Marjorie Taylor Greene sagt, in welchem Moment sie genug von Donald Trump hatte
Marjorie Taylor Greene ist US-Kongressabgeordnete aus Georgia in ihrer dritten Amtszeit. Früher Unterstützerin des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump. Heute eine seiner schärfsten Kritikerinnen.
Im September 2025 wurde der rechte Aktivist Charlie Kirk während einer Kundgebung erschossen. Elf Tage nach seinem Tod schaute sich Greene seine Gedenkfeier im Fernsehen an. Die Rede seiner Witwe, die seinem Mörder vergibt. Und die des US-Präsidenten, der sagt: «Er hasste seine Gegner nicht. Er wollte das Beste für sie. In diesem Punkt war ich anderer Meinung als Charlie. Ich hasse meine Gegner und will nicht das Beste für sie.»
Das sei das «schlimmste Zitat» gewesen, wie Greene Monate nach der Gedenkfeier einem Journalisten der New York Times sagt.
Sie meint dazu:
Nach dem Tod von Charlie Kirk und den Reaktionen vieler ihrer republikanischen Kollegen realisierte Greene, dass sie plötzlich jeglichen Appetit auf Rache verloren hatte.
Der Anfang vom Ende ihrer Maga-Ära
Greene stellte sich im Repräsentantenhaus gegen ihre Partei und argumentierte, dass alle Ermittlungsunterlagen zu Jeffrey Epstein veröffentlicht werden sollten. Ihrer Meinung nach zeigt das Beispiel der Epstein-Akten alles, was in der Politik falsch läuft.
Am 15. November gab sie bekannt, dass sie per 5. Januar zurücktreten wird. Ein Jahr früher, als ihre Amtszeit enden würde.
Ein Tag darauf folgte ihr letzter Kontakt zu Donald Trump. Per Chat. Am selben Tag erhielt sie eine anonyme E-Mail auf ihre private E-Mail-Adresse, darin wurde ihr Sohn bedroht, der im College-Alter ist. In der Mail hiess es: «Derek wird bald umgebracht. Er sollte besser auf sich aufpassen.»
Im Betreff stand der Spitzname, den die Abgeordnete vom US-Präsidenten nach ihrem Rücktritt erhalten hatte. «Marjorie Traitor Greene.»
Die nun aufgeberachte Mutter schrieb Donald Trump daraufhin eine Nachricht. Sie argumentierte, dass die Familie aus solchen Angelegenheiten herausgehalten werden sollte. Trump beleidigte Greene jedoch nur, anstatt Verständnis zu zeigen und sagte, sie habe nur sich selbst die Schuld zu geben.
Die offizielle Meinung
Die «New York Times» fragte darauf hin das Weisse Haus an, ob es sich zu diesem Vorfall äussern könne. Die Antwort kam von Mediensprecher Davis Ingle. Darin stand, dass Donald Trump der unangefochtene Führer der am schnellsten wachsenden politischen Bewegung in der amerikanischen Geschichte – der MAGA-Bewegung – sei.
Greene gebe mitten in ihrer Amtszeit ihre Wähler auf und verlasse den wichtigen Kampf, in der sich die Partei befinde. Somit habe man keine Zeit für ihre kleinlichen Verbitterungen.
Kurz nach der Bekanntgabe ihres Rücktritts und dem Bruch mit dem US-Präsidenten erhielt Greene Anfragen, um an Talkshows teilzunehmen. Talkshows, von denen sie zuvor nie gehört oder nichts gehalten hatte. Beispielsweise die Morgenshow «The View» auf dem Sender ABC, die hauptsächlich liberale Meinungen vertritt und bespricht.
Greene fühlte sich sofort wohl in deren Anwesenheit und diskutiert und sprach mit ihnen über die Politik der USA und die Regierung von Donald Trump. Sie freute sich auf die Gespräche und die ehrlichen Meinungen, denn sie habe genug von der toxischen Politik, wie sie gegenüber der «New York Times» sagt.
Und wie weiter?
Marjorie Taylor Greene sagte der «New York Times», sie wisse nicht, was sie in Zukunft tun werde. Nach einem Schluck aus ihrem Weinglas fügte sie hinzu: «Ich brauche eine Pause.»
Sie sei zurzeit eine Art «radioaktiv» für beide politischen Seiten. Und somit so etwas wie obdachlos in der Politik. Was die Noch-Kongressabgeordnete ab dem kommenden Jahr und dem Ende ihrer bisherigen politischen Karriere machen wird, ist unklar. Genauso, ob sie in der Politik bleibt oder sich zurückzieht. (nib)
