DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Trotz Teleprompter lief nicht alles nach Plan: Joe Biden am Montag in Pittsburgh.
Trotz Teleprompter lief nicht alles nach Plan: Joe Biden am Montag in Pittsburgh.Bild: keystone

Joe Biden geht in die Offensive – leistet sich aber merkwürdigen Aussetzer

Präsidentschaftskandidat Joe Biden griff in einer Rede in Pittsburgh Präsident Donald Trump frontal an. In Erinnerung könnte jedoch ein Aussetzer des Demokraten bleiben.
31.08.2020, 22:2401.09.2020, 07:31

Seine Rede am Konvent der US-Demokraten ist erst zehn Tage her, da erwähnte Joe Biden den Namen Donald Trump nicht einmal. Am Montag in Pittsburgh sah dies ganz anders aus: Ein ums andere Mal griff der Kandidat der Demokraten den Präsidenten der Vereinigte Staaten direkt an.

Biden nahm in einer knapp halbstündigen Ansprache kein Blatt vor den Mund. Er warf Trump Unfähigkeit und Scheitern vor – in der Corona-Krise wie in der Reaktion auf die anhaltenden gewaltsamen Proteste in amerikanischen Städten. Biden sprach in einem Saal der Carnegie-Mellon-Universität vor Kameras, aber ohne Publikum.

Bidens Attacken

Biden machte Trump direkt verantwortlich für die Ausschreitungen in diversen US-Städten, wo es zu Todesfällen kam. «Dieser Präsident kann die Gewalt nicht beenden», sagte der Demokrat bei seiner Ansprache. «Es wüten Brände und wir haben einen Präsidenten, der die Flammen anfacht, anstatt sie zu bekämpfen.»

Trump sehe in der ausufernden Gewalt eine Möglichkeit, sich politisch zu retten, so Biden.

Gleichzeitig distanzierte sich der 77-Jährige von den Plünderungen und Zerstörungen. Jene, welche sich nicht an das Gesetz hielten, müssten strafrechtlich verfolgt werden, so Biden.

Biden wehrte sich auch gegen die Vorwürfe der Republikaner, dass er ein Sozialist sei. «Sehe ich wirklich aus wie ein radikaler Sozialist? Wirklich?» Er wolle ein sicheres Amerika, ohne Covid, ohne Kriminalität, ohne Plündereien, ohne schlechte Polizisten und rassistisch motivierte Gewalt, so der ehemalige Vize-Präsident, der sogleich zum nächsten Angriff auf den Präsidenten ausholte: «Sicher vor vier weiteren Jahren mit Donald Trump.»

Trump versuche den Wählenden das Gefühl zu vermitteln, dass nur er Sicherheit garantieren könne, sagte Biden weiter. «Doch die Wahrheit ist, Donald Trump hat versagt, Amerika zu beschützen. Er ist bereits Präsident, ob er es weiss, oder nicht.»

Bidens Versprecher

Der demokratische Präsidentschaftskandidat, der nicht gerade als brillanter Redner gilt, leistete sich auch dieses Mal einen gröberen Fehler, obschon er vom Teleprompter ablies.

Biden sagte – man kann es kaum übersetzen, da es selbst auf Englisch keinen Sinn macht:

«COVID has taken this year, just since outbreak, has taken more than 100 year. look, here's, the lives, it's just, it's, er, I mean, y'think about it. More lives this year than any other year for the past hundred years.»

Die wirre Aussage wird von seinen Gegnern genüsslich ausgeschlachtet. Das Video des Aussetzers verbreitet sich derzeit rasant im Netz. Kritiker werfen dem 77-Jährigen vor, dass er mental nicht fit genug fürs Präsidentenamt sei.

Zusätzlich Nahrung erhielt diese These am Montag, als Biden zum wiederholten Male, den Rednerpult verliess, ohne Fragen der Reporter zu beantworten.

Trumps Reaktion

Und wie reagierte die Regierung auf die Rede? Die Wahlkampfleitung Trumps warf Biden nach der Ansprache vor, er habe die Antifa nicht verurteilt und sich nicht gegen Leute gewandt, welche die Polizei als «Krebsgeschwür» bezeichneten.

Zudem habe er es versäumt, Gouverneure der Demokratischen Partei aufzurufen, die Nationalgarde gegen Gewalt in den Städten anzufordern. «Diese linksgerichteten Randalierer sind Anhänger von Joe Biden.»

In einem Amerika unter Biden gebe es keine Sicherheit. Trump twitterte: «Gerade gesehen, was Biden zu sagen hatte. Für mich sah es so aus, dass er die Polizei weit mehr beschuldigt als Randalierer, Anarchisten, Agitatoren und Plünderer.»

Der Aussetzer Bidens entging dem Präsidenten natürlich nicht. Bereits setzte er einen Retweet der entsprechenden Sequenz ab – und so ist es gut möglich, dass am Ende vor allem diese Szene von Bidens Auftritt in Pittsburgh in Erinnerung bleiben wird.

(Mit Material von sda/dpa)

Das war Bidens Rede am Konvent der Demokraten:

Video: watson/een
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Die wichtigsten Temine bis zu den US-Wahlen

1 / 10
Die wichtigsten Termine bis zu den US-Wahlen
quelle: keystone / usa biden harris handout
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

128 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Kritisch Hinterfragen
31.08.2020 22:43registriert April 2020
Man stelle sich vor, das ist die ganze Auswahl! Die Amerikaner sind nicht zu beneiden
45822
Melden
Zum Kommentar
avatar
sambeat
31.08.2020 22:30registriert März 2014
Ist halt auch schon ein Greis... Von zig Millionen Amerikanern kann es doch sicher einer besser!
45929
Melden
Zum Kommentar
avatar
Varanasi
31.08.2020 23:20registriert August 2017
Biden ist sicher nicht der ideale Kandidat. Dass man sich jetzt aber über diesen Versprecher so empört (der Mann ist ehemaliger Stotterer) ist an Doppelmoral kaum zu überbieten.

Wie oft hat Trump sich schon in Reden versprochen, Unwissen gezeigt, Leute diffamiert, gelogen, gehetzt usw. - eigentlich macht er kaum etwas anderes. Und wenn er wieder gewinnt, wird das im absoluten Chaos enden.

Nein, da ist mir ein Kandidat, der sich ab und zu verspricht und Anstand bewahrt lieber, als einer der die Gesellschaft gegenseitig aufhetzt und zum Gewinnen sogar einen Bürgerkrieg riskieren würde.
509111
Melden
Zum Kommentar
128
Russischer Ex-Soldat rechnet in Buch mit Putin ab: «Hat fürchterlichen Krieg begonnen»
Der ehemalige russische Fallschirmjäger Pavel Filatiev berichtet in seinem Buch über die ersten Tage im Ukraine-Krieg. Er rechnet auch mit Wladimir Putin ab.

Ein russischer Fallschirmjäger berichtet in einem Buch über seine Erfahrungen kurz vor und während der Invasion der Ukraine. Dabei wird deutlich, wie schlimm es um Putins Armee bestellt ist. Pavel Filatiev meldete sich im August des vergangenen Jahres zurück zur Armee und wurde prompt auf die Krim geschickt.

Zur Story