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Trump will Geld für Sitz in Gaza-Komitee

President Donald Trump speaks at a dedication ceremony for a portion of Southern Boulevard, which the Town of Palm Beach Council recently voted to rename,"President Donald J. Trump Boulevard,&quo ...
Donald Trumps Pläne für Gaza sind umstritten.Bild: keystone

Trump will Geld für Sitz in Gaza-Komitee – Israel verärgert wegen Plänen

Ein Komitee für Trumps Gaza-Friedensrat soll über Investitionen beraten. Wer mehr als drei Jahre dabei sein will, muss laut einem Entwurf viel Geld bezahlen.
18.01.2026, 05:4518.01.2026, 06:27
Thomas Wanhoff / t-online
Ein Artikel von
t-online

Die US-Regierung will offenbar die langfristige Teilnahme an einem Gremium für einen Gaza-Friedensrat von Geldzahlungen abhängig machen. Wer beim Exekutivkomitee am Tisch sitzen will, soll mindestens eine Milliarde Dollar beisteuern. Das berichten die amerikanische Wirtschaftsagentur Bloomberg und das Magazin «The Atlantic». Sie berufen sich auf einen Entwurf einer Satzung des Komitees, das nach Willen von US-Präsident Donald Trump über die Entwicklung des Gazastreifens entscheiden soll.

«Jeder Mitgliedstaat hat eine Amtszeit von höchstens drei Jahren ab Inkrafttreten dieser Charta, vorbehaltlich einer Verlängerung durch den Vorsitzenden. Die dreijährige Amtszeit gilt nicht für Mitgliedstaaten, die innerhalb des ersten Jahres nach Inkrafttreten der Charta mehr als 1'000'000'000 USD in bar an den Friedensrat zahlen», heisst es im Entwurf. Trump hat sich selbst zum Vorsitzenden bestellt. Er habe auch die Möglichkeit, Mitglieder wieder zu entlassen und ein Veto, auch wenn es eine Zwei-Drittel-Mehrheit gibt. Er könne auch selbst seinen Nachfolger bestimmen.

Konkurrenz zu UN-Gremien?

Nach Trumps Plänen soll es einen übergeordneten Friedensrat geben, in dem die USA, Israel und Vertreter der Palästinenser sowie andere Staaten vertreten sein sollen. Darüber hinaus gibt es mindestens zwei Komitees, die sich um Investitionen und den Wiederaufbau kümmern sollen. Offenbar will Trump damit UN-Missionen verhindern.

Im ersten Absatz der Präambel für das Exekutivkomitee heisst es laut «The Atlantic» nämlich:

«Dauerhafter Frieden erfordert pragmatisches Urteilsvermögen, vernünftige Lösungen und den Mut, sich von Ansätzen und Institutionen zu lösen, die allzu oft gescheitert sind.»

Etwas weiter unten wird in der Präambel die Notwendigkeit einer «flexibleren und effektiveren internationalen Friedensorganisation» angesprochen.

Das Komitee wird in der Charta als «eine internationale Organisation, die sich für die Förderung von Stabilität, die Wiederherstellung einer verlässlichen und rechtmässigen Regierungsführung und die Sicherung eines dauerhaften Friedens in von Konflikten betroffenen oder bedrohten Gebieten einsetzt» beschrieben. Es würde offiziell werden, sobald drei Mitgliedstaaten des Rates der Charta zustimmen.

Widerstand aus Israel

Israel ist wegen der Besetzung des Aufsichtsgremiums für den Gazastreifen durch das Weisse Haus verärgert. «Die Ankündigung bezüglich der Zusammensetzung des sogenannten 'Gaza Executive Board', der dem 'Friedensrat' unterstellt ist, ist nicht mit Israel abgestimmt und widerspricht dessen Politik», heisst es in einer Stellungnahme des Büros von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. Dieser habe Aussenminister Gideon Saar angewiesen, sich in dieser Angelegenheit mit seinem US-Kollegen Marco Rubio in Verbindung zu setzen.

