International
USA

Attentatsversuch in Washington: 4 Behauptungen zum im Faktencheck

KEYPIX - President Donald Trump departs after speaking in the James Brady Press Briefing Room at the White House after an unspecified threat at the annual White House Correspondents' Association  ...
US-Präsident Donald Trump verlässt den Presseraum im Weissen Haus. Vizepräsident JD Vance schaut zu.Bild: keystone

Vance besser geschützt als Trump? 4 Behauptungen zum Dinner-Angriff im Faktencheck

Die amerikanische Hauptstadt ist am Samstag nur knapp einem Blutbad entgangen. Haben die Sicherheitsbehörden versagt?
28.04.2026, 05:1128.04.2026, 08:23
renzo ruf, washington d.c.

Nachdem am Samstag in Washington in der Nähe von Präsident Donald Trump Schüsse fielen, ist eine heftige Debatte ausgebrochen. Wir haben vier Thesen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

These 1: Der Secret Service hat versagt

Cole Allen, ein schwer bewaffneter Mann aus Kalifornien, wurde am Samstag überwältigt, bevor er in einem Festsaal des «Washington Hilton» ein Blutbad unter hochrangigen Politikern und Medienschaffenden anrichten konnte. Agenten des Secret Service überwältigten den 31-Jährigen, der an ihnen vorbeigesprintet war. Alles verlief also nach Plan. «Sie haben so professionell reagiert», lobte Präsident Donald Trump am Sonntag die Sicherheitskräfte.

Members of law enforcement control shooting suspect Cole Tomas Allen during the White House Correspondents Dinner, Saturday, April 25, 2026, in Washington. (AP Photo/Alex Brandon) ADDITION: Adds name  ...
Sicherheitskräfte nehmen den mutmasslichen Schützen Cole Allen während des Korrespondentendinners fest.Bild: keystone

Das stimmt. Weil Allen sich dazu entschied, die Gala erst nach Beginn der Feierlichkeiten zu attackieren, wurde ausser einem Secret-Service-Agenten niemand verletzt. Ein genauer Blick auf den Tatort in einem Zwischengeschoss des «Washington Hilton» zeigt allerdings auch: Allen wurde gestoppt, als er sich nur noch wenige Meter vom Festsaal entfernt befand. Er war zwar zu diesem Zeitpunkt eine Etage höher, aber hätte nur noch eine Treppe hinunterrennen müssen, um sich Zutritt zur Journalisten-Gala zu verschaffen. Weil Allen sich ein Zimmer im riesigen Hotel gebucht hatte, konnte er die Secret-Service-Agenten anscheinend überraschen.

Das ist wohl letztlich das grosse Problem von Anlässen, an denen derart prominente Gäste wie Trump und Vance teilnehmen: Die Sicherheitskräfte können einen privaten Versammlungsort in der amerikanischen Hauptstadt zwar rigoros bewachen, aber nicht vollständig abriegeln. Für die Journalisten-Gala am Samstag galt im Gegensatz zur Amtseinführung Trumps 2025 nicht der höchste Sicherheitsstatus.

These 2: JD Vance wurde schneller gerettet als Trump

Als der Secret Service am Samstagabend den Festsaal evakuierte, hatte Vizepräsident JD Vance das bessere Team an seiner Seite. Nachdem er aus dem Raum bugsiert worden war, vergingen fast 10 Sekunden bis zur Evakuierung seines Chefs. Präsident Trump begründete dies in einem Fernsehinterview damit, dass er unbedingt im Raum habe bleiben wollen.

«Ich wollte sehen, was los war.»

Erst als die Personenschützer darauf bestanden hätten, dass er den Festsaal verlassen müsse, habe er sich überzeugen lassen. Dabei schien er auch zu stolpern. Der Secret Service habe darauf bestanden, dass er sich bücke, sagte Trump.

Vice President JD Vance attends the annual White House Correspondents' Association Dinner, Saturday, April 25, 2026, in Washington. (AP Photo/Tom Brenner)
Trump White House Correspondents Dinner
Vizepräsident JD Vance am Dinner der Vereinigung der Korrespondenten des Weissen Hauses. Bild: keystone

Das mögen die faulen Ausreden eines 79-Jährigen sein, dessen Evakuierung nicht unbedingt würdevoll aussah. Wahr daran ist, dass die Personenschützer von Trump und Vance unabhängig voneinander agieren. Das Team des Präsidenten habe gewusst, dass der potenzielle Todesschütze bereits überwältigt worden sei, sagte am Montag die gut informierte Journalistin Carole Leonnig. Weil die Türen des Festsaals geschlossen waren und bewacht wurden, sei keine Panik ausgebrochen.

