Mar-a-Lago-Bezirk geht an Demokratin – die Trumps stimmten per verhasstem Brief
Donald Trump ist ein Gegner der Briefwahl. Und gerne schimpft der amerikanische Präsident über das Abstimmen und Wählen per Post. Zuletzt am Montag in Memphis. Da sagte Trump, während einer Tirade gegen den politischen Gegner: Die briefliche Stimmabgabe öffne dem Betrug Tür und Tor. Auf Englisch klang das naturgemäss flotter: «Mail-in voting is mail-in cheating», sagte der amerikanische Präsident.
Was Trump in Memphis nicht verriet: Er selbst ist ein engagierter Briefwähler. Zuletzt gab der bald 80 Jahre alte Präsident seine Stimme in den vergangenen Tagen per Post ab, als er sich an einer Lokalwahl am offiziellen Wohnsitz in Florida beteiligte. Das kann man mit einer einfachen Suchabfrage auf der Internetseite des Verwaltungsbezirks Palm Beach County herausfinden. «You voted by Mail Ballot», heisst es da, wenn man unter dem Namen Donald Trump eine Abfrage startet. Eine Suche mit den Namen seiner Gattin Melania (55) und seines 20 Jahre alten Sohnes Barron ist ebenfalls erfolgreich; auch sie stimmten per Post ab.
Nun ist das eigentlich nicht verwerflich. Schliesslich hält sich Trump berufsbedingt dieser Tage häufig in Washington auf und nicht in seinem protzigen Anwesen am South Ocean Boulevard in Palm Beach. Ausgerechnet am vergangenen Wochenende aber weilte er in seinem Club Mar-a-Lago. Dabei verbrachte er auch viel Zeit auf seinem Golfplatz in West Palm Beach. Ein Blick auf die Internetseite des Verwaltungsbezirks zeigt, dass er auf dem Weg zu seinem Golfplatz am Samstag oder Sonntag problemlos einen Abstecher in ein Wahllokal hätte machen können — falls er denn wirklich so grosse Angst vor Wahl-Betrügereien hat. Zehn Autominuten vom Trump International Golf Club entfernt wäre jedenfalls ein Stimmlokal geöffnet gewesen.
Demokratin vertritt künftig Trump im Staatsparlament
Das Weisse Haus versteht die Aufregung nicht. Die Geschichte sei nicht der Rede wert, sagte ein Sprecherin dem Fernsehsender NBC, der zuerst auf die briefliche Stimmabgabe Trumps aufmerksam gemacht hatte. Schliesslich sage der Präsident immer wieder, dass er Ausnahmeregeln für Menschen befürworte, die aus medizinischen oder beruflichen Gründen nicht an die Urne gehen könnten.
Für wen die Trumps stimmten, ist in der Datenbank des Verwaltungsbezirks natürlich nicht ersichtlich. Trump unterstützte aber in der Nachwahl für einen Sitz im Staatsparlament von Florida den republikanischen Kandidaten Jon Maples. Er verlor am Dienstag gegen seine demokratische Herausforderin Emily Gregory, einer politischen Novizin — obwohl der mondäne Ferienort Palm Beach seit einigen Jahren als Hochburg der Republikaner gilt. Der Rückstand von Maples auf Gregory betrug etwas mehr als 2 Prozentpunkte.
Die Trumps werden im Staatsparlament von Florida also bis zum nächsten Wahltermin im November von einer Demokratin vertreten. Das wird den Präsidenten endlos nerven. (aargauerzeitung.ch)
