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Trump und Obama gemeinsam an Carter-Beerdigung: Video sorgt für Erstaunen

Wie Schulbuben in der hintersten Reihe: Auftritt von Trump und Obama sorgt für Erstaunen

Alle fünf noch lebenden US-Präsidenten zollten Jimmy Carter den letzten Respekt. Vor der Messe entstand eine unverhoffte Freundschaft. Nicht alle verstanden sich so gut.
10.01.2025, 14:2911.01.2025, 17:42
Natasha Hähni / ch media

Donald Trump und Barack Obama tuscheln und lachen, als würden sie gerade einen Streich aushecken. Sie sitzen in der Washington National Cathedral, um dem ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter die letzte Ehre zu erweisen. Noch bis vor wenigen Wochen hatten sich Trump und Obama kaum etwas Nettes zu sagen. Trump nannte seinen Vorgänger einen «schrecklichen» Präsidenten und verbreitete die Lüge, Obama sei nicht in den USA geboren. Der Demokrat wiederum machte sich während des Wahlkampfs mehrfach über Trump lustig. Obama unterstützte dessen Gegnerin Kamala Harris.

Former President Barack Obama talks with President-elect Donald Trump, next to Melania Trump, as they arrive to attend the state funeral for former President Jimmy Carter at Washington National Cathed ...
Donald Trump und Barack Obama schienen sich gut zu verstehen.Bild: keystone

Worüber sich Banknachbarn vor Beginn der Messe amüsierten, darüber wird gerade spekuliert. Auf X fantasierte eine Nutzerin, Trump habe sich über seinen Berater Elon Musk lustig gemacht, der bei einer Wahlkampfveranstaltung des Republikaners auf der Bühne umherhüpfte: «Und ich sagte: Spring für mich, Elon. Und er sprang. Ein Riesensprung, der höchste Sprung, der jemals in der Geschichte der Sprünge aufgezeichnet wurde», so die fiktive Bildbeschreibung.

In der «New York Post» spekuliert ein Lippenleser über mögliche geheime Abmachungen, die die beiden nach der Trauerfeier besprechen wollten.

Wie gut sich der Republikaner und der Demokrat verstanden, erstaunte gar Donald Trump selbst. In einer Pressekonferenz sagte er zum mittlerweile viralen Video der beiden: «Ich sagte: Junge, die sehen aus wie zwei Menschen, die sich mögen. Und das tun wir wahrscheinlich auch.»

Es scheint, als habe der bekannte Obama-Charme bei ihm gewirkt. Sie hätten «etwas unterschiedliche Philosophien», sagt Trump weiter. Aber wahrscheinlich würden sie sich mögen. Einen ersten Annäherungsversuch startete Trump bereits im August. Damals nannte er Obama einen «netten Gentleman» und sagte, dass er ihn respektiere.

In gewohnt selbstbewusstem Ton ergänzte der künftige Präsident diese Woche: «Aber ich kam mit fast allen gut aus.»

Das ist wohl ein bisschen übertrieben. Ausser mit Barack Obama und seiner Frau Melania redete Trump kaum mit jemandem in der Kirche. Dem ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore und seiner einstigen Nummer 2, Mike Pence, schüttelte er kurz die Hand. Die Ehefrau von Pence weigerte sich, Trump die Hand zu geben.

Nachdem eine wütende Meute von Trump-Anhängern beim Sturm aufs Capitol vor vier Jahren «Hängt Mike Pence» rief, weil dieser sich weigerte, Donald Trump* als Sieger der Wahlen zu erklären, unterstützte Pence seinen Ex-Boss auch nicht beim letztjährigen Rennen ums Weisse Haus.

Top to Bottom, Left to Right Former Vice President Al Gore, former Vice President Mike Pence and his wife Karen Pence, former President Bill Clinton and his wife Hillary Clinton, former President Geor ...
Die noch lebenden Ex-Präsidenten der USA versammelt an Carters Beerdigung.Bild: www.imago-images.de

Wenn sich einer mit allen gut verstanden hat, dann war das wohl am ehesten Barack Obama. Michelle Obama war wegen einer Terminkollision nicht anwesend. Beim Vorbeilaufen klopfte George W. Bush seinem Nachfolger lachend den Bauch. Parteikollege Trump und Melania ignorierten Bush und seine Frau Laura dabei komplett. Trump wartete darauf kurz, bis Bush nicht mehr in seine Richtung schaute und flüsterte dann etwas zu seinem neuen Freund, Obama. Der lachte.

Böse Blicke von Harris

Die gute Laune in der zweiten Reihe entging auch Vizepräsidentin Harris nicht. In einem Video ist zu sehen, wie sie sich in Richtung Trump und Obama dreht und dann genervt wieder nach vorne schaut. Einige Nutzer vergleichen die Szene in den sozialen Medien mit einer Mutter, die ihre Kinder auf den Rücksitzen im Auto zurechtweist. Harris verlor im November die Präsidentschaftswahl gegen Trump.

Blendend schien sich Harris mit Ex-Präsident Bush zu verstehen. Bill und Hillary Clinton sowie Jill und Präsident Joe Biden waren ebenfalls anwesend. Zur Trauerfeier versammelten sich alle fünf noch lebenden US-Präsidenten.

Biden, der die Trauerrede hielt, erzählte von seiner Freundschaft zum ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter. Von ihm habe er gelernt, dass Charakterstärke wichtiger sei als Titel oder Macht. Carter starb Ende Dezember im Alter von 100 Jahren. Biden warnte in seiner Rede weiter: «Wir haben die Pflicht, dem Hass keinen sicheren Hafen zu bieten und der grössten Sünde von allen, dem Machtmissbrauch, entgegenzutreten.»

Ob er sich damit auch an seinen Vorgänger und Nachfolger im Publikum richtete und ob die Nachricht ankam, ist nicht klar. Sollte Trump etwas dazu zu sagen haben, hat es Barack Obama aber sicher als Erster erfahren. (aargauerzeitung.ch)

*In früheren Versionen wurde fälschlicherweise davon gesprochen, dass Mike Pence kritisiert wurde, weil er Joe Biden 2020 nicht als Wahlsieger ausrufen wollte. Dies wurde nachträglich berichtigt.
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