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Brandon Boulware ist Vater von vier Kindern – eines davon ist transgender.
Brandon Boulware ist Vater von vier Kindern – eines davon ist transgender.
bild: screenshot twitter

Dieser Vater hält eine emotionale Rede für Tochter – und erwärmt die Herzen von Millionen

17.03.2021, 04:4917.03.2021, 13:07

Um was geht's?

Der Vater einer Transgender-Tochter im US-Bundesstaat Missouri hat mit einer emotionalen Ansprache gegen Diskriminierung ein Millionenpublikum im Internet gewonnen. Der Anwalt Brandon Boulware aus Kansas City legte bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus von Missouri dar, wie schwer er sich damit tat, sein Kind als Transgender zu akzeptieren.

Er bezog damit Position gegen einen Resolutionsentwurf, nach dem Transgender-Athleten in öffentlichen Schulen und Hochschulen nicht mehr an Wettbewerben für Mädchen beziehungsweise Frauen teilnehmen dürfen sollen. In mehreren US-Bundesstaaten gibt es ähnliche Gesetzesinitiativen.

Der vierfache Vater und Christ erklärte die Umstände:

«Über Jahre hinweg habe ich meine Tochter nicht Mädchenkleidung tragen lassen. Ich habe sie nicht mit Mädchenspielzeug spielen lassen. Ich habe meine Tochter gezwungen, Jungenkleidung zu tragen, sich die Haare kurz schneiden zu lassen und in Jungen-Sportmannschaften zu spielen. Warum ich das tat? Um mein Kind zu schützen. Ich wollte nicht, dass meine Tochter oder ihre Geschwister aufgezogen werden. Und um ehrlich zu sein, ich tat es auch, um mich selber zu schützen.»

Er habe die «unvermeidlichen Fragen» nicht hören wollen, warum sein Kind nicht wie ein Junge aussehe und sich so benehme, sagte Boulware. Das Problem, das immer mehr zum Vorschein kam:

«Mein Kind war unglücklich. Ich hatte ein Kind, das nie lächelte.»»

Der Moment, der alles änderte

«Ich erinnere mich an den Tag, der alles für mich änderte», fährt Boulware fort. Er sei von der Arbeit nach Hause gekommen und seine Tochter und einer seiner Söhne wollten zu den Nachbarn spielen gehen. Seine Tochter hatte ein Kleid ihrer Schwester an. Boulware verbot es ihnen.

Seine Tochter sei sich danach umziehen gegangen, und mit Jungenkleidern an fragte sie erneut: «Kann ich jetzt rüber gehen?» Und da realisierte Boulware: «Meine Tochter setzte ‹gut sein› mit ‹jemand anders sein› gleich.» Er habe ihr beigebracht, zu verleugnen, wer sie wirklich ist.

Die eine Sache, die man als Eltern niemals tun sollte, sei, die Persönlichkeit des eigenen Kindes zum Schweigen zu bringen.

Ab dem Moment, als er und seine Ehefrau ihrer Tochter erlaubt hätten, sie selber zu sein, sei sie ein anderes Kind gewesen:

«Und es geschah sofort. Es war eine totale Veränderung. Jetzt habe ich eine selbstbewusste, lächelnde, glückliche Tochter. Sie spielt in Mädchen-Volleyballteams. Sie hat Freundschaften. Sie ist ein Kind.»

Sein Plädoyer

Boulware warnte, sollte der Resolutionsvorschlag umgesetzt werden, werde das «echte Auswirkungen» auch, aber nicht nur für seine Tochter haben, die dann aus Mädchenteams ausgeschlossen werde. Boulware forderte:

«Ich bitte Sie, nehmen Sie das meiner Tochter und den vielen anderen da draussen, die wie sie sind, nicht weg.»

Boulware sagte bereits am 3. März – dem Geburtstag seiner Tochter – bei der Anhörung aus. Viral ging sein Video, nachdem die Bürgerrechtsorganisation ACLU den Clip verbreitete. Bis Dienstag (Ortszeit) hatten mehr als 5 Millionen Menschen das Video im Kurznachrichtendienst Twitter angesehen.

Hier die ganze Rede:

Video: extern / rest

Als Transgender werden Menschen bezeichnet, die sich nicht – oder nicht nur – mit dem Geschlecht identifizieren, das bei ihrer Geburt notiert wurde. US-Präsident Joe Biden setzt sich für eine Stärkung der Rechte von Transgender ein. Kurz nach seinem Amtsantritt am 20. Januar hob der Demokrat den Ausschluss von Transgender aus den Streitkräften auf, den sein republikanischer Vorgänger Donald Trump verfügt hatte. Biden nominierte als Staatssekretärin im Gesundheitsministerium ausserdem erstmals eine Transgender-Frau für einen derart hohen Posten in der US-Regierung.

Ex-Präsident Trump hatte das Thema Transgender und Frauensport bei einem Auftritt Ende Februar angeheizt. Er warf Biden damals vor, «Frauensport zerstören» zu wollen, und behauptete: «Junge Mädchen und Frauen sind aufgebracht darüber, dass sie jetzt gezwungen werden, gegen diejenigen zu konkurrieren, die biologisch Männer sind.»

Sollten Transgender-Frauen in sportlichen Wettkämpfen teilnehmen dürfen?

(jaw/sda/dpa)

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