewesen zu sein. Mobilfunkantennen in und um die tschechische Hauptstadt haben aber zum gefragten Zeitpunkt sein Telefon geortet. Ausserdem existieren aufgezeichnete Gespräche von russischen Geheimdienstlern, in denen Cohens Anwesenheit in Prag besprochen wird.

Doch Trumps Verbindungen zu Russland werden am Mittwoch nicht thematisiert.

Dieser Entscheid wurde nach Absprache des Kongressausschusses mit dem Justizdepartement getroffen. Es ist Cohen sogar verboten worden, darüber zu sprechen. Trotzdem wird es brisant, wenn man die 10 Punkte auf der Traktandenliste der Demokraten betrachtet:

  • Die Rolle des Präsidenten beim Versuch, mit Zahlungen den Ausgang der Wahlen 2016 zu beeinflussen.
  • Die Rolle des Präsidenten bei den Zahlungen von Schweigegeld.
  • Die Rolle des Präsidenten bei den Verletzungen von Wahlkampfgesetzen.
  • Die Rolle des Präsidenten bei Steuerfragen.
  • Aktuelle Interessenskonflikte des Präsidenten.
  • Allgemeine Fragen, wie der Präsident seine Geschäfte tätigt.
  • Fragen zum Trump Hotel in Washington (das, seit Trump im Amt ist, eine erstaunliche Zunahme von ausländischen Gästen vermeldet. Vor allem von politischen Gästen während offiziellen Staatsbesuchen).
  • Wie genau es der Präsident mit der Wahrheit nimmt bei seinen öffentlichen Statements.
  • Mögliche illegale oder nicht angebrachte Praktiken der Trump Foundation.
  • Wie der Präsident und seine Mitarbeiter versuchten, Michael Cohen und andere an einer Aussage zu hindern.

Werden nur Demokraten Cohen verhören können?

Nein.

Der Republikaner Jim Jordan nannte Michael Cohen einen Serienlügner: «Es war nie Loyalität. Cohen log aus Gier für Trump.»
Der Republikaner Jim Jordan nannte Michael Cohen einen Serienlügner: «Es war nie Loyalität. Cohen log aus Gier für Trump.»Bild: AP/AP

Auch republikanische Kongressabgeordnete werden Cohen mit Fragen löchern können. Sie werden, das haben sie bereits angekündigt, vor allem auf die Glaubwürdigkeit des mehrfach überführten Lügners (Cohen) abzielen. Sie wiederholen dabei das Mantra des Präsidenten, dass der Ex-Anwalt versuche, mit Unwahrheiten Strafmilderung zu erschleichen.

Cohen wird sich von den Republikanern einiges anhören müssen. Dass Cohen den Kongress in der Sache Trump-Tower bereits einmal belogen hat – und das aufgeflogen ist –, wird ihm dabei nicht helfen.

Wie reagiert Trump auf Cohen?

Präsident Trump. Wenn Cohen vor dem Kongress steht, trifft er sich mit Kim Jong Un.
Präsident Trump. Wenn Cohen vor dem Kongress steht, trifft er sich mit Kim Jong Un.Bild: AP/AP

Der Präsident gibt sich bisher gelassen und siegessicher. Er hat seine ehemalige Vertrauensperson mehrmals als «schwach» bezeichnet – und auch als Ratte. Und zusammen mit seinem Anwalt ging er sogar noch weiter.

Cohen hätte bereits am 7. Februar vor dem Kongressausschuss Red und Antwort stehen sollen. Er liess den Termin aber kurzfristig platzen, weil er sich vom Präsidenten und seinem Team bedroht fühlte. Demokratische Abgeordnete nannten Trumps Einschüchterungstaktik «klassisches Mafiagebaren».

Auch auf Cohens Schwiegervater Fima Shusterman hat es der Präsident abgesehen. Der Ex-Sowjetrusse, der 1975 in die USA kam, sei der eigentliche Kriminelle und müsse untersucht werden.

Wann findet die Anhörung genau statt?

Cohen und sein Anwalt Guy Petrillo.
Cohen und sein Anwalt Guy Petrillo.Bild: AP/AP

Anhörungen vor dem Kongress beginnen in der Regel zwischen 15.30 und 16.00 Uhr Schweizer Zeit (zwischen 9:30 AM ET und 10 AM ET).

Der genaue Beginn wurde bisher nicht kommuniziert. Bekannt ist nur, dass die Anhörung öffentlich sein wird – und nicht hinter geschlossenen Türen.

Wird es eine Live-Übertragung geben?

Sollte es keine unvorhergesehenen Änderungen mehr geben, wird es mit Sicherheit einen Live-Stream geben. watson wird die Anhörung mit einem Liveticker verfolgen. Oder um es in Philipp Löpfes Worten zu sagen: Stellt schon einmal das Popcorn bereit.

Apropos Löpfe: «Die Randensprosse ist das Arschloch der Gesellschaft»

Video: watson/Philipp Löpfe, Emily Engkent

Trump unter Druck (14.12.2018)

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