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US-Cops töteten 2016 schon 706 Menschen – sind die Unruhen in North Carolina erst der Anfang?



Wieder wird ein Schwarzer in den USA von Polizisten erschossen. Obwohl er bewaffnet gewesen sein soll, entlädt sich Wut über Polizeigewalt in den Strassen von Charlotte. Ein Mann wird angeschossen, der Gouverneur ruft den Ausnahmezustand aus.

Er habe ausserdem Massnahmen eingeleitet, um die Nationalgarde und die Autobahnpolizei einzuberufen, twitterte der Gouverneur des Bundesstaats North Carolina, Pat McCrory, in der Nacht zum Donnerstag.

Bisher 706 Tote durch Polizisten

Die «Washington Post» hat mitgezählt, wie viele Menschen in diesem Jahr durch Polizisten erschossen worden sind. Von den 706 Personen waren 163 Schwarze, was einem Anteil von gut 23 Prozent entspricht. Der Anteil Farbiger an der Gesamtbevölkerung beträgt jedoch nur circa 13 Prozent. Mehr zum Thema Polizeigewalt in den USA findest du hier.

Zuvor waren zum zweiten Tag in Folge Hunderte Menschen in Charlotte auf die Strasse gegangen, um gegen den Tod eines Afroamerikaners durch Polizeischüsse am Dienstag zu protestieren. Die Lage eskalierte: Es kam zu Sachbeschädigungen und Plünderungen; die Polizei setzte Tränengas ein.

Charlotte-Mecklenburg police officers begin to move protesters down a street in Charlotte, N.C., Wednesday, Sept. 21, 2016.  Authorities in Charlotte tried to quell public anger Wednesday after a police officer shot a black man, but a dusk prayer vigil turned into a second night of violence, with police firing tear gas at angry protesters and a man being critically wounded by gunfire. North Carolina's governor declared a state of emergency in the city. (Jeff Siner/The Charlotte Observer via AP)

Verhärtete Fronten in Charlotte. Bild: AP/The Charlotte Observer

Die Nationalgarde solle Gebäude und Güter schützen, sagte McCrory dem Nachrichtensender CNN. Die Polizei habe um diese Unterstützung gebeten. Vier ihrer Beamten wurden bei den Ausschreitungen verletzt, wie die Polizei per Twitter mitteilte. Am Vortag hatte es 16 verletzte Polizisten gegeben.

Randale nach tödlichen Schüssen

Ein Mann wurde am späten Mittwochabend angeschossen. Zunächst hiess es, er sei ums Leben gekommen. Die Stadtverwaltung korrigierte dann allerdings einen eigenen früheren Bericht.

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Eine Zusammenfassung der Nachrichtenagentur «Reuters». Video: reuters

Der Mann sei in kritischem Gesundheitszustand und an lebenserhaltende Systeme angeschlossen, twitterte sie. Er war den Angaben zufolge von einem anderen Zivilisten angeschossen worden. Die Polizei habe nicht geschossen.

Randalierer schlugen Fensterscheiben von Gebäuden und Fahrzeugen ein, schmierten den Namen der Schwarzenbewegung «Black Lives Matter» an Wände und griffen auch Reporter an, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Nahverkehrszüge fielen aus. Ab etwa zwei Uhr beruhigte sich die Lage allmählich.

Verschiedene Versionen der Hergangs

Polizeichef Kerr Putney hatte am Mittwoch berichtet, Polizisten hätten am Dienstag bei der Fahndung nach einem Verdächtigen auf einem Parkplatz einen Bewaffneten in einem Auto angetroffen.

Sie hätten ihn mehrfach aufgefordert, auszusteigen. Das habe er schliesslich getan, allerdings mit der Waffe. Er habe die Polizisten bedroht; daraufhin habe einer von ihnen geschossen. Der Schütze und der getötete 43-jährige Familienvater sind Afroamerikaner.

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Ein Bericht des Lokalsenders WBTV. Video: YouTube/USNationalistNews

Eine Reporterin veröffentlichte ein Video der Schwester des Erschossenen. Die Frau gibt an, dass ihr Bruder nicht bewaffnet gewesen sei. Er habe in seinem Auto ein Buch gelesen und auf seine Kinder gewartet, als die Polizei ihn tötete.

Landesweite Diskussionen

Die Polizei besitzt dem Gouverneur McCrory zufolge von dem Vorfall Videoaufnahmen, die aber zunächst nicht veröffentlicht wurden. Erst am Montag war ein Video veröffentlicht worden, das zeigte, wie eine Polizistin in Oklahoma einen unbewaffneten Afroamerikaner erschoss.

Wie bei früheren Fällen von tödlicher Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gab es landesweit Diskussionen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump brachte bei einer Veranstaltung in Ohio die Polizeirichtlinie «stop and frisk» ins Gespräch.

Der Gebrauch dieser Taktik, die willkürliches Kontrollieren und Durchsuchen von Passanten erlaubt, hatte in New York vor wenigen Jahren für scharfe Kritik gesorgt, weil meist Schwarze und Latinos kontrolliert wurden. Ein Bundesgericht erklärte die Praxis der Stadt vor drei Jahren für verfassungswidrig.

(sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Louie König 22.09.2016 14:58
    Highlight Highlight Wenn es Filmaufnahmen vom Vorfall gibt und die Version der Polizei stimmt, dann wäre eine Veröffentlichung doch ganz im Sinne der Polizei. Blöd nur, wenn die Aufnahmen aber die Version der Angehörigen bestätigen würden, weil dann wäre ein weiteres Mal ein unschuldiger Mensch in den USA von Polizisten erschossen worden. Es spielt auch keine Rolle, welche Hautfarbe die Opfer oder Täter haben. #AllLivesMatter
  • pingu21 22.09.2016 13:57
    Highlight Highlight Wieviele US-Cops sind in dieser Zeit gestorben?
    • Louie König 22.09.2016 14:54
      Highlight Highlight Garantiert nicht annähernd 700.
  • Chrigi-B 22.09.2016 13:21
    Highlight Highlight Tragisch was da abgeht. Stop and search - bei Latinos und Afroamerikanern - kann ich sehr gut verstehen.
    • Jan Hug 22.09.2016 14:16
      Highlight Highlight fehlt nur noch: "ich bin ja kein nazi, aber..."
    • Louie König 22.09.2016 14:55
      Highlight Highlight @Chrigi: Wie? Wie kannst du eine solche, meiner Meinung nach rassistisch motivierte, Methode auch nur ansatzweise verstehen? Und das noch, obwohl sie als verfassungswidrig erklärt wurde?
    • Chrigi-B 22.09.2016 15:24
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