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epa08270347 Former New York Mayor and businessman Michael Bloomberg addresses his campaign staff after announcing that he was suspending his campaign for US president in a hotel ballroom in New York, New York, USA, 04 March 2020. Bloomberg spent about $500 million dollars of his own money running for president but did not win enough delegates to justify staying in the race following yesterday?s Super Tuesday?s results.  EPA/JUSTIN LANE

Bild: EPA

Mike Bloombergs 500-Millionen-Dollar-Pleite

Er konnte sich die Nominierung als Präsidentschaftskandidat doch nicht kaufen: Mike Bloomberg scheidet aus dem Rennen der Demokraten aus – doch sein Geld wird weiter eine zentrale Rolle spielen.

Fabian Reinbold, Los Angeles / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Das war wohl die schlechteste Investition des Geschäftsmanns Michael Bloomberg: In nur drei Monaten gab er 500 Millionen Dollar seines Vermögens aus, um am « Super Tuesday » in den demokratischen Vorwahlen zu triumphieren – und heraus sprang ein einziger mickriger Sieg: im US-Aussengebiet Amerikanisch-Samoa. Am Mittwoch dann zog er die Konsequenzen: Bloomberg scheidet aus dem Rennen aus.

In fast jedem Bundesstaat enttäuschte der Multimilliardär, der mit der Macht des Geldes die Regeln der US-Vorwahlen aushebeln wollte. Drei Monate, 500 Millionen Dollar – und kein einziger Sieg, der zählt.

Über den 78-jährigen Medienmogul bricht nun eine Menge Schadenfreude herein. Für die Begriffe vieler Demokraten wollte er sich die Nominierung einfach kaufen. Bloomberg schaltete mehr Werbung als die gesamte Konkurrenz, er zahlte bessere Löhne, bei seinen Wahlkampfauftritten gab es Schnittchen.

220 Dollar pro Wählerstime

Doch neben der Werbefigur Bloomberg gab es auch den real existierenden Kandidaten – der für Teile der Wählerschaft wegen Rassismus- und Sexismusvorwürfen unwählbar war und der in den beiden TV-Debatten, in denen er im Februar auftrat, Angriffe nicht souverän parierte.

Allein in Minnesota gab Bloomberg 13 Millionen Dollar für Werbung aus – und holte mit 62'000 Stimmen einen Anteil von gerade einmal 8.3 Prozent. Das macht 220 Dollar pro Wählerstimme.

Der frühere New Yorker Bürgermeister hatte eine unkonventionelle Strategie verfolgt: Er setzte die frühen Vorwahlstaaten aus und wollte am «Super Tuesday» die Konkurrenz mit einem Schlag überholen. Dabei setzte er auf die Südstaaten und darauf, die dortigen schwarzen Wähler zu überzeugen, in erster Linie mit dem Argument, er habe die finanziellen Mittel, Donald Trump zu schlagen. Doch das ging nicht auf.

Bloombergs Geld bleibt im Rennen

Und doch werden Bloombergs Geld und wohl auch Teile von Bloombergs Strategie im Rennen bleiben. Der Medienmogul, dessen Vermögen auf gut 60 Milliarden Dollar geschätzt wird, hatte bereits zuvor angekündigt, er würde auch andere Demokraten unterstützen, wenn diese sich die Nominierung der Partei sichern.

Am Mittwoch wurde er konkret. Er kündigte an, Joe Biden habe die besten Chancen, Trump zu besiegen, deshalb werde er nun ihn unterstützen. Und wenn Bloomberg von Unterstützung spricht, meint er das vor allem im finanziellen Sinn.

Democratic presidential candidate former Vice President Joe Biden, right, and his wife Jill attend a primary election night rally Tuesday, March 3, 2020, in Los Angeles. (AP Photo/Marcio Jose Sanchez)
Joe Biden,Jill Biden

Kann sich Biden bald über ein paar Millionen von Bloomberg freuen? Bild: AP

Arbeiten Bloombergs Leute für Biden?

Biden zeigte umgehend offen dafür. Er liess twittern, es gehe bei der Wahl darum, Donald Trump zu schlagen. «Und mit Deiner Hilfe schaffen wir das.» Für Biden, der nun in einen giftigen Zweikampf mit Bernie Sanders startet , wäre Bloombergs Hilfe ein gewaltiger Vorteil.