These 3: Mit einem Ballsaal im Weissen Haus wäre das nicht passiert

Trump nutzte bereits am Samstag die Gelegenheit, um für sein Lieblingsbauvorhaben in Washington die Werbetrommel zu rühren: Die Schiesserei zeige, «warum wir den Ballsaal haben müssen», sagte er. Trump will das Weisse Haus um einen riesigen Festsaal erweitern, dort, wo früher der East Wing (Ostflügel) stand. Das Projekt ist derzeit rechtlich blockiert, auch weil der Präsident niemanden fragte, bevor er den Startschuss zu den Bauarbeiten gab.

A crane being used to construct the new White House ballroom is seen above the White House, Sunday, April 19, 2026, in Washington. (AP Photo/Julia Demaree Nikhinson)
Trump White House Ballroom
Über dem Weissen Haus ist am Sonntag, dem 19. April 2026, ein Kran zu sehen, der beim Bau des neuen Ballsaals zum Einsatz kommt.Bild: keystone

Der Präsident sagt nun, dass ein grosser Versammlungsraum auf dem gut bewachten Gelände des Weissen Hauses zwingend notwendig sei – um die Sicherheit künftiger Präsidenten zu gewährleisten. Das ist ein gutes Argument. Der geplante Festsaal ist allerdings vor allem deshalb umstritten, weil Trump das Projekt eigenhändig in Auftrag gab und es in den Augen vieler Menschen überdimensioniert wirkt. Auf diese Gegenargumente ging der Präsident nicht ein.

Bei der Journalisten-Gala, an der am Samstag mehrere Tausend Menschen teilnahmen, handelt es sich übrigens um einen privaten Anlass. Trump, Vance und weitere Kabinettsmitglieder waren als Gäste der White House Correspondents' Association geladen. Ob dieser Verein von Korrespondenten Interesse daran haben würde, die jährliche Gala auf dem Gelände des Weissen Hauses durchzuführen, scheint Trump nicht zu interessieren.

These 4: Der Täter hatte es auf Christen abgesehen

Die «New York Post» veröffentlichte bereits am Sonntag ein Bekennerschreiben des mutmasslichen Attentäters. Darin listet Cole Allen die Gründe auf, warum er am Samstag Vertreter der Regierung Trump ins Visier nehmen wollte: Er sei nicht mehr länger bereit, «einem Pädophilen, Vergewaltiger und Landesverräter» zu gestatten, «meine Hände mit seinen Verbrechen zu beschmutzen.»

In einer ersten Stellungnahme sagte Trump zudem, Allen hasse Christen. Dies geht so aus dem Manifest nicht hervor. Vielmehr schrieb der 31-Jährige, er könne nicht verstehen, wie Christen mit Bezug auf die Bergpredigt den Verzicht auf Vergeltung einfordern könnten. Er wolle sich jedenfalls nicht zum Mittäter machen, indem er «den Unterdrücker» gewähren lasse. Sein Gerechtigkeitsgefühl wird ihm vor Gericht nichts nützen. Allen drohen viele Jahre Haft. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So skurril kleiden sich die Trump-Fans
1 / 19
So skurril kleiden sich die Trump-Fans

Die selbst ernannten Trump-Girls.

quelle: instagram/ginamarie_xxo
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Trump wird auf das Manifest des Angreifers des Attentat angesprochen und wird ausfällig
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
5 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
5
Mindestens drei Tote bei Zugunglück nahe Jakarta
Bei einem Zugunglück im indonesischen Bekasi sind nach Angaben der Zeitung «Jakarta Globe» mindestens drei Menschen ums Leben gekommen und Dutzende weitere verletzt worden. Wie das Blatt unter Berufung auf Behördenvertreter berichtet, kollidierten am Montagabend ein Nahverkehrszug und der Fernzug «Argo Bromo Anggrek» nahe dem Bahnhof East Bekasi im Grossraum Jakarta.
Zur Story