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Ein Krieg am Golf würde sich an den Zapfsäulen in den USA bemerkbar machen.
Ein Krieg am Golf würde sich an den Zapfsäulen in den USA bemerkbar machen.Bild: AP
Analyse

Für Trump ist billiges Benzin wichtiger als ein Krieg gegen Iran

Nach dem Drohnenangriff auf Ölanlagen in Saudi-Arabien nimmt die Gefahr eines Kriegs in der Golfregion weiter zu. US-Präsident Donald Trump kann ein solches Szenario nicht gebrauchen.
16.09.2019, 15:4617.09.2019, 08:49

Einmal mehr brennt es am Persischen Golf, im wahrsten Sinne des Wortes. Bei mutmasslichen Drohnenangriffen auf saudische Ölanlagen am Samstag wurde unter anderem die grösste Raffinerie des Landes in Abakik getroffen. Die Feuer sollen unter Kontrolle sein, doch die Einschränkung der Produktion sorgte prompt für einen Anstieg des Ölpreises.

Die Verantwortung für den Angriff übernahmen die Huthi-Rebellen in Jemen, die seit 2015 von einer Allianz unter Führung von Saudi-Arabien mit Luftangriffen bekämpft werden. Sie sollen über Drohnen mit grosser Reichweite verfügen, doch so richtig kauft man ihnen die Urheberschaft nicht ab. Die von den Huthis kontrollierten Gebiete liegen rund 1300 Kilometer von Abakik entfernt.

Angriff auf Erdölraffinerie in Saudi-Arabien

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Angriff auf Erdölraffinerie in Saudi-Arabien
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US-Aussenminister Mike Pompeo verdächtigte Iran. Eine Analyse der Einschlagstellen auf Satellitenbildern deutet laut US-Regierungsstellen auf Angriffe aus nördlicher oder nordwestlicher Richtung hin. Eine mit dem Vorfall vertraute Quelle meinte gegenüber CNN, die Drohnen oder Raketen seien «vermutlich aus dem Irak» gekommen.

Vergeltung für Sanktionen?

Der Süden Iraks ist eine Hochburg proiranischer Milizen. Auch die Al-Quds-Brigaden, die für Auslandseinsätze zuständige Truppe der iranischen Revolutionsgarden, sind dort präsent. Die iranische Regierung wies die US-Anschuldigungen vehement zurück, doch selbst Kritiker der Trump-Regierung halten es für möglich bis wahrscheinlich, dass Iran hinter den Angriffen steckt.

Die Machtverhältnisse in Teheran sind für Aussenstehende schwer durchschaubar. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass die Hardliner den vorsichtigen Öffnungskurs des gemässigten Präsidenten Hassan Ruhani ablehnen. Das inzwischen von Donald Trump aufgekündigte Atomabkommen war ihnen ein Dorn im Auge. Sie vertreten eine aggressive und konfrontative Aussenpolitik.

Die Angriffe auf die saudische Ölproduktion könnten eine Art Vergeltungsschlag dafür sein, dass die Iraner aufgrund der verschärften Sanktionen kaum noch eigenes Erdöl verkaufen können und ihrer wichtigsten Einnahmequelle beraubt sind. Damit aber wächst die Gefahr eines ausgewachsenen Krieges in einer Region, die ohnehin ein Pulverfass ist.

Machtkampf im Jemen

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Machtkampf im Jemen
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Saudi-Arabien rivalisiert mit Iran um die Vorherrschaft am Golf und fühlt sich vom schiitischen Erzfeind zunehmend umzingelt. Eine Folge davon sind «Stellvertreterkriege» in Jemen und Syrien, die sich für das Königreich als Fiasko entpuppten. In Syrien hat Machthaber Baschar Assad mit iranischer und russischer Hilfe die unter anderem von Riad unterstützten Rebellen faktisch besiegt.

Es droht ein Flächenbrand

Die Luftangriffe in Jemen gegen die mutmasslich von Iran unterstützten Huthis haben im ohnehin ärmsten Land auf der arabischen Halbinsel zu einer humanitären Katastrophe geführt. Ein Erfolg ist für die Saudis weit und breit nicht in Sicht. Die Vereinigten Arabischen Emirate als wichtigster Partner in der Allianz suchen offenkundig einen Ausweg aus dem jemenitischen Schlamassel.

Die Verantwortung trägt Muhammad bin Salman, der unberechenbare Kronprinz und Verteidigungsminister. Ihm ist eine Kriegserklärung an Iran zuzutrauen. Doch es gibt gewichtige Gründe, die dagegen sprechen. Ein solcher Krieg könnte sehr schnell zu einem Flächenbrand in einer Region führen, in der es an allen Ecken und Enden brennt und schwelt.

Trumps leere Drohungen

Das wichtigste Argument gegen einen Krieg aber ist der US-Präsident. Donald Trump hat nach den Angriffen vom Samstag einmal mehr mit dem Twitter-Säbel gerasselt. Das tat er schon nach Attacken auf ausländische Öltanker, als deren Urheber Angehörige der Revolutionsgarden vermutet werden. Ebenso nach dem Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne im Juni.

Kriegstreiber John Bolton wurde von Trump gefeuert.
Kriegstreiber John Bolton wurde von Trump gefeuert.Bild: AP

Damals sagte Trump einen von ihm selbst befohlenen Vergeltungsschlag gegen iranische Ziele in letzter Sekunde ab. Später deutete er an, auf militärische Mittel verzichten zu wollen, solange keine Amerikaner getötet würden. Damit setzte er sich über seinen Sicherheitsberater John Bolton hinweg, der wiederholt gefordert hatte, Iran zu bombardieren.

Kriegstreiber gefeuert

Letzte Woche feuerte Trump den notorischen Kriegstreiber. Seine wirre Aussenpolitik könnte damit noch unberechenbarer werden, denn Bolton hatte immerhin eine klare Linie. Den Vergeltungsangriff auf Iran stoppte Trump nach einem Telefongespräch mit dem Fox-News-Moderator Tucker Carlson, der ihn vor Konsequenzen für seine Wiederwahl warnte.

Donald Trump will die militärischen Abenteuer der USA im Ausland stoppen und keine neuen beginnen. Das entspricht seinen eigenen Reflexen und den Wünschen seiner Fans. So strebt er einen Deal mit den Taliban an, um den Einsatz in Afghanistan nach 18 Jahren zu beenden oder herunterzufahren. Dies führte zum endgültigen Zerwürfnis mit John Bolton.

Billigbenzin als Menschenrecht

Vielleicht noch wichtiger ist ein anderes Argument. Ein ausgewachsener Krieg am Golf dürfte den Ölpreis durch die Decke jagen, mit gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft und damit auch die USA. Sie können sich dank Fracking zum grössten Teil selbst mit Erdöl versorgen, doch von einer derartigen Entwicklung auf globaler Ebene würden sie nicht verschont bleiben.

Es ist so ziemlich das Letzte, was Donald Trump mit Blick auf seine Wiederwahl gebrauchen kann. Er ist auf eine florierende US-Wirtschaft angewiesen. Diese zeigt jedoch Anzeichen einer Abschwächung. Ausserdem gilt billiges Benzin in den vom Auto abhängigen USA als eine Art Menschenrecht, auch und besonders bei den Trump-Anhängern in den ländlichen Regionen.

Donald Trump hat somit kein Interesse an einer Eskalation zwischen Iran und Saudi-Arabien. Aber der US-Präsident bleibt unberechenbar und die Golfregion hochgradig labil. Eine Analyse der BBC bringt es auf den Punkt: «Die Gefahr bleibt, dass eine Fehleinschätzung zu einem ausgewachsenen Konflikt führen könnte, den eigentlich niemand will.»

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Proteste in Teheran – Iraner greifen saudische Botschaft an

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Proteste in Teheran – Iraner greifen saudische Botschaft an
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Drohnenangriff auf die grösste Ölraffinerie Saudi-Arabiens

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