Dieser hatte seinem Heer an Wahlkämpfern – auch das anders als die Konkurrenz – Verträge bis zum Wahltag im November gegeben. Es ist denkbar, dass er einen Teil von ihnen nun für Biden arbeiten lassen wird.

Bloomberg hatte gestandene Profis versammelt, die vor allem im Internet-Wahlkampf Standards setzten: Während die Fernsehspots Bloomberg positiv dastehen liessen, zeigten die Clips auf Facebook heftige Attacken gegen Donald Trump. Dabei zeigte Bloomberg eine Bereitschaft zur Schamlosigkeit, die ihn von den Konkurrenten abhob .

Das ist wichtig, weil nur Bloomberg mit Trump beim Einsatz der Wahlwerbung auf Facebook und Co. mithalten konnte. Das Wahlkampfteam des Präsidenten ist dabei führend, während es insbesondere Bidens Mannschaft dort an Knowhow und Mitteln mangelt. Es ist also gut möglich, dass auch nach Bloombergs Ausstieg seine Millionen eine zentrale Rolle im US-Wahlkampf spielen.

Verwendete Quellen:

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sir Konterbier 05.03.2020 11:54
    Highlight Highlight Quizfrage:

    Was sind 8‘000 für einen Millionär?






    Antwort:

    Dasselbe wir für Bloomberg 500‘000‘000


    ...wird ihn nicht besonders kratzen^^

  • maylander 05.03.2020 09:45
    Highlight Highlight Mit ein paar Tweets löst Trump mehr aus als Bloomberg mit seinen 500M US$.
    So viel für Fernsehwerbung? Ist der irgendwo Anfangs 90ern stehengeblieben?
    Ich verstehe die Demokraten echt nicht. Die letzten Erfolge hatten sie mit jungen Kandidaten. Joe Biden ist aber älter als Bill Clinton und dessen Präsidentschaft liegt auch schon eine ganze Weile zurück.
    Dazu will man auf keinen Fall eine Richtungswahl sondern im Prinzip das selbe wie die jetzige Regierung einfach ohne prahlerischen Tweets.
  • Gubbe 05.03.2020 08:46
    Highlight Highlight Mike Bloomberg werden diese paar Millionen nicht kratzen. In der Überschrift von Pleite zu schreiben...war wohl auch ein wenig Schadenfreude dabei. Es wird nur von seinem Geld geschrieben. Dass er sich zu einem richtigen Demokraten entwickelt hat, auch mit einer sozialen Ader, wäre auch erwähnenswert gewesen. Klar hat er Trump angegriffen, weil er diesen Typ mit seinen kruden Endscheiden nicht mag.
  • Perkon20 05.03.2020 06:29
    Highlight Highlight Da bin ich aber sehr froh, dass man sich das Amt des Präsidenten nicht einfach ‚erkaufen‘ kann. Ich war mir nämlich seit der Wahl 2016 nicht mehr sicher, ob man für dieses Amt überhaupt noch irgendwelche Kompetenzen vorweisen muss oder ob der Kontostand und der Name schon reichen. Mit Joe Biden haben wir nun einen Kandidaten, der als ehemaliger Vizepräsident immerhin ein wenig Erfahrung mit sich bringen würde. Er selbst war 8 Jahre lang nur einen Herzschlag vom mächtigsten Amt der Welt entfernt. Und er wäre nach Richard Nixon und George Bush der nächste, der den Sprung schaffen könnte.
  • Pana 05.03.2020 05:00
    Highlight Highlight "Für Biden, der nun in einen giftigen Zweikampf mit Bernie Sanders startet"

    Sanders hat heute eine PK abgehalten, an der er einen zivilisierten und respektvollen Wahlkampf gegen Biden ankündigte und forderte. Dies von sich selbst, von Biden, aber auch den Medien. Keine Schlammschlachten sondern sachbezogene Debatten zwischen sich respektierenden Erwachsenen. Dass die Medien davon nicht viel halten, erkennt man daran, dass von diesem Auftritt nirgends gross zu lesen ist.

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