Woke schlägt zurück: US-Kaffeekette verliert Kampf um Regenbogen-Fahnen
Regenbogen-Fahnen sind für Menschen der so genannten LGBTQIA+-Gemeinschaft ein Zeichen der Toleranz und dafür, dass sie willkommen sind. Mit dem Akronym sind Menschen mit vielfältigen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten gemeint. Das farbenfrohe Bekenntnis hat in den USA seit Donald Trumps politischem Aufstieg an Bedeutung gewonnen. Denn der US-Präsident hat mit seinem Kampf gegen «woke» viel Hass geschürt – und bei Minderheiten für grosse Unsicherheit und zuweilen Angst gesorgt.
Die kalifornische Kaffeekette Philz Coffee galt seit jeher als LGBTQIA+-freundliches Unternehmen. In allen Geschäften des 2003 in der Bay Area gegründeten Starbucks-Konkurrenten hingen Pride-Flaggen in den Regenbogenfarben. Auch deswegen – und wegen ausgefallener Kaffee-Geschmackskreationen – hatte Philz viele Fans.
Doch vergangenen Sommer wurde Philz verkauft an eine Private-Equity-Firma namens Freeman Spogli & Co. Die neuen Inhaber, die 145 Millionen Dollar für die rund 80 Filialen in Kalifornien und Chicago hinblätterten, wollten mit der Kette stark expandieren.
Erfolgreiche Online-Petition
Schon damals gab es Bedenken, ob Philz seine Ideale bewahren könnte. Und diesen Frühling sahen sich die Skeptiker bestätigt. Anfang April berichtete der «San Francisco Chronicle», dass Philz alle Pride-Fahnen in den Geschäften entfernt. Man wolle ein einheitlicheres, inklusiveres Erlebnis für die Kundschaft schaffen, sagte Philz-Chef Mahesh Sadarangani. «Das ist eine Veränderung des Erscheinungsbilds unserer Geschäfte, nicht davon, wer wir sind.» Die Unterstützung der LGBTQIA+-Gemeinschaft bleibe unverändert.
Doch Sadaranganis Botschaft verfing nicht. Der Aufschrei bei der Stammkundschaft und auch beim Personal war gross. Angestellte starteten eine Online-Petition, die rasch von mehreren Tausend Personen unterzeichnet wurde. Darin forderten sie eine Abkehr von dieser neuen Strategie. Die Pride-Fahne stehe für das Willkommensein, hiess es auf der Website. Diese zu entfernen, sende die gegenteilige Botschaft aus. In den Kommentarspalten war von Boykott-Aufrufen und einer Ohrfeige gegenüber den Baristas die Rede. Manche Geschäfte widersetzten sich gar aktiv der Management-Devise und liessen ihre Fahne hängen.
Der Widerstand wirkte. Nach zahlreichen Medienberichten zum internen Zwist ist die Philz-Führung eingeknickt und hat ihren Entscheid rückgängig gemacht. Ich habe einen Fehler gemacht und es tut mir sehr leid, sagt Sadarangani in einer Medienmitteilung. «Die Pride-Flagge ist ein Symbol für Sicherheit und Zugehörigkeit für Menschen, die das nicht immer in der Welt finden – und das möchte ich niemandem nehmen, der ein Philz betritt.» In der Schweiz ist beispielsweise die vegane Bäckerei-Kette Bakery Bakery dafür bekannt, in ihren Geschäften die Pride-Fahne zu zeigen.
Die LGBTQIA+-Gemeinschaft konnte in den vergangenen Tagen noch einen weiteren Sieg feiern. In New York wird beim Stonewall-Denkmal ebenfalls wieder eine Pride-Flagge gehisst. Dies, nachdem sie die Trump-Regierung Anfang Jahr entfernt hatte. Es folgte eine Klage von Interessengemeinschaften, die nun beigelegt wurde.
Das nationale Denkmal liegt gegenüber dem Stonewall Inn, einer historischen Schwulenbar, in der eine Polizeirazzia 1969 dazu beitrug, die LGBT-Bürgerrechtsbewegung auszulösen. Die Regenbogenflagge war unter der Ägide von Ex-Präsident Joe Biden angebracht worden.
Schweizer Firmen machen den Bückling
Im Frühling 2025 strichen zahlreiche US-Konzerne auf Druck von Trump ihre Diversity-Massnahmen, darunter Google und Microsoft. Und grosse Schweizer Konzerne wie UBS und Roche, die vor Trumps Wahl noch voller Stolz ihre Diversity-Programme betonten, machten plötzlich den Bückling – aus Angst vor politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen. Sie strichen diese zusammen oder entfernten Begriffe aus ihrer Firmensprache, die Trump in den falschen Hals geraten könnten.
Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, sucht man bei ihnen auch ein Jahr danach vergebens nach Schlüsselwörtern wie Equality und Diversity. Sie wurden durch abgeschwächte Begriffe wie «gleiche Möglichkeiten» (equal opportunities) oder «Zugehörigkeit» (belonging) ersetzt.

