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Das Feuerinferno nach dem Anschlag auf eine der beiden Erdölanlagen in Saudi-Arabien.
Das Feuerinferno nach dem Anschlag auf eine der beiden Erdölanlagen in Saudi-Arabien.Bild: AP Al-Arabiya

Die neusten Entwicklungen um die Attacken in Saudi-Arabien werfen 3 Fragen auf

17.09.2019, 04:1317.09.2019, 05:31
Milan Marquard
Milan Marquard
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Am vergangenen Samstag wurde die grösste Erdölraffinerie Saudi-Arabiens mit Drohnen angegriffen. Zwischen drei und vier Uhr morgens kam es zu mehreren Explosionen in Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Churais und Abkaik.

Die Attacken schlagen politische und wirtschaftliche Wellen: Die Beziehung zwischen den USA und dem Iran wird erneut auf die Probe gestellt und in Folge der kurzfristigen Verknappung des Erdölangebots stieg der Ölpreis.

Die neuesten Entwicklungen rund um die Attacken werfen derzeit vor allem 3 Fragen auf: Wer steckt tatsächlich hinter den Anschlägen? Von wo wurden die Anschläge ausgeführt? Wie wird die Reaktion auf die Anschläge ausfallen? Die Beantwortung der Fragen ist insofern sehr zentral, weil sie für die Zukunft einer ganzen Region entscheidend sein können.

Wer steckt tatsächlich dahinter?

Nur wenige Stunden nach den Angriffen, übernahmen die Houthi-Rebellen im Jemen die Verantwortung. US-Aussenminister Mike Pompeo war sich bereits am Samstag jedoch sehr sicher, dass der Iran hinter diesen Attacken stecken muss. Via Twitter liess er verlauten, dass «der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Energieversorgung der Welt gestartet» hat.

Auf das Bekennen der Houthi-Rebellen reagierte Pompeo folgendermassen:

«Es gibt keine Beweise dafür, dass die Angriffe aus dem Jemen kamen.»

Aggressivere Töne schlug Präsident Donald Trump ein. Er verkündete auf Twitter, dass die USA «locked and loaded» seien. Damit meinte Trump, dass die USA bereit zum militärischen Angriff seien. Er sprach jedoch noch nicht davon, wer angegriffen werden soll. Saudi-Arabien solle zuerst die Täterschaft eindeutig identifizieren.

Am Montag äusserte sich der US-Präsident dann etwas Deutlicher: «Sie sagen, dass sie nichts mit dem Angriff auf Saudi-Arabien zu tun haben. Wir werden sehen?»

Auch Saudi-Arabien liess verlauten, dass der Iran hinter den Attacken steckt: «Alle praktischen Beweise und Indikatoren und die bei beiden Angriffen verwendeten Waffen zeigen vorläufig, dass es sich um iranische Waffen handelt».

Die Frage lässt sich bisher nicht eindeutig beantworten. Sicher ist jedoch, dass sich der Verdacht gegenüber dem Iran immer mehr erhärtet.

Von wo wurden die Anschläge ausgeübt?

Bereits am Sonntag veröffentlichen US-Beamte Satellitenbilder, die beweisen sollen, dass der Angriff aus dem Norden kamen. Der Jemen liegt jedoch südlich von Saudi-Arabien. Zudem wurden in Abqaiq 17 Einschlaglöcher gezählt – die Houthi-Rebellen sprachen jedoch von zehn gesandten Drohnen.

Die Satellitenbilder der US-Beamten.
Die Satellitenbilder der US-Beamten.Bild: EPA

Die Beamten äusserten die Vermutung, dass sowohl Drohnen als auch Raketen aus dem Iran oder dem Süd-Irak gestartet seien. Im Süd-Irak sind iranische al-Quds-Truppen stationiert. Auch die Saudis dementierten, dass die Angriffe aus dem Jemen gestartet seien. Sie gaben jedoch nicht an, wovon die Attacke sonst geführt worden ist.

Auch diese Frage lässt sich derzeit noch nicht mit Sicherheit beantworten. Die vorgelegten Satellitenbilder weisen jedoch nicht auf den Jemen hin – was wiederum gegen einen Angriff durch Houthi-Rebellen spricht.

Wie wird die Reaktion der USA auf die Anschläge ausfallen?

Derzeit hängt die weitere Entwicklung in der Angelegenheit davon ab, ob die US-Geheimdienste zusammen mit Saudi-Arabien wasserfeste Beweise finden werden.

Falls sich herausstellen sollte, dass tatsächlich der Iran hinter den Angriffen steckt, wird es mit grosser Wahrscheinlichkeit zu Vergeltungsschlägen kommen. Es könnte quasi der berühmte Tropfen gewesen sein, der das Fass zum überlaufen bringt – die Beziehung zwischen den USA und dem Iran ist sowieso schon sehr angespannt.

Es ist sehr schwierig einzuschätzen, wie Donald Trump reagieren wird. Auf der einen Seite hat er bereits des öfteren grosse Drohungen ausgesprochen, die sich als später als leer herausstellten. Auf der anderen Seite muss irgendwann mal auf eine Drohung eine Tat folgen, da sonst die Glaubwürdigkeit verloren geht.

Hinzu kommt, dass Trump keinen Krieg möchte, da ein Krieg seiner «Amerika First» Philosophie widerspricht und im Hinblick auf die 2020 Wahlen nicht gut für ihn wäre.

Der Iran hat noch einen weiteren Vorteil: Das Land hat im Jemen, im Libanon und im Irak Verbündete. Vergeltungsmassnahmen könnten dazu führen, dass nicht nur die Situation im Iran selbst, sondern weit über die Grenzen hinaus eskaliert.

Die Chancen für eine militärische Antwort durch die USA sind demnach eher gering, zumal seit kurzem auch der Hardliner und Trump-Berater in der Iran-Frage, John Bolton, nicht mehr im Weissen Haus sitzt.

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Angriff auf Erdölraffinerie in Saudi-Arabien

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Angriff auf Erdölraffinerie in Saudi-Arabien
quelle: ap nasa worldview
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Drohnenangriff auf die grösste Ölraffinerie Saudi-Arabiens

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