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Trump und die New York Times: Diese Dinge sind speziell aufgefallen

Er nennt sein Team «Kids»: Was der «New York Times» im Gespräch mit Trump speziell auffiel

Rund zwei Stunden lang sprach US-Präsident Donald Trump am Donnerstag mit der «New York Times». Diese machte nach dem viel beachteten Interview eine Vielzahl an Episoden publik – Dinge, die der Zeitung im Oval Office speziell auffielen. Zwischen all den brisanten politischen Aussagen war dies unter anderem sein bedenklicher Umgang mit Mitarbeitenden.
09.01.2026, 13:5909.01.2026, 15:40
Jannik Sauer / watson.de

Einige werden sich an den irritierenden Moment im vergangenen Juni erinnern, als Nato-Generalsekretär Mark Rutte Donald Trump «Daddy» nannte. Rutte wollte damals Trumps Haltung im Krieg zwischen Israel und dem Iran beschreiben. Für seine Äusserung bekam der Niederländer viel Kritik: Sie wurde ihm als Anbiederung an Trump ausgelegt.

Secretary of State Marco Rubio, center, reacts alongside Vice President JD Vance before President Donald Trump holds a news conference with Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu in the State Dinin ...
Zwei der mächtigsten Männer der Welt: US-Aussenminister Rubio und Vizepräsident Vance.Bild: keystone

Doch Trump scheint sich in der Rolle des Vaters zu gefallen: Rund ein halbes Jahr später hat er seine Untergebenen Marco Rubio und J.D. Vance im Interview mit der «New York Times» «Kinder» genannt. Er hat ihnen sogar Schuhe gekauft, erzählen diese – Vizepräsident Vance soll sie während des Gesprächs stolz präsentiert haben.

Die bizarren Szenen haben eine Vorgeschichte – und sind nicht das Einzige, das von dem zweistündigen Interview hängen bleiben wird.

@nytimes In a wide-ranging interview with New York Times reporters, President Trump discussed Venezuela, exercising his power around the globe, his health and more. Trump said during the conversation that he would be the arbiter of any limits on his global powers, not international law or treaties, saying that as commander in chief he is constrained only by his “own morality.” It was the most blunt acknowledgment yet of his worldview. #trump #venezuela #greenland ♬ original sound - The New York Times

US-Präsident irritiert: Donald Trump nennt sein Team «Kinder»

Das Gespräch, das die «New York Times» auf ihrer Website im Ticker-Format dokumentierte, zeigt, wie der US-Präsident mit seinem Team umgeht. Die Journalist:innen berichten, Trump habe mehrere Berater:innen und Mitarbeitende, mit denen er während des Interviews Kontakt hatte, «Kids» genannt. Auch sein Vize J. D. Vance (41) und US-Aussenminister Marco Rubio (54) wurden von Trump so genannt.

Während der rund zwei Stunden, die die «New York Times» im Weissen Haus verbrachte, stiessen Vance und Rubio kurzzeitig hinzu und gaben zu Protokoll, dass sie jeweils vier Paar Schuhe vom US-Präsidenten geschenkt bekommen haben. Die Zeitung schreibt:

«Vance hob sein Bein in die Luft, um dem Präsidenten das Paar zu zeigen, das er trug.»

Vor einigen Wochen hatte Vance selbst offenbart, dass Trump ihm und Rubio neue Schuhe ans Herz gelegt hatte. Diese soll der Präsident dann kurzerhand selbst bestellt haben. Aus seinem Schuhkatalog, erzählt Vance. Trump soll gesagt haben: «Vizepräsident und Aussenminister müssen schliesslich bestens aussehen.»

Donald Trump: «Ich brauche kein internationales Recht»

An einer anderen Stelle im Gespräch offenbarte der US-Präsident schliesslich ein bedenkliches Verständnis von Aussenpolitik. «Ich brauche kein internationales Recht», sagte er. Er fühle sich nur seinem eigenen Gewissen verpflichtet.

