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US-Kaffeekette verliert Kampf um Regenbogen-Fahnen – Woke schlägt zurück

Interior of a Philz coffee shop featuring a Progress Pride flag above the counter and a well-organized workspace, Bay Street, Emeryville, California, July 29, 2024. (Photo by Smith Collection/Gado/Get ...
Kann wieder aufgehängt werden: Die Pride-Fahne in Kaffeehäusern von Philz.Bild: Archive Photos

Woke schlägt zurück: US-Kaffeekette verliert Kampf um Regenbogen-Fahnen

Eine bekannte Kaffeekette drohte nach einem Besitzerwechsel ihr Image als LGBTQIA+-freundliche Firma zu verlieren. Doch der Widerstand der Belegschaft und Fans war zu gross.
21.04.2026, 22:1421.04.2026, 22:14
Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann

Regenbogen-Fahnen sind für Menschen der so genannten LGBTQIA+-Gemeinschaft ein Zeichen der Toleranz und dafür, dass sie willkommen sind. Mit dem Akronym sind Menschen mit vielfältigen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten gemeint. Das farbenfrohe Bekenntnis hat in den USA seit Donald Trumps politischem Aufstieg an Bedeutung gewonnen. Denn der US-Präsident hat mit seinem Kampf gegen «woke» viel Hass geschürt – und bei Minderheiten für grosse Unsicherheit und zuweilen Angst gesorgt.

Die kalifornische Kaffeekette Philz Coffee galt seit jeher als LGBTQIA+-freundliches Unternehmen. In allen Geschäften des 2003 in der Bay Area gegründeten Starbucks-Konkurrenten hingen Pride-Flaggen in den Regenbogenfarben. Auch deswegen – und wegen ausgefallener Kaffee-Geschmackskreationen – hatte Philz viele Fans.

SAN FRANCISCO, CA - NOVEMBER 13, 2017: Philz Coffee in San Francisco California is known for adding mint to their coffee and they only do drip coffee.
Philz Coffee ist bekannt für seine innovativen Kaffeekreationen.Bild: www.imago-images.de

Doch vergangenen Sommer wurde Philz verkauft an eine Private-Equity-Firma namens Freeman Spogli & Co. Die neuen Inhaber, die 145 Millionen Dollar für die rund 80 Filialen in Kalifornien und Chicago hinblätterten, wollten mit der Kette stark expandieren.

Erfolgreiche Online-Petition

Schon damals gab es Bedenken, ob Philz seine Ideale bewahren könnte. Und diesen Frühling sahen sich die Skeptiker bestätigt. Anfang April berichtete der «San Francisco Chronicle», dass Philz alle Pride-Fahnen in den Geschäften entfernt. Man wolle ein einheitlicheres, inklusiveres Erlebnis für die Kundschaft schaffen, sagte Philz-Chef Mahesh Sadarangani. «Das ist eine Veränderung des Erscheinungsbilds unserer Geschäfte, nicht davon, wer wir sind.» Die Unterstützung der LGBTQIA+-Gemeinschaft bleibe unverändert.

Doch Sadaranganis Botschaft verfing nicht. Der Aufschrei bei der Stammkundschaft und auch beim Personal war gross. Angestellte starteten eine Online-Petition, die rasch von mehreren Tausend Personen unterzeichnet wurde. Darin forderten sie eine Abkehr von dieser neuen Strategie. Die Pride-Fahne stehe für das Willkommensein, hiess es auf der Website. Diese zu entfernen, sende die gegenteilige Botschaft aus. In den Kommentarspalten war von Boykott-Aufrufen und einer Ohrfeige gegenüber den Baristas die Rede. Manche Geschäfte widersetzten sich gar aktiv der Management-Devise und liessen ihre Fahne hängen.

A rainbow Pride flag flies with an American flag at the Stonewall National Monument in New York, Monday, April 13, 2026. (AP Photo/Seth Wenig)
Stonewall Rainbow Flag
Auch am Stonewall-Denkmal weht wieder eine Regenbogenflagge.Bild: keystone

Der Widerstand wirkte. Nach zahlreichen Medienberichten zum internen Zwist ist die Philz-Führung eingeknickt und hat ihren Entscheid rückgängig gemacht. Ich habe einen Fehler gemacht und es tut mir sehr leid, sagt Sadarangani in einer Medienmitteilung. «Die Pride-Flagge ist ein Symbol für Sicherheit und Zugehörigkeit für Menschen, die das nicht immer in der Welt finden – und das möchte ich niemandem nehmen, der ein Philz betritt.» In der Schweiz ist beispielsweise die vegane Bäckerei-Kette Bakery Bakery dafür bekannt, in ihren Geschäften die Pride-Fahne zu zeigen.

Die LGBTQIA+-Gemeinschaft konnte in den vergangenen Tagen noch einen weiteren Sieg feiern. In New York wird beim Stonewall-Denkmal ebenfalls wieder eine Pride-Flagge gehisst. Dies, nachdem sie die Trump-Regierung Anfang Jahr entfernt hatte. Es folgte eine Klage von Interessengemeinschaften, die nun beigelegt wurde.

Das nationale Denkmal liegt gegenüber dem Stonewall Inn, einer historischen Schwulenbar, in der eine Polizeirazzia 1969 dazu beitrug, die LGBT-Bürgerrechtsbewegung auszulösen. Die Regenbogenflagge war unter der Ägide von Ex-Präsident Joe Biden angebracht worden.

Schweizer Firmen machen den Bückling

Im Frühling 2025 strichen zahlreiche US-Konzerne auf Druck von Trump ihre Diversity-Massnahmen, darunter Google und Microsoft. Und grosse Schweizer Konzerne wie UBS und Roche, die vor Trumps Wahl noch voller Stolz ihre Diversity-Programme betonten, machten plötzlich den Bückling – aus Angst vor politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen. Sie strichen diese zusammen oder entfernten Begriffe aus ihrer Firmensprache, die Trump in den falschen Hals geraten könnten.

Munich Branch UBS Europe The UBS Europe SE branch stands at Europaplatz in Munich, Germany, on April 12, 2025. UBS Group AG is a multinational investment bank and financial services company headquarte ...
Mit Trumps zweiter Amtszeit hat der Wind gedreht.Bild: www.imago-images.de

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, sucht man bei ihnen auch ein Jahr danach vergebens nach Schlüsselwörtern wie Equality und Diversity. Sie wurden durch abgeschwächte Begriffe wie «gleiche Möglichkeiten» (equal opportunities) oder «Zugehörigkeit» (belonging) ersetzt.

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Die beliebtesten Kommentare
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Revan
21.04.2026 22:30registriert Mai 2019
Etwas gutes hat die ganze Anti-Woke-Hysterie unter Trump: Man sieht sehr gut, für welche Firmen Inklusion tatsächlich ein eigener Wert ist, und für welche (e.g. UBS) das ganze nur pinkwashing war als es opportun war. (zugegeben, bei der UBS war wohl niemand überrascht).
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mrmikech
21.04.2026 22:51registriert Juni 2016
Immer wieder lustig, wie "grosse, starke, echte Männer“ wie Trump, Putin & Co Angst vor Regenbogen haben…
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K.A.T.E.R
21.04.2026 22:42registriert Februar 2025
"...wegen ausgefallener Kaffee-Geschmackskreationen..."

ich will guten Espresso

"Geschmackskreationen" (für 7 Franken) kann kaufen wers mag
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