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Slowenien: Das Wichtigste zum schweren Unwetter in 7 Punkten

Damm gebrochen, Erdrutsche drohen: Das Wichtigste zum Unwetter in Slowenien in 7 Punkten

Nach heftigen Regenfällen kämpft Slowenien noch immer mit Überschwemmungen und deren Folgen. Eine Übersicht zu den neusten Entwicklungen.
06.08.2023, 10:1106.08.2023, 13:02
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Drohende Erdrutsche bereiten Sorgen

Nach den heftigen Regenfällen und Überschwemmungen in Slowenien herrschen weiter Sorgen wegen möglicher Erdrutsche. Die hohe Bodenfeuchtigkeit mache Erdrutsche derzeit wahrscheinlicher, warnte der Geologische Dienst Sloweniens nach Angaben der slowenischen Nachrichtenagentur STA am Sonntag. Er rief die Bevölkerung auf, stärker auf Veränderungen am Boden, an Gebäuden und an Hängen zu achten.

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Eine zerstörte Brücke im Dorf Stahovica.Bild: keystone

Auch im Süden Österreichs bleibt die Situation angespannt: Auch hier drohen mehrere völlig aufgeweichte Hänge abzurutschen, wie die Feuerwehr am Sonntag berichtete. Sie müsse zudem immer wieder ausrücken, um vollgelaufene Keller auszupumpen, sagte der Sprecher der Feuerwehr im Bundesland Kärnten, Hans-Jörg Rossbacher, am Sonntag im Radio ORF.

Dörfer nach Dammbruch evakuiert

Bei Dolnja Bistrica im Osten Sloweniens ist am Samstagabend ein Damm am Fluss Mur gebrochen. Dies berichtete die slowenische Nachrichtenagentur STA. Insgesamt zehn Ortschaften seien gefährdet. Dort seien Evakuierungsmassnahmen im Gange.

Hier liegt Dolnja Bistrica:

«Wir haben den absolut notwendigen Schritt der Evakuierung unternommen, weil dies die einzige Massnahme ist, um mögliche Opfer zu verhindern», sagte der Katastrophenschutzkommandant Srecko Sestan. «Wenn das Wasser anfängt, den Boden wegzutragen, wird der Damm sofort einstürzen, und die Flutwelle wird neun oder zehn Dörfer erfassen.» Man versuche nun, per Hubschrauber den Staudamm mit Betonblöcken abzudichten, sagte er weiter.

Notunterkünfte eingerichtet

Sowohl in Slowenien als auch in Österreich wurden Notunterkünfte eingerichtet, um den betroffenen Personen ein Dach über dem Kopf anbieten zu können. Nach der Evakuierung an der Mur wurden am Samstagabend 500 Menschen aus dem Dorf Dolnja Bistrica in solche Unterkünfte gebracht. Wegen drohender Erdrutsche wurden zudem 110 Menschen bei Koroska Bela und entlang des Flusses Meza nahe der Grenze zu Österreich in Sicherheit gebracht.

Im österreichischen Kärnten wurden wegen der drohenden Hangrutsche aus Vorsicht mindestens 40 Häuser und Wohnungen geräumt. Die Menschen kamen bei anderen oder ebenfalls in Notunterkünften unter.

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Zwei Helfer warten in einer Notunterkunft.Bild: www.imago-images.de

Pegelstand sinkt zum Teil

Beim Pegelstand der Flüsse gab es zumindest in Slowenien eine erste Entwarnung – in der Save, dem grössten Fluss des Landes, sank der Pegelstand zuletzt an. Bei der Mur ist er nach wie vor hoch, aber stabil.

Katastrophenschutz gefordert

Allein in der Nacht zum Sonntag war der Katastrophenschutz 230 Mal im Einsatz, in insgesamt 186 Orten. Am Samstag hatte der Katastrophenschutz von mehr als 3700 innerhalb von 36 Stunden berichtet.

Slovenