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Donald Trumps Rede: Was wahr ist und was gelogen

epa12775338 US President Donald Trump gestures as he delivers the State of the Union address in the House Chamber at the US Capitol in Washington, DC, USA, 24 February 2026. EPA/JESSICA KOSCIELNIAK /  ...
Donald Trump während seiner Rede im US-Kapitol in Washington, DC.Bild: keystone
Analyse

Hier hat Donald Trump in seiner Rede gelogen

Die Rede des US-Präsidenten an die Nation war rekordlang. Nicht alles, was Trump dabei erwähnte, entspricht der Wahrheit. Ein Faktencheck.
25.02.2026, 11:2925.02.2026, 11:29

Fast zwei Stunden dauerte Trumps «State of the Union», die Rede an die Nation, am Dienstag. Das ist Rekord. Doch wer den US-Präsidenten kennt, weiss, dass er es mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt. Eine kleine Auswahl aus seiner neuesten Rede.

Wirtschaft

Trumps Angaben zufolge hat er seit seinem erneuten Amtsantritt 18 Billionen US-Dollar an Investitionen aus der ganzen Welt gesichert. Diese Angaben lassen sich rasch überprüfen. Denn das Weisse Haus listet die Investitionen auf seiner eigenen Website auf. Und da steht eine ganz andere Zahl: 9,7 Billionen US-Dollar, also gut die Hälfte von der Summe, die Trump genannt hat.

Trump Investitionen Weisses Haus
Laut des Weissen Hauses wurden bisher 9,7 Billionen Dollar investiert.Bild: whitehouse.gov

Ob die Zahl des Weissen Hauses nicht auch zu hoch berechnet ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Eine Analyse von CNN zeigte im Oktober, dass auch vage Zusagen für Investitionen eingerechnet sind. Auch Projekte, die vor diesem Zeitraum in die Wege geleitet wurden, sind inbegriffen, berichtet die New York Times.

Gleichzeitig betonte Trump, wie er die US-Wirtschaft nach Jahren der Stagnation unter seinem Vorgänger Joe Biden wieder richtig in Schwung gebracht habe. Gemäss CNN betrug das Wirtschaftswachstum jedoch 2025 2,2 Prozent und damit weniger als in jedem Jahr von Bidens Präsidentschaft. Die Arbeitslosenquote stieg im vergangenen Jahr von 4 auf 4,3 Prozent.

US-Zölle

Bekanntlich verweist Trump gerne darauf, dass andere Staaten für die Zölle aufkommen müssen. Dem ist aber nicht so. Am Schluss müssen grösstenteils die Amerikanerinnen und Amerikaner dafür aufkommen, da sie über die Importfirmen weitergegeben werden, bis sie bei den Konsumenten angekommen sind. Auch die Federal Reserve Bank of New York kam kürzlich zu diesem Schluss.

Migration

11'088 Mörder seien während Joe Bidens Amtszeit als Migranten in die USA eingereist, behauptet Trump. Das wäre tatsächlich eine beträchtliche Zahl. Nur stimmt sie so nicht. Tatsächlich existiert in den Daten des Heimatschutz-Departements diese Zahl, allerdings in einem anderen Kontext: Wie CNN berichtet, handelt es sich um die Summe in die USA eingereister Nicht-Staatsbürger im Laufe mehrerer Jahrzehnte. Und in diese Zeit fällt bekanntlich auch Trumps erste Amtszeit. Viele von ihnen würden zudem im Gefängnis ihre Strafe für Taten nach ihrer Ankunft absitzen und nicht frei herumlaufen, wie dies Trump jeweils erklärt.

Video: watson/lucas zollinger

Auch Trumps Behauptung, in seinem ersten Jahr seien so viele kriminelle Ausländerinnen und Ausländer ausgeschafft worden wie kaum jemals zuvor, stimmt nicht ganz. Es gab viele Ausschaffungen, doch nicht alle haben eine kriminelle Vergangenheit. Gemäss der New York Times waren im November von 68'000 Menschen in Ausschaffungshaft lediglich 26 Prozent vorbestraft.

Drogenschmuggel

Trumps Angaben zufolge wurde der Drogenschmuggel übers Wasser – zum Beispiel über das Meer – komplett gestoppt. Das US-Militär hat in der Vergangenheit mehrfach Boote angegriffen, die angeblich Drogen schmuggelten. Zahlreiche Menschen kamen dabei ums Leben. Dass es sich dabei tatsächlich um Drogenschmuggler handelte, ist nicht offiziell bewiesen.

US-Angriff auf Schmugglerboot vor Venezuela

Video: watson/X

Zudem ist auch nicht gesichert, dass keine Drogen mehr über das Wasser in die USA gelangen. Und auch wenn die Militäraktionen Schmugglern einen empfindlichen Schlag versetzt haben mögen, abgehalten werden sie dadurch wohl kaum. So schreiben auch die Gründer des Think Tank «InSight Crime», dass einige Routen vielleicht behindert wurden, der Drogenhandel aber nicht gestoppt wurde, berichtet die «Times». Die Schmuggler würden einfach auf andere Routen und Vorgehensweisen ausweichen.

Friedensstifter

Bei jeder Gelegenheit betont Trump gerne, wie viele Kriege er doch schon beendet hat. Aktueller Stand: acht Kriege in den ersten zehn Monaten. Klar haben die USA bei Krisengesprächen schlichtend beigetragen, doch viele von Trumps angeblichen Kriegen waren gar keine Kriege oder sind nicht wirklich beendet.

Video: watson/lucas zollinger

Benzinpreise

Nach der Entführung des venezolanischen Machthabers Nicolas Maduro gab Trump offen zu, dass es ihm ums Erdöl ging. Das soll nun in die USA geliefert werden. In seiner Rede prahlte Trump denn auch damit, dass die Benzinpreise sehr tief seien. Er sprach von unter 2.30 US-Dollar pro Gallone (3,785 Liter) in den meisten US-Staaten, mancherorts liege der Preis gar bei 1.99 Dollar.

Auch das lässt sich einfach überprüfen. Gemäss der öffentlichen Benzinpreis-Website AAA Gas Prices liegt der Durchschnitt in den USA derzeit bei 2.951 Dollar pro Gallone. Tendenz steigend. Am Dienstag, 24. Februar 2026, lag der Durchschnittspreis in keinem US-Staat unter 2.30 Dollar. Während Trumps Rede hätten lediglich vier von 150'000 überprüften Tankstellen einen Benzinpreis von unter 2 Dollar gehabt, berichtet CNN.

Wahlbetrug

Donald Trump scheint felsenfest davon überzeugt, dass bei den Wahlen 2020 nicht alles mit rechten Dingen zuging. Immer wieder spricht er von Wahlbetrug. In seiner Rede erklärte er sogar, dass dieser weit verbreitet sei und er eigentlich gerade in seiner dritten Amtszeit sein müsste. Für einen Betrug gibt es aber bis heute keine Beweise.

Natürlich kann Betrug bei Wahlen nie ausgeschlossen werden, doch der Anteil ist klein. Der Wahlausschuss von Georgia kam kürzlich zum Schluss, dass es bei Trumps Wiederwahl Verstösse gab – und zwar von Tesla-Chef Elon Musk.

Das sichere Washington, DC

Dank des Einsatzes der Nationalgarde im Sommer sei die Hauptstadt Washington nun einer der sichersten Orte des Landes und es gebe kaum mehr Kriminalität, sagte Trump. Wie er denn allein die 1300 Verbrechen im letzten Monat erklären will, ist unklar. Hier genügt schon ein Blick auf die Pressemitteilungen der Polizei, um zu erkennen, dass die Kriminalität nach wie vor präsent ist.

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Donald Trump in der Schweiz
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Donald Trump in der Schweiz

Am Mittwochmittag ist der US-Präsident Donald Trump in Zürich gelandet.

quelle: keystone / evan vucci
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Donald Trump spricht bei der «State of the Union»-Rede über Kriege
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126 Kommentare
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Black Cat in a Sink
25.02.2026 11:49registriert April 2015
Seit mittlerweile 10 Jahren muss sich die Welt mit einen pathologischen Lügner und Kleptomanen herumschlagen. Er erzählt immer noch die gleichen, abgedroschenen Geschichten und die wenigsten haben den Mut, ihn damit zu konfrontieren. Nein, es werden ihm Preise und Geschenke überreicht. Welch bitteres Schauspiel.
2015
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Urs Kipfert
25.02.2026 11:50registriert Februar 2019
DT lügt und lügt und lügt.
Seine MAGA Anhänger, also diejenigen die z.B. jeden Tag die teureren Benzinpreise bezahlen müssen, finden es toll.
Das werde ich nie verstehen.

Was genau soll daran Amerika "great again" machen?
Es macht DT und ein paar seiner Kumpels reich.
Was die MAGA Anhänger davon haben ist mir nach wie vor schleierhaft.
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HKD
25.02.2026 11:54registriert November 2022
Selbst Pinocchio meint, Trumps Nase müsste mittlerweilen mehrere Meter lang sein.
Ich teile seine Meinung voll und ganz.
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