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Unschuldiger schmort zwölf Jahre in der Todeszelle – weil der US-Staatsanwalt Beweise unterschlug

Nach zwölf Jahren in einer texanischen Todeszelle ist ein 33-jähriger Schwarzer als Unschuldiger aus der Haft entlassen worden. Er war verurteilt worden, nachdem die Staatsanwaltschaft der Verteidigung einen Entlastungsbeweis verschwiegen hatte.



«Ich bin als Unschuldiger hierher gekommen und ich gehe als Unschuldiger wieder heraus», erklärte Alfred Dewayne Brown am Dienstag nach seiner Entlassung am Vortag. Er sei «sicher, dass es viele andere wie mich gibt». Sein Leben im Todestrakt verglich Brown mit einem «Hundezwinger». Er habe nicht einmal seine Tochter sehen können, die bei seiner Inhaftierung erst zwei Jahre alt war.

In this photo taken on Tuesday, May 5, 2015, a visitor uses the video visitation system at the Fort Bend County Jail to speak with an inmate, in Richmond, Texas. Prisoners’ rights advocates are worried that the growing use in the U.S. of video technology to facilitate visits between inmates and their family and friends at county jails and prisons is part of a trend to eliminate the more traditional in-person visit. But officials who run these facilities say video visitation has been a boon to their efforts to improve security and increase visiting hours. (AP Photo/David J. Phillip)

Zwölf Jahre durfte Alfred Dewayne Brown im Todestrakt seine Tochter nicht sehen. Bild: David J. Phillip/AP/KEYSTONE

Nach Angaben des Zentrums für die Information über die Todesstrafe (DPIC) haben sich damit in den vergangenen vier Jahrzehnten in den USA bereits 154 zum Tode Verurteilte als unschuldig erwiesen. Brown war 2005 wegen des Mordes an einem Polizisten und an einem weiteren Menschen bei einem Bankraub 2003 schuldig gesprochen worden. Er hatte immer seine Unschuld beteuert.

Zur Tatzeit befand sich Brown allein in der Wohnung seiner Freundin. Ein Telefonat, das er geführt hatte, kurz nachdem er von dem Bankraub erfahren hatte, belegte aber, dass er die Tat nicht begangen haben konnte. Diese Information gab die Staatsanwaltschaft aber nicht an Browns Verteidiger weiter. 

Freundin sagte unter Druck aus

Die Freundin hatte offenbar unter Druck eines Beamten der Polizei von Houston – einem Kollegen des getöteten Beamten – gegen Brown ausgesagt, diese Aussage aber später widerrufen.

Der Fall Brown sei «ein weiteres beunruhigendes Beispiel der typischen Verhaltensweisen der Polizei und der Anklage, die zu oft bei Todesstrafen vorkommen», erklärte DPIC-Direktor Robert Dunham. (kad/sda/afp)

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    Alle Leser-Kommentare
  • JonathanFrakes 10.06.2015 07:14
    Highlight Highlight Wieso schmort ein Mann 12(!) Jahre im Todestrakt, wenn er doch schon verurteilt ist?
    • Tscheggsch? 10.06.2015 09:39
      Highlight Highlight Ausserdem kann der Angeklagte bis zur Vollstreckung noch einige male Berufung, Neubeurteilung und Aufschübe erlangen. So zieht sich die Sache dann über Jahre weiter. Kenne mich etwas zu wenig aus und habe keine Quellen zur Hand was, wieso und warum genau, aber im Zusammenhang schon oft gelesen. Ausserdem dienen solche Fälle den betrauten Anwälten scheinbar zu Prestigezwecken.
  • AirChicken 10.06.2015 05:36
    Highlight Highlight Mit 9 ein Mädchen geschwängert und mit 11 eine gehabt, die gegen ihn aussagt. Er mag Unschuldig sein aber irgendetwas macht er trotzdem falsch.

    Aber schön, dass er draussen ist.
    • Attilaquetzal 10.06.2015 06:56
      Highlight Highlight Naja, um deine Rechenkünste scheint es eher bescheiden zu stehen! Zudem geht aus dem Text nicht hervor, ob die Freundin nicht auch die Mutter der Tochter ist.

      Aber schön, hast du es kommentiert!
    • Viktoria 10.06.2015 07:10
      Highlight Highlight Also, holen wir doch mal den Taschenrechner raus: Der Mann ist 33. Vor 12 Jahren kam er ins Gefängnis. Da war er also 21 Jahre alt. Und zu diesen Zeitpunkt war seine Tochter 2 Jahre alt. Vater wurde er also mit 19. War gar nicht so schwer, oder? ;)
    • Willide 10.06.2015 08:26
      Highlight Highlight AirChicken! Da sag ich mal, Nomen est Omen !
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