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Darum waren die Aktien aufgespaltener Unternehmen 2025 so begehrt

Darum waren die Aktien aufgespaltener Unternehmen 2025 besonders begehrt

Die Schweiz und ihre Hidden-Champions aus dem Mittelstand bezahlen einen hohen Preis für Trumps neuen Protektionismus. Globalisierte Grosskonzerne erweisen sich als anpassungsfähig.
31.12.2025, 22:2331.12.2025, 22:23
Daniel Zulauf / ch media

Ein überaus turbulentes Börsenjahr ist auch in der Schweiz in Minne zu Ende gegangen. Der Swiss Market Index (SMI) der 20 wertvollsten Unternehmen schaffte eine Jahresperformance von gut 14 Prozent, in der die erklecklichen Dividenden noch nicht einmal eingerechnet sind. Der mit 32 Unternehmen etwas breitere Swiss Leader Index (SLI) beendete das Jahr knapp 12 Prozent höher. Der Rückstand zum SMI ist aber allein der Konstruktion des SLI geschuldet.

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Donald Trump dominierte 2025 auch das weltweite Börsengeschehen.Bild: keystone

Ob SLI oder SMI, mit einer solchen Performance konnte nach Donald Trumps erstem Zollhammer im April 2025 niemand rechnen. Die unverständliche Mischung aus Willkür und Kalkül, mit der der US-Präsident der Welt sein Zollregime aufdrückte, traf die Schweiz besonders hart. Hierzulande wähnte man sich bis zum 2. April fatalerweise in relativer Sicherheit. Was dann kam, war ein politischer Horrortrip.

In der Pharmaindustrie, vom Zollhammer zunächst verschont, brach plötzlich auch das grosse Zittern aus. Die Uhrenindustrie, die in China schon länger mit Absatzproblemen kämpft, sah sich in ihrem zuletzt wachstumsstärksten US-Markt plötzlich mit einem Problem konfrontiert, das vor 20 Jahren im Reich der Mitte den Namen «Luxussteuer» trug.

Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, die seit Jahrzehnten erfolgreich mit dem starken Franken lebt und die spitze Kalkulation meisterhaft beherrscht, stand über Nacht vor einer Aufgabe, die sie selbst nicht mehr zu lösen imstande war.

Obschon die Schweizer Wirtschaft seit Mitte November nicht mehr mit US-Importzöllen geplagt wird, die mehr als doppelt so hoch sind wie jene der EU und anderer wichtiger Industrieländer, haben die chaotischen Sommermonate Spuren hinterlassen. Unter der glatten Oberfläche des Swiss Performance Index (SPI), der alle 206 an der hiesigen Börse kotierten Schweizer Aktien repräsentiert, sind diese Spuren deutlich zu erkennen.

Angriff auf die Substanz

Zwar hat der Index im Jahresverlauf knapp 18 Prozent zugelegt (inkl. Dividenden), doch auf 118 Gewinner-Aktien kamen 88 Verlierer-Titel. Das Verhältnis von 0,75 Verlierer pro Gewinner ist schlecht, vor allem wenn man es mit Titeln von Grossfirmen vergleicht. Im SLI-Index standen 23 Gewinner-Titel nur 9 Verlierer gegenüber. Das vergleichsweise schlechte Abschneiden des Gesamtmarktes ist ein deutliches Zeichen, dass Trumps Zollpolitik, die damit verbundenen konjunkturellen Probleme sowie das generell instabile geopolitische Klima die Substanz der Schweizer Wirtschaft in der Tiefe angreifen.

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Bild: SLI/let

Die Verlierer von Protektionismus und der laufenden Fragmentierung der Weltwirtschaft sind offensichtlich viel weniger die globalisierten Grosskonzerne als die zahlreichen mittelständischen Unternehmen. Diese verstanden es zwar in der Vergangenheit überaus erfolgreich weltweit in Nischenmärkten zu operieren, müssen nun aber den Tribut für ihre starke Produktionsbasis im Inland bezahlen.

Zu den besten Börsenperformern gehörten im vergangenen Jahr kaum zufällig die Aktien von Unternehmen, die sich in ihrer jüngeren Geschichte aufgespalten haben. Paradebeispiel ist der Zementkonzern Holcim. In der Performancerangliste der 32 grössten Schweizer Unternehmen liegen die Holcim-Titel mit einem Kursgewinn von über 70 Prozent klar vorn (vgl. Tabelle). Das konnte nicht unbedingt erwartet werden, zumal das im Juni unter dem Namen Amrize abgespaltene Nordamerika-Geschäft als besonders wachstumsträchtig galt.

Heute Holcim, morgen UBS?

Doch inzwischen haben die Investoren ihre Meinung offensichtlich geändert. Man sieht die grossen Chancen in Südamerika und in Asien und selbst für Europa gibt es Optimismus, obschon die Verschärfung des europäischen CO-Emissionsregimes ab dem kommenden Jahr dies nicht unbedingt erwarten liess. Doch die ab Januar beginnende Verknappung der Emissionszertifikate, die Zementhersteller bislang gratis zugeteilt bekamen und auf dem Markt gewinnbringend verkaufen konnten, schafft Möglichkeiten für Preiserhöhungen. Manche Analysten glauben, dass Holcim von Preiserhöhungen in Europa mehr profitieren könnte, als der Konzern für die Mehrkosten für Treibhausgasemissionen bezahlen muss.

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Donald Trump dominierte 2025 auch das weltweite Börsengeschehen.Bild: keystone

Das Beispiel zeigt: Global tätige Grossunternehmen haben im derzeitigen Umfeld Handlungsspielräume, die sie zugunsten ihrer Aktionäre ausnutzen können. Auch der auf Schönheitsmedizin und Hautpflege spezialisierte Galderma-Konzern ist ein Spaltprodukt. Bis 2014 gehörte er zu Nestlé. Dann wurde die Firma an den schwedischen Finanzinvestor EQT veräussert und seit März 2024 brillieren die Aktien an der Schweizer Börse. Galderma hat durch den Börsengang unternehmerische Freiheiten erlangt, die das Unternehmen innerhalb des Nestlé-Konzerns nicht entfalten konnte. Gleich ergeht es dem Medikamenten-Hersteller Sandoz, der seit der Abspaltung von Novartis im Oktober 2023 immer besser in Fahrt kommt.

Gut möglich, dass der Trend zur Aufspaltung von Grossunternehmen weitergeht. SVP-Doyen Christoph Blocher hat diesen Weg unlängst für die UBS ins Gespräch gebracht. Blocher glaubt, dass die Bank durch die Abspaltung ihres US-Geschäfts nicht nur ihre Risiken mindern und ihr Eigenkapitalproblem lösen, sondern für die Investoren auch einen Mehrwert schaffen würde. Das UBS-Management, das in den USA kräftig expandieren möchte, um die Rentabilität des dortigen Geschäfts endlich auf Konzernniveau anzuheben, warnt, dass Blochers Plan zu einem «massiven Wertverlust für alle Anspruchsgruppen von UBS» führen würde.

Indessen weisen die jüngsten Erfahrungen mit Abspaltungen in die entgegengesetzte Richtung, ganz nach der Formel: 1 minus 1 ergibt mehr als null.

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