Die absurdesten Castro-Attentate der CIA – jetzt gerät Bruder Raúl ins Visier
Die Lage in Kuba spitzt sich zu: Die Wirtschaft des Inselstaates fällt wegen massiven US-Sanktionen auf einen Tiefpunkt, politisch ist das Land isoliert wie kaum je zuvor. Nun erhoben die USA auch noch offiziell Anklage gegen den Ex-Präsidenten Raúl Castro. Unter Marco Rubio, dem US-Aussenminister mit kubanischen Eltern, ist der kommunistische Staat noch stärker im Fokus der Amerikaner als in den Jahren zuvor.
Entsprechend steigt in Havanna die Sorge vor einem Angriff der USA. Gefürchtet wird weniger eine militärische Intervention wie im Iran, sondern eher ein Geheimdiensteinsatz gegen die politische Führung – wie in Venezuela gegen Diktator Maduro. Speziell, weil in der Vergangenheit schon rund 638 Attentatsversuche gegen den langjährigen kubanischen Machthaber Fidel Castro – Raúls älteren Bruder – geplant wurden.
Die verrückten Pläne der CIA reichten in den vergangenen Jahrzehnten von Giftattacken bis zur Zusammenarbeit mit einer Ex-Geliebten. Könnten ähnliche Attacken bald auch Fidels Bruder Raúl oder Staatspräsident Miguel Díaz-Canel drohen? Eine Übersicht:
Vergiftete und bombastische Zigarren
Dass der kubanische Diktator gerne Cohiba-Zigarren liebt, war schon lange bekannt. Die medizinische Abteilung der CIA versuchte deshalb, ihn mit unterschiedlich präparierten Zigarren aus dem Verkehr zu ziehen. Einige mit Botulinumtoxin (Botox) angereicherte Zigarre wurden tatsächlich auch hergestellt und 1961 an einen Mittelsmann übergeben, der sie nach Kuba liefern sollte. Ob sie dort ankamen, ist aber unbekannt.
Zwar wurde auch die Idee geprüft, Fidel Castro explodierende Zigarren unterzujubeln. Dies wurde jedoch als weniger praktikabel eingeschätzt, sodass eher auf vergiftete Zigarren gesetzt wurde.
Manipulierte Taucheranzüge
Auch Castros Leidenschaft fürs Tauchen wollte die CIA ausnutzen. Anfang der 1960er-Jahre entwickelte die geheime Kuba-Einheit «Task Force W» einen perfiden Plan: Ein Taucheranzug für Fidel Castro sollte mit gefährlichen Pilzsporen präpariert werden, die eine schwere Hautkrankheit auslösen konnten. Zusätzlich wollten CIA-Techniker den Schnorchel mit Tuberkulose-Bakterien verseuchen.
Überreicht werden sollte der Anzug ausgerechnet vom amerikanischen Anwalt James Donovan, der damals mit Kuba über Gefangene verhandelte – ohne von dem Plan zu wissen. Doch der Anzug kam offenbar nie bei Castro an, weil Donavan Castro einen anderen Tauchanzug schenkte – ohne von der Gefahr des CIA-Anzugs zu wissen.
Explodierende Muscheln
Selbst unter Wasser war Fidel Castro nicht sicher. Laut dem Church-Report – einer späteren Untersuchung des US-Senats zu geheimen CIA-Operationen – prüfte die CIA Anfang der 1960er-Jahre einen besonders verrückten Plan: An einem von Castro häufig besuchten Tauchplatz sollte eine auffällig grosse Muschel mit Sprengstoff platziert werden.
Die Geheimdienstler hofften, Castro würde die ungewöhnliche Muschel aus Neugier aufheben – worauf die Bombe detonieren sollte. Der Plan wurde jedoch noch im Stadium von Laborversuchen verworfen, weil die Geheimdienstler ihn als unpraktisch einstuften.
Die Ex-Geliebte als Attentäterin
Auch das klassische Motiv jedes Spionage-Thrillers stand bei der CIA zur Debatte: das Rekrutieren einer alten Affäre als Doppelagentin. So erhielt Marita Lorenz, einst Geliebte von Fidel Castro, gemäss eigenen Aussagen Giftkapseln von den Geheimdiensten, die sie heimlich in Castros Essen mischen sollte.
Als sie Castro in Havanna gegenüberstand, soll der Kubaner jedoch sofort gemerkt haben, was los war. Ihr zufolge reichte er ihr sogar seine Pistole. Lorenz brachte es nicht übers Herz abzudrücken – und verliess Kuba wenig später wieder.
Gift gegen den starken Bartwuchs
Nicht jeder Geheimdienst-Plan zielte direkt auf den Tod von Fidel Castro ab. Anfang der 1960er-Jahre beschäftigten sich amerikanische Geheimdienstler auch damit, wie sich das öffentliche Image des kubanischen Revolutionsführers zerstören liesse. Die technische Abteilung der CIA kam auf die Idee, dafür den prominenten Bart von Fidel Castro zu sabotieren – galt dieser doch weltweit als Symbol der Revolution.
Gemäss dem später veröffentlichten Church-Report zuhanden des US-Kongresses bereiteten die US-Geheimdienste dann tatsächlich eine solche Operation vor. Castros Schuhe sollten heimlich mit Thalliumsalzen bestäubt werden – einer giftigen Chemikalie, die starken Haarausfall verursacht.
Die Hoffnung war, dass Castros legendärer Bart ausfallen und er dadurch seine Aura als revolutionärer Anführer verlieren würde. Die CIA beschaffte das Mittel und testete es an Tieren. Eingesetzt werden sollte es während einer Auslandsreise, wenn Castro seine Schuhe zum Putzen vor die Hoteltür stellte. Doch weil Castro die Reise kurzfristig absagte, wurde der Plan nie umgesetzt.
Alle verrückten CIA-Pläne scheiterten spektakulär. Fidel Castro starb im Jahr 2016 in Havanna im Schlaf. Er wurde 94 Jahre alt. Die Pläne zeigen jedoch, wie weit Washington im Kampf gegen die Castro-Dynastie schon einmal zu gehen bereit war.
