Hier hat Donald Trump in seiner Rede gelogen
Fast zwei Stunden dauerte Trumps «State of the Union», die Rede an die Nation, am Dienstag. Das ist Rekord. Doch wer den US-Präsidenten kennt, weiss, dass er es mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt. Eine kleine Auswahl aus seiner neuesten Rede.
Wirtschaft
Trumps Angaben zufolge hat er seit seinem erneuten Amtsantritt 18 Billionen US-Dollar an Investitionen aus der ganzen Welt gesichert. Diese Angaben lassen sich rasch überprüfen. Denn das Weisse Haus listet die Investitionen auf seiner eigenen Website auf. Und da steht eine ganz andere Zahl: 9,7 Billionen US-Dollar, also gut die Hälfte von der Summe, die Trump genannt hat.
Ob die Zahl des Weissen Hauses nicht auch zu hoch berechnet ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Eine Analyse von CNN zeigte im Oktober, dass auch vage Zusagen für Investitionen eingerechnet sind. Auch Projekte, die vor diesem Zeitraum in die Wege geleitet wurden, sind inbegriffen, berichtet die New York Times.
Gleichzeitig betonte Trump, wie er die US-Wirtschaft nach Jahren der Stagnation unter seinem Vorgänger Joe Biden wieder richtig in Schwung gebracht habe. Gemäss CNN betrug das Wirtschaftswachstum jedoch 2025 2,2 Prozent und damit weniger als in jedem Jahr von Bidens Präsidentschaft. Die Arbeitslosenquote stieg im vergangenen Jahr von 4 auf 4,3 Prozent.
US-Zölle
Bekanntlich verweist Trump gerne darauf, dass andere Staaten für die Zölle aufkommen müssen. Dem ist aber nicht so. Am Schluss müssen grösstenteils die Amerikanerinnen und Amerikaner dafür aufkommen, da sie über die Importfirmen weitergegeben werden, bis sie bei den Konsumenten angekommen sind. Auch die Federal Reserve Bank of New York kam kürzlich zu diesem Schluss.
Migration
11'088 Mörder seien während Joe Bidens Amtszeit als Migranten in die USA eingereist, behauptet Trump. Das wäre tatsächlich eine beträchtliche Zahl. Nur stimmt sie so nicht. Tatsächlich existiert in den Daten des Heimatschutz-Departements diese Zahl, allerdings in einem anderen Kontext: Wie CNN berichtet, handelt es sich um die Summe in die USA eingereister Nicht-Staatsbürger im Laufe mehrerer Jahrzehnte. Und in diese Zeit fällt bekanntlich auch Trumps erste Amtszeit. Viele von ihnen würden zudem im Gefängnis ihre Strafe für Taten nach ihrer Ankunft absitzen und nicht frei herumlaufen, wie dies Trump jeweils erklärt.
Auch Trumps Behauptung, in seinem ersten Jahr seien so viele kriminelle Ausländerinnen und Ausländer ausgeschafft worden wie kaum jemals zuvor, stimmt nicht ganz. Es gab viele Ausschaffungen, doch nicht alle haben eine kriminelle Vergangenheit. Gemäss der New York Times waren im November von 68'000 Menschen in Ausschaffungshaft lediglich 26 Prozent vorbestraft.
Drogenschmuggel
Trumps Angaben zufolge wurde der Drogenschmuggel übers Wasser – zum Beispiel über das Meer – komplett gestoppt. Das US-Militär hat in der Vergangenheit mehrfach Boote angegriffen, die angeblich Drogen schmuggelten. Zahlreiche Menschen kamen dabei ums Leben. Dass es sich dabei tatsächlich um Drogenschmuggler handelte, ist nicht offiziell bewiesen.
US-Angriff auf Schmugglerboot vor Venezuela
Zudem ist auch nicht gesichert, dass keine Drogen mehr über das Wasser in die USA gelangen. Und auch wenn die Militäraktionen Schmugglern einen empfindlichen Schlag versetzt haben mögen, abgehalten werden sie dadurch wohl kaum. So schreiben auch die Gründer des Think Tank «InSight Crime», dass einige Routen vielleicht behindert wurden, der Drogenhandel aber nicht gestoppt wurde, berichtet die «Times». Die Schmuggler würden einfach auf andere Routen und Vorgehensweisen ausweichen.
Friedensstifter
Bei jeder Gelegenheit betont Trump gerne, wie viele Kriege er doch schon beendet hat. Aktueller Stand: acht Kriege in den ersten zehn Monaten. Klar haben die USA bei Krisengesprächen schlichtend beigetragen, doch viele von Trumps angeblichen Kriegen waren gar keine Kriege oder sind nicht wirklich beendet.
Benzinpreise
Nach der Entführung des venezolanischen Machthabers Nicolas Maduro gab Trump offen zu, dass es ihm ums Erdöl ging. Das soll nun in die USA geliefert werden. In seiner Rede prahlte Trump denn auch damit, dass die Benzinpreise sehr tief seien. Er sprach von unter 2.30 US-Dollar pro Gallone (3,785 Liter) in den meisten US-Staaten, mancherorts liege der Preis gar bei 1.99 Dollar.
Auch das lässt sich einfach überprüfen. Gemäss der öffentlichen Benzinpreis-Website AAA Gas Prices liegt der Durchschnitt in den USA derzeit bei 2.951 Dollar pro Gallone. Tendenz steigend. Am Dienstag, 24. Februar 2026, lag der Durchschnittspreis in keinem US-Staat unter 2.30 Dollar. Während Trumps Rede hätten lediglich vier von 150'000 überprüften Tankstellen einen Benzinpreis von unter 2 Dollar gehabt, berichtet CNN.
Wahlbetrug
Donald Trump scheint felsenfest davon überzeugt, dass bei den Wahlen 2020 nicht alles mit rechten Dingen zuging. Immer wieder spricht er von Wahlbetrug. In seiner Rede erklärte er sogar, dass dieser weit verbreitet sei und er eigentlich gerade in seiner dritten Amtszeit sein müsste. Für einen Betrug gibt es aber bis heute keine Beweise.
Natürlich kann Betrug bei Wahlen nie ausgeschlossen werden, doch der Anteil ist klein. Der Wahlausschuss von Georgia kam kürzlich zum Schluss, dass es bei Trumps Wiederwahl Verstösse gab – und zwar von Tesla-Chef Elon Musk.
Das sichere Washington, DC
Dank des Einsatzes der Nationalgarde im Sommer sei die Hauptstadt Washington nun einer der sichersten Orte des Landes und es gebe kaum mehr Kriminalität, sagte Trump. Wie er denn allein die 1300 Verbrechen im letzten Monat erklären will, ist unklar. Hier genügt schon ein Blick auf die Pressemitteilungen der Polizei, um zu erkennen, dass die Kriminalität nach wie vor präsent ist.