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Nicht glücklich mit Trumps jüngsten Gaza-Plänen: Benjamin Netanjahu.Bild: keystone

Milei und Blair eingeladen

Mehrere Staats- und Regierungschefs sind nach eigenen Angaben von US-Präsident Donald Trump eingeladen worden, am sogenannten Friedensrat für den Gazastreifen mitzuwirken. Einladungen erhielten demnach etwa der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi und Argentiniens Präsident Javier Milei. Letzter hat auf X geschrieben, dass es eine Ehre für ihn sei, daran teilzunehmen. Aus Ägypten hiess es, man berate derzeit.

Der «Friedensrat» ist Teil der zweiten Phase von Trumps Friedensplan für Gaza, die ein dauerhaftes Kriegsende und die Entwaffnung der Terrororganisation Hamas vorsieht, was diese ablehnt. Das internationale Gremium soll die neue Übergangsregierung des im Krieg zwischen der Hamas und Israel weitgehend zerstörten Küstenstreifens beaufsichtigen. Trump selbst hat den Vorsitz.

Zuletzt hatte Trump bereits die Besetzung des Exekutivkomitees verkündet, das die Ziele des Friedensrats umsetzen und Wiederaufbau und Verwaltung im Gazastreifen steuern soll. Dem Gremium gehören nach Angaben des Weissen Hauses unter anderem der frühere britische Premier Tony Blair, US-Aussenminister Marco Rubio, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der US-Sondergesandte Steve Witkoff an. Blair bezeichnete die Nominierung als Ehre. «Ich freue mich darauf, mit Ihnen und anderen Kollegen im Einklang mit der Vision des Präsidenten zusammenzuarbeiten, um Frieden und Wohlstand zu fördern», sagte der ehemalige Regierungschef.

Verwendete Quellen:

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79 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Squawk 7700
18.01.2026 06:45registriert Mai 2025
Trumps Vorstellung von Demokratie ist einfach unglaublich. Alle können mit zweidrittelsmehrgeit abstimmen, aber er hat das Veto und er kann auch Leute aus dem Rat werfen. Sorry, aber mit den USA brauchen wir nicht mehr zu geschäften und auch keine Verträge mehr zu unterzeichnen. Die sind das Papier nicht wert.
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Metro Man
18.01.2026 06:50registriert Februar 2022
Trump liefert eine moralische, politische und diplomatische Perversion nach der anderen, und er scheint seinen persönlichen Tiefpunkt noch nicht erreicht zu haben. Sein Verhalten ähnelt den Aktionen eines durchgedrehten narzisstischen Schulhofschlägers in der falschen Position und passt eigentlich eher in eine zynische TV Serie. Da es aber bittere, ja sogar existenzbedrohende Realität für sehr viele Menschen weltweit ist, kann man das wohl nur als abstossend, entsetzlich und brandgefährlich bezeichnen.
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Mira Bond
18.01.2026 06:51registriert Oktober 2016
Haha..Gerhard Schröder würde in diesem Gremium auch noch reinpassen.
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Stephen Miller kommt nach Davos – das ist nicht nur für die Schweiz kein gutes Zeichen
Kaum eine Personalie aus Trumps Kabinett hat beim politischen Gegner einen so schlechten Ruf wie Stephen Miller. Dass der Mann nun auch ans WEF kommen soll, dürfte einige Staatschefs nervös machen.
Er ist derzeit der wohl berüchtigtste Anti‑Held in Washington: Stephen Miller. Der 40-Jährige ist einer der wenigen Berater, die Trump durch beide Amtszeiten begleiten. Bei seinen Gegnern gilt Miller als Personifikation des finsteren Strippenziehers. Seit Jahren soll er den Präsidenten nahezu täglich treffen und dessen Ideologie entscheidend mitprägen.
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