Petro nennt US-Angriff auf Kolumbien «reale Bedrohung» – und vergleicht ICE mit Nazis
Seit die USA den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro gefangen genommen haben, wächst auch der Druck auf andere südamerikanische Länder. Weil Donald Trump den kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro als «kranken Mann» bezeichnete und einen Angriff auf das Land nicht auszuschliessen scheint, ist dieser in Alarmbereitschaft – und das trotz eines Telefonats der beiden Politiker.
Die Befürchtung eines Angriffs bestätigte der 65-Jährige am Donnerstag gegenüber der BBC. So glaube er, dass nun eine «reale Bedrohung» durch militärische Aktionen der USA gegen Kolumbien bestehe. Dies kritisiert der Kolumbianer scharf: «Die USA behandeln andere Nationen wie einen Teil eines US-Imperiums. Damit riskieren sie, keine Weltmacht zu sein, sondern stattdessen von der Restwelt isoliert zu werden.»
«Nazi-Brigaden»
In seinem Statement gegenüber der britischen Rundfunkanstalt warf Petro den Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) ausserdem vor, wie «Nazi-Brigaden» zu agieren. So sei ICE unterdessen an einen Punkt angelangt, an dem sie nicht nur Lateinamerikanerinnen und Lateinamerikaner auf den Strassen verfolge, sondern auch US-Staatsangehörige töte.
Diese Aussagen folgten, nachdem Gustavo Petro und der US-Präsident am Mittwochabend telefoniert und ein Treffen im Weissen Haus angekündigt hatten. Auf seiner Social-Media-Plattform Truth schrieb Trump nach dem Telefonat, er habe das Gespräch mit Petro als «grosse Ehre» erlebt. Kurzfristig schien es also, als wäre es auf beiden Seiten zu einem Kurswechsel gekommen.
Wie sich aber nun der kolumbianische Präsident am Donnerstag über Trump äussert, lässt darauf schliessen, dass sich die Beziehung zwischen den Politikern doch nicht bedeutend verbessert hat.
Zum Telefonat am Mittwochabend kam es, nachdem Trump Kolumbien zuvor scharf attackierte. Der Republikaner hatte gesagt, das Land werde von einem «kranken Mann» regiert, der es liebe, «Kokain zu produzieren und es in die Vereinigten Staaten zu verkaufen». Auf die Nachfrage einer Journalistin, ob es einen Militäreinsatz gegen Kolumbien geben werde, hatte Trump gesagt: «Das klingt für mich gut.»
«Das Wachstum von Kokaanbauungen hat sich verlangsamt»
Laut Petro habe das Gespräch ungefähr eine Stunde gedauert und er sei derjenige gewesen, der mehr gesprochen habe. «Es ging um den Drogenhandel in Kolumbien, Kolumbiens Sicht auf Venezuela und die Entwicklungen in Lateinamerika im Zusammenhang mit den Vereinigten Staaten», so der linke Politiker.
Auf die Frage, wie und ob sich Kolumbien bei einem amerikanischen Angriff verteidigen würde, antwortete Petro, dass er sich einen Dialog wünschen würde, und fügte hinzu: «Es geht nicht darum, einer grossen Armee mit Waffen entgegenzutreten, die wir nicht haben. Wir haben nicht einmal Flugabwehrsysteme. Stattdessen verlassen wir uns auf die Massen, unsere Berge und unsere Dschungel, wie wir es schon immer getan haben.»
Gustavo Petro verfolgt als ehemaliger Guerillakämpfer seit seinem Amtsantritt im Jahr 2022 eine Strategie des «totalen Friedens» und priorisiert den Dialog mit bewaffneten Gruppen. Kritikerinnen und Kritiker sehen diesen Ansatz oft als zu lasch an.
Laut «Die Zeit» hat die Kokainproduktion im Land im Jahr 2022 einen Rekordwert erreicht. Nun sagt Petro, dass sich das Wachstum der Kokaanbauungen verlangsamt habe. Dazu beschreibt er gegenüber der BBC zwei parallele Ansätze: «Zum einen geht es um Friedensgespräche mit Banditengruppen. Zum anderen um die Entwicklung einer Militäroffensive gegen diejenigen, die keinen Frieden wollen.»
(Mit einem Abschnitt von SDA)
