Publik wurde die Idee im Sommer 2019. Damals machte die Zeitung «Wall Street Journal» öffentlich, dass Präsident Donald Trump Grönland kaufen möchte. Später zeigte sich: Die Idee stammte nicht von Trump selbst, obwohl der ehemalige Immobilien-Magnat gemäss eigenen Angaben stets auf der Suche nach neuen Grundstücken und aussergewöhnlichen Parzellen ist.
Vielmehr war es Ronald Lauder, der heute 80 Jahre alte Sohn der Kosmetik-Legende Estée Lauder, der Trump den Floh ins Ohr setzte. Der Multi-Milliardär war in der Amtszeit von Präsident Ronald Reagan im Verteidigungsministerium tätig und ist seither mit der strategischen Wichtigkeit Grönlands vertraut.
Angeblich sagte Lauder 2018 oder 2019, dass er für Trump einen «back channel» zur dänischen Regierung aufbauen könnte, um über den Kauf der Insel zu verhandeln. So berichtete es später der damalige Sicherheitsberater John Bolton, wie die Journalisten Peter Baker und Susan Glasser in ihrem Standardwerk «The Divider» schreiben. Bolton erwähnte diese Episode in seinen Memoiren nur am Rande, obwohl auch er der Meinung ist, dass Grönland Teil der «nordamerikanischen Landmasse» sei. Auf der Insel befindet sich ein wichtiger amerikanischer Stützpunkt.
Als Geschäftsmann und als Politiker hat Trump eine wichtige Lektion verinnerlicht. Sie lautet: Eine Idee, die anfänglich irrsinnig klingt, lässt sich manchmal mit einer gesunden Portion Beharrlichkeit umsetzen. Dieses Leitmotiv gilt auch für den Plan, Grönland zu kaufen.
Im August 2019 platzte der Traum, weil die dänische Regierung nach dem Wirbel um den «Wall Street Journal»-Artikel «den politischen Mut» verloren habe, sagte Trump später. Nun, im zweiten Anlauf, will er mit Hilfe von «sehr hohen» Strafzöllen Druck auf Kopenhagen ausüben – obwohl sowohl Dänemark als auch die autonome Regierung von Grönland sagen, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe. Aus Dänemark wurden 2024 Güter im Wert von 9 Milliarden Dollar in die USA eingeführt. Zum Vergleich: Die Importe aus der Schweiz beliefen sich auf mehr als 49 Milliarden Dollar. Er hofft, mit diesem Druckmittel die Spannungen zwischen Kopenhagen und der autonomen Insel zu vergrössern.
Am Dienstag schloss der künftige amerikanische Präsident den Einsatz der amerikanischen Streitkräfte und militärische Gewalt nicht aus. Die USA brauchten Grönland «für die nationale Sicherheit», sagte er an einer Pressekonferenz. Ob das ernst gemeint war, lässt sich schwer sagen. Klar ist: Eine Invasion der Insel hätte das Ende des Verteidigungsbündnisses Nato zur Folge, zu dem Dänemark seit der Gründung gehört.
Andererseits befinden sich amerikanische Streitkräfte bereits heute auf der Insel. Im Nordwesten von Grönland betreiben die amerikanischen Streitkräfte den Stützpunkt Pituffik Space Base, der von 1951 bis 2023 Thule Air Base hiess. Der Flugplatz gehört zur Space Force, der Abteilung der Armee, die sich auf Raketenabwehr und einen drohenden Krieg im Weltraum spezialisiert hat. Im Juni 2024 waren 140 uniformierte amerikanische Soldatinnen und Soldaten auf dem Stützpunkt stationiert.
Thule Air Base, which was recently renamed to Pituffik Space Base (pronounced bee-doo-FEEK),
— Nik Shah 🏡 (@NikhaarShah) January 2, 2025
It's been established in 1951, 5 years after Truman offered to buy Greenland $100M.
Key features:
✈️ 10,000-foot runway
🛥️ Northernmost deep-water port
🚀 12th Space Warning… pic.twitter.com/x0CDVNB6XV
Trump scheint es egal zu sein, dass seine Ideen auf Ablehnung stossen. «Wir werden euch gut behandeln», sagte er am Dienstag zu einer (kleinen) Gruppe von Menschen, die sich am Flughafen von Nuuk versammelt hatten, um seinen Sohn Donald Junior zu begrüssen. Der ältere Trump war per Telefon zugeschaltet.
Nein. Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich der damalige Bewohner Gedanken über die Zukunft der grössten Insel der Welt. Harry Truman offerierte der dänischen Regierung im Jahr 1946 den Preis von 100 Millionen Dollar in Goldbarren. Die Einverleibung von Grönland sei eine «militärische Notwendigkeit», sagte damals ein Senator aus Neuengland. Aus dem Aussenministerium hiess es damals, die Insel sei für Dänemark komplett wertlos.
Die Idee stiess aber in Dänemark auf wenig Zustimmung und wurde von den Amerikanern schliesslich schubladisiert – nachdem sich Kopenhagen nicht mehr gegen die Eröffnung der Thule Air Base wehrte.
Der alte und neue Präsident scheint sich als historische Figur zu sehen. Und historische Figuren – so kann man es in amerikanischen Schulbüchern nachlesen – haben die USA grösser und stärker gemacht. So kaufte 1867 der damalige Präsident Andrew Johnson der russischen Regierung für 7,2 Millionen Dollar Alaska ab. Und 1917 stiessen die U.S. Virgin Islands zum Staatsgebiet; nachdem Washington der vormaligen Besitzerin Dänemark 25 Millionen Dollar (in Gold) für die lieblichen Karibikinseln überwiesen hatte.
Trump will deshalb nicht nur Grönland kaufen, sondern er strebt auch die Übernahme von Kanada an und er will sich den Panamakanal aneignen. Auf Kanada will er, versicherte der Republikaner am Dienstag, nur wirtschaftlichen Druck ausüben. In Panama könnte er aber nötigenfalls ebenfalls die amerikanischen Streitkräfte aufmarschieren lassen.
Ich glaube, mit dem Gegenwind in den USA könnte man in Europa problemlos sämtliche Windräder betreiben, mindestens einen Monat lang…
So lange Riesenirrsinn rauslassen, bis sein persönlicher Irrsinn zur Normalität wird.
Funktioniert.