Diese Ex-CIA-Agentin wird zur neuen Gegenspielerin von Trump
Abigail Spanberger, die ausgewählt wurde, um am Dienstag auf die Rede des US-Präsidenten zu antworten, könnte die Strategie der demokratischen Opposition verkörpern. Diese sucht derzeit nach einem Weg, um Donald Trump wirksamer Paroli zu bieten.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Einige Monate vor den US-Zwischenwahlen, die im November das politische Kräfteverhältnis kippen könnten – derzeit verfügt Donald Trump nach seiner Rückkehr ins Weisse Haus über weitreichende Befugnisse –, hielt die neue Gouverneurin von Virginia die traditionelle Antwort der Opposition auf die Präsidialrede. Die 46-Jährige, die erst kürzlich mit einem zentristischen Programm gewählt wurde, trat im Kongress vor die Kameras und reagierte auf die «State of the Union»-Rede. Dabei sagte sie unter anderem:
Ihre Rede klang streckenweise wie ein Wahlkampfauftritt:
Ein ungewöhnlicher Werdegang
Erste Frau an der Spitze von Virginia, mehrfach ins Parlament gewählt, frühere Agentin des US-Auslandsgeheimdienstes Central Intelligence Agency (CIA): Die aufstrebende Demokratin vereint vieles, worauf ihre Partei derzeit setzt. Die Demokraten wollen auf zentristische Stimmen bauen – auf durchsetzungsstarke Persönlichkeiten, die sowohl hinter den Kulissen als auch im politischen Schlagabtausch bestehen können.
Im vergangenen Jahr wurde sie in dem über acht Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Bundesstaat gewählt – nach einem pragmatischen Wahlkampf, der vor allem die steigenden Lebenshaltungskosten ins Zentrum stellte.
Im Wahlkampf, so betonte sie am Dienstag, habe sie überall im Land dieselben drängenden Sorgen gehört: «zu hohe Kosten für Wohnen, Gesundheitsversorgung, Energie oder Kinderbetreuung …». Alles Themen, die auch Donald Trump für sich beansprucht – und die sie den Republikanern nicht kampflos überlassen will.
Das gilt auch für Fragen der Sicherheit – und selbst für die Migration. Die aktuelle Migrationspolitik bezeichnet sie als «mangelhaft» und «reformbedürftig». Zugleich kritisiert sie die Härte und Brutalität, mit der Donald Trump dieses Thema angeht.
Ein rasanter Aufstieg
Noch vor wenigen Jahren war Abigail Spanberger der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. In den 2000er-Jahren arbeitete sie für die Central Intelligence Agency (CIA) und absolvierte mehrere Auslandseinsätze – einige davon unter verdeckter Identität.
Nationale Bekanntheit erlangte Abigail Spanberger im Jahr 2018, als sie in Virginia einen bis dahin republikanisch gehaltenen Wahlkreis gewann. Sie wurde dort anschliessend als Abgeordnete wiedergewählt, bevor sie schliesslich ins Gouverneursamt einzog.
In ihrem neuen Amt festigte Abigail Spanberger ihr Profil als Politikerin, die auch über die demokratische Kernwählerschaft hinaus Anklang findet – insbesondere bei Wirtschaftsfragen und Themen der nationalen Sicherheit.
Ihre Wahl könnte auch ein Hinweis auf die strategische Ausrichtung der Demokraten sein: Statt auf eine frontale, ideologisch aufgeladene Konfrontation zu setzen, wollen sie offenbar auf eine konsensfähige Persönlichkeit mit kontrollierter Kommunikation bauen. Das wäre ein Kontrast zu Figuren wie dem linken Aushängeschild Zohran Mamdani, dem neuen sozialistischen Bürgermeister von New York, oder dem Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom – einem der bevorzugten politischen Gegner von Donald Trump.
