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American Angst – Trumps zerstörerischer Plan

Mit Reden wie am Wochenende in Dallas legt Donald Trump die Basis für seine nächste Präsidentschaftskandidatur. Wie nie zuvor verbreitet er Angst.
08.08.2022, 06:3008.08.2022, 10:03
Bastian Brauns, Dallas / t-online
Ein Artikel von
t-online

Gerade läuft in Dallas der Song Y-M-C-A. Ausgerechnet die Schwulenhymne aus den späten Siebzigern ist seit Jahren Donald Trumps Markenzeichen bei öffentlichen Auftritten. Auch hier im erzkonservativen Texas. Nur wenig später wird der Ex-Präsident gegen angebliche Sexualisierung von Kindern an Schulen durch «Gender-Ideologie» wettern. Gegen bislang mittelmässige Männer, die sich massenhaft zu Frauen umoperieren lassen würden, um dann im Frauensport endlich erfolgreich zu sein. Um Kinder vor all dem zu schützen, wird er fordern, das Bildungsministerium abzuschaffen.

Donald Trump am 5. August in Waukesha, Wisconsin.
Donald Trump am 5. August in Waukesha, Wisconsin.Bild: keystone

Kurz bevor Trump seine Bühne in Dallas bei der «Conservative Political Action Conference» (CPAC) nach drei Tagen von erzkonservativem Trommelfeuer endlich betritt, soll aber erst Jubelstimmung herrschen. Y-M-C-A. Die Zuschauer im Hilton-Kongresshotel klatschen, einige tanzen. Sie rufen «USA-USA-USA». Dann geht plötzlich das Licht aus.

Auf der grossen Leinwand erscheinen auf schwarzem Grund vier Worte: A NATION IN DECLINE. Dazu Filmmusik wie bei einem Apokalypse-Blockbuster im Kino. Jeder muss wissen, worum es geht. Seit Monaten spricht Trump von nichts anderem. Es ist sein grosses politisches Programm: American Angst. Die Vereinigten Staaten sind ein Land, das dem Untergang geweiht ist. Furcht schürte Trump schon immer. Der absolute Untergangssound dazu ist neu.

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Bilder von Ölpumpen. Sie sollen die steigenden Benzinpreise symbolisieren. Dazu erklingt Trumps Stimme: «Wir betteln Saudi-Arabien um Öl an.» Vom Abzug in Afghanistan bis zur Sperrung durch Twitter. «Unsere Nation ist zu einem Witz geworden.» Alles in Schwarzweiss und Zeitlupe.

Dann wird es Licht. Trump erscheint in dem Film auf der Leinwand. Aus Schwarzweiss wird Farbe. Er sagt: «Aber bald werden wir wieder grossartig sein.» Mit Patrioten, wie seinen Zuhörern, könne dieses Land wieder aufgebaut werden.

Trump ätzt gegen Transgender – die Menge johlt

Man könnte es eigentlich kurz machen: So viel Angst war nie.

Trump redet fast zwei Stunden. Über illegale Migration und die wachsende Inflation. Über Wahlbetrug, über Drogentote, über Kriminalität. Darüber, dass die Welt Amerika nur noch auslacht. Über Afghanistan, über Russland, über China. Darüber, dass ein Dritter Weltkrieg droht. Dazu immer wieder über Transgender. Es geht um einen kleinen Bruchteil von Menschen, die sich nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren.

Mit ihren Geschlechterspielereien, so suggeriert es Trump, seien sie eine Gefahr für alle Kinder. Was in Schulen schlicht für Aufklärung sorgen und einer kleinen, diskriminierten Minderheit notwendige Gleichberechtigung geben soll, ist für Trump und seine Anhänger Teufelszeug. «Sie können die Bibel nicht lehren, aber Sie können Kindern beibringen, dass Amerika böse ist und dass Männer schwanger werden können», wettert Trump gegen Lehrerinnen und Lehrer.

Er spürt, wie seine Zuhörerinnen und Zuhörer danach geradezu gieren. Es reisst sie bei diesem Thema von den Stühlen. Das ist kein Jubel mehr, der da durch die Halle schallt. Es ist eher eine Art triumphierender Gehässigkeit, von der sich alle erfassen lassen. Immer wieder nennt Trump Einzelfälle aus dem Sport und macht sie zu einem Massenphänomen. Minutenlang reisst er Witze über umoperierte Männer, die Frauen davonschwimmen oder sie beim Gewichtheben schlagen würden. «Wir sind eine Nation, die es Männern erlaubt, in Frauenmannschaften Sport zu treiben, um sie zu dominieren», sagt er.

«So etwas hat es noch nie gegeben»

Trump vermengt diesen Kulturkampf mit wirtschaftlichen Problemen. Er zeichnet die USA als eine «Dritte-Welt-Nation». Die Wirtschaft zerfalle. Die Lieferketten seien unterbrochen. Die Regale der Läden seien nicht gefüllt. Dass grosse Teile der Welt derzeit auch mit solchen Problemen kämpfen, lässt er aus. Der Rest der Welt interessiert hier auch wenig. Der Rest der Welt soll Amerika nur endlich nicht mehr auslachen.

Schuld daran sind aus Trumps Sicht Demokraten, Linksextreme, Linksradikale, Gender-Ideologen, Kommunisten, Big Tech, abtrünnige Republikaner und wie immer auch die Medien. Kurz: alle, die nicht für Trump sind. Niemand ausser ihm und seiner Bewegung haben recht.

Der harte Kern der Trump-Anhänger vor der CPAC-Bühne jubelt. «Unsere Bewegung wird niemals besiegt werden», beteuert er. «Make America Great Again» sei die grösste Bewegung der Geschichte des Landes. «So etwas hat es noch nie gegeben, wahrscheinlich kann man sagen, dass es die grösste oder eine der grössten Bewegungen in der Geschichte der Welt ist.»

Trump muss spüren, dass er sich ins Zeug legen muss. Er weiss, dass er ausser Angst wenig Neues zu bieten hat. Er hängt noch immer viel in der Vergangenheit und wird nicht müde, von der gestohlenen Wahl zu erzählen, die er in Wahrheit eben verloren hat.

Kann Trump es nochmal reissen?

Weiter hinten im Saal sind die Stuhlreihen nur spärlich besetzt. Das war früher anders. Nach zwei Stunden negativer Berieselung sehen auch die Gesichter glühender Trumpisten müde aus. «Wir werden Amerika wieder sicher machen» – kaum ist dieser letzte Satz von ihrem Idol gefallen, stürmen viele auch schon zu ihren Autos.

In Dallas sind die Preise für eine Gallone Benzin inzwischen wieder unter 4 Dollar gefallen. Womöglich musste Trump in seiner Rede deshalb ein Beispiel von der Westküste wählen: «Ein Freund von mir aus Kalifornien hat mich heute Morgen angerufen. Er hat gerade 8.55 Dollar bezahlt.»

Mit ihm, das ist eigentlich die einzige Antwort auf seine geschürte Angst, wird alles besser. Wie er das machen will, sagt er nicht. Nur: «Wir werden unsere Freiheit retten. Wir werden unsere Kinder retten und wir werden unser Land retten.» Ob er dafür selbst wirklich wieder antreten wird, lässt er auch dieses Mal unbeantwortet.

Doch auf der Konferenz der Erzkonservativen sind sie sich schon jetzt ganz sicher: Trump wird wieder ins Rennen gehen. Ein Mann, der sich Max Morgan nennt, steht nach der Rede mit rotem Cowboyhut in der Eingangshalle des Hotels. Er behauptet, zu Trumps engerem Kreis zu gehören. Am 1. September werde dieser seine Kandidatur bekannt geben, sagt er. Einen Beweis dafür kann er aber nicht geben.

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94 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Satan
08.08.2022 07:43registriert Oktober 2019
Ausnahmsweise hat Trump mal gar nicht so unrecht:
Ja, die Welt lacht über die USA.
Ja, die USA steht kurz vor dem Abgrund.
Ja, die USA Verkommt zu einem 3. Weltland

Nur bei den Gründen liegt er falsch. Menschen wie er und seine minderbemittelten Wähler sind schuld.
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Quieselchen
08.08.2022 07:01registriert Januar 2021
Die kaputte Schallplatte wieder unterwegs.

Sperrt den Irren endlich weg!
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mrmikech
08.08.2022 07:16registriert Juni 2016
Immer panik machen die populisten
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