Es ist etwa halb neun am Morgen und in Minneapolis wird ein Gottesdienst mit Kindern gefeiert, die zur Schule zurückgekehrt sind. Die Sommerferien sind in den USA vorbei, es ist die erste Schulwoche.
Dann ereignen sich furchtbare Szenen: Ein Mann nähert sich dem Kirchengebäude im Umfeld der katholischen Schule und schiesst durch die Kirchenfenster. Die Kinder sitzen auf den Kirchenbänken der Annunciation Catholic Church. Sie können nicht entkommen.
Zwei Kinder sterben bei den Schüssen in der Grossstadt, die im Norden der USA liegt. Sie sind nach Angaben des örtlichen Polizeichefs Brian O'Hara erst acht und zehn Jahre alt.
Die Polizei teilt am Mittag (Ortszeit) weiter mit, dass 17 Menschen – darunter 14 Kinder – verletzt sind. Zwei dieser Kinder sollen sich zu dem Zeitpunkt in einem kritischen Zustand befinden. Den Angaben zufolge versuchten Polizisten, Kinder zu retten, die sich im Gebäude versteckt hielten.
Auch der Verdächtige ist tot. Laut Polizei hat er sich nach dem aktuellen Ermittlungsstand auf einem Parkplatz das Leben genommen. Sie geht davon aus, dass er der einzige Schütze war.
Warum der Mann Anfang 20, der sich als Transperson identifizierte, geschossen hat, ist unklar. Er hatte nach Polizeiangaben drei Waffen bei sich – ein Gewehr, eine Schrotflinte und eine Pistole – und schoss von aussen durch Fenster der Kirche. O'Hara ging davon aus, dass der Schütze alle drei legal erworbenen Waffen genutzt habe. Es gebe noch keine Informationen zu möglichen Vorstrafen, sagte der Polizeichef.
Die Polizei sprach von einem Manifest des Schützen auf der Plattform YouTube. Dieses habe «beunruhigende Texte» beinhaltet. Der Inhalt sei mit Unterstützung des FBI entfernt worden und werde nun von Fachleuten geprüft. Eine Verbindung zwischen dem Schützen oder dessen Familie und der Kirche werde noch untersucht.
Auf den Social-Media-Plattformen instrumentalisierten konservative Aktivisten die Geschlechtsidentität des Täters, um Transgender-Personen pauschal als gewalttätig oder psychisch krank darzustellen, schreibt die «New York Times».
Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, stellt sich am Mittag vor die Presse und sagt über die Eltern, die ihre Kinder verloren haben: «Diese Familien leiden unermessliche Schmerzen. Betrachten Sie es so, als wären es Ihre eigenen Kinder.» Und er fordert die Öffentlichkeit auf, nach der Tragödie nicht Transgender-Personen zum Sündenbock zu machen.
Die US-Bundespolizei FBI untersucht die tödlichen Schüsse auf Kinder im Umfeld einer katholischen Schule als mögliches Terrorverbrechen. Man prüfe, ob es sich um einen inländischen Terrorakt und ein Hassverbrechen gegen Katholikinnen und Katholiken handele, teilte der FBI-Direktor Kash Patel auf der Plattform X mit.
Bereits bevor Details zu Toten und Opfern offiziell bekannt werden, äussert sich auch US-Präsident Donald Trump zu dem Vorfall: «Das FBI hat schnell reagiert und ist vor Ort», schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Er sei über den Vorfall informiert worden, er bat um Gebete für die Opfer. Trump tauschte sich auch mit dem Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, über die Gewalttat aus, wie ein Regierungsbeamter mitteilt.
Walz bezeichnet den Vorfall auf X als «schreckliche Gewalttat». US-Heimatschutzministerin Kristi Noem spricht auf der Plattform X von einem «schrecklichen Schusswaffenvorfall» an einer katholischen Schule, den ihr Ministerium beobachte.
In den USA gehört tödliche Schusswaffengewalt zum Alltag - laut Zahlen des Gesundheitsministeriums sind 2023 rund 46'700 Menschen durch Waffen gestorben. Auch an Schulen kommt es immer wieder zu tragischen Vorfällen. Pistolen und Waffen grösserer Kaliber sind leicht zugänglich und millionenfach im Umlauf.
Laut einer Datenbank der Initiative «Every Town for Gun Safety», die sich für strengere Waffengesetze ausspricht, gab es in diesem Jahr bis zum 22. August 24 tödliche Schusswaffenvorfälle in US-Schulen und auf deren Gelände mit 29 Todesopfern. Insgesamt zählte die Initiative bis zu dem Datum im aktuellen Jahr 90 Vorfälle mit Schüssen an Schulen.
Besonders folgenschwere Angriffe entfachen immer wieder Debatten über eine Verschärfung des Waffenrechts. Doch konkrete Fortschritte blieben bislang aus – vor allem aufgrund des Widerstands der Republikaner und der finanziell einflussreichen Waffen-Lobby, die Reformen seit Jahren blockieren.
(sda/dpa)
"Es hat einen neuen Amoklauf in Amerika gegeben. Eine weitere Gemeinde ist geschockt und in tiefer Trauer. Unsere Gedanken und Gebete sind nicht genug. Das alles drückt nicht genug den Schmerz und die Wut aus, die wir fühlen sollten. Wir sind das einzige Land, in dem sich diese Amokläufe alle paar Monate wiederholen. Wir sind abgestumpft angesichts dieser Taten. Es ist eine politische Entscheidung, dass wir das zulassen. Wir können etwas tun, aber wir müssen unsere Gesetze ändern. Das kann ich nicht allein."
2015, Nach einem Attentat in Roseburg, Oregon