Die Journalist:innen stellten Trump die Frage, ob es Einschränkungen für seine weltweite Macht gebe. Es sei nur eine Sache, erwiderte Trump und sagte dann: «Mein eigener Sinn für Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich stoppen kann.»

Trump sagte zudem, dass die USA aus seiner Sicht Grönland besitzen müssten – weil dies «psychologisch notwendig für den Erfolg» sei. Er begründet das Interesse an Grönland mit der nationalen Sicherheit der USA sowie den Naturschätzen der Insel.

NYT: 6 weitere Dinge, die speziell auffielen

Am Freitag zählte die «New York Times» in einem Tickereintrag zudem sechs weitere Episoden auf, die den Journalist:innen bei dem Gespräch speziell aufgefallen waren:

  • Viele Gesichter: Die vielen Facetten von Trumps Persönlichkeit seien zum Vorschein gekommen, als das Interview eine «unvorhersehbare Wendung nahm». Vor allem habe er sich besonders darum bemüht, «Ausdauer und Energie» zu demonstrieren – gerade gegenüber der NYT, so die Journalist:innen, einer Zeitung, die Trump wegen ihrer Berichterstattung über seine Gesundheit und sein Alter des «aufrührerischen Verhaltens» bezichtigt hat.
  • Medikamente gegen Fettleibigkeit: Trump, dessen Body-Mass-Index ihn als übergewichtig einstufe, habe gesagt, er habe keines der beliebten Medikamente gegen Fettleibigkeit eingenommen, obwohl er dies «wahrscheinlich tun sollte».
  • Interessenkonflikte: Trump sieht gemäss NYT keinen Grund für seine Familie, ihre internationalen Geschäftsaktivitäten einzuschränken, nachdem er während seiner ersten Amtszeit «keine Anerkennung» dafür erhalten habe, dass er solche Geldgeschäfte eingeschränkt habe. Er verteidigte zudem seine Unterstützung für die Kryptowährungsbranche, so die Zeitung, in der seine Familie zu einem wichtigen Akteur geworden ist. «Ich habe viele Stimmen bekommen, weil ich Kryptowährungen unterstützt habe», sagte er.
  • Begnadigungen: Trump habe erklärt, er erwäge nicht, einem Gnadengesuch des Musikmoguls Sean Combs («P.Diddy») stattzugeben oder mehrere andere «sehr prominente Häftlinge» zu begnadigen.
  • Somalische Einwanderer: Der US-Präsident habe in dem Gespräch angekündigt, seine Regierung unternehme Schritte, um einigen eingebürgerten Amerikanern die Staatsbürgerschaft zu entziehen, wobei er insbesondere diejenigen somalischer Herkunft im Blick habe: «Ich glaube, dass viele der Menschen, die aus Somalia gekommen sind, unser Land hassen», zitiert ihn die Zeitung.
  • Venezuela: Er glaube, dass die Vereinigten Staaten die Kontrolle über die venezolanische Regierung und die Ölvorkommen des Landes «noch jahrelang aufrechterhalten könnten»: «Das wird nur die Zeit zeigen», so Trump.

(lak)

Dieser Artikel wurde durch watson.ch ergänzt.

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52 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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s'Paddiesli
09.01.2026 14:28registriert Mai 2017
Zwei Stunden Interview und keine einzige Frage zu den Epstein-Akten?
Hmm... 🤔
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Mötzli B.
09.01.2026 15:14registriert Februar 2023
Wenn die einzigen Einschränkungen für seine weltweite Macht seine Moral uns sein Verstand sind, dann gute Nacht. Denn er besitzt weder noch.
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What is a DJ if he can't scratch
09.01.2026 15:10registriert Oktober 2022
Ich war mir gar nicht bewusst wie fest ich jemanden zu hassen fähig bin. Ich dachte bei all den arabischen, asiatischen und osteuropäischen Diktatoren die ich auch hasse, sei ich an den Hasshöhepunkt gelangt. Aber nein Donnie hat die alle getopt...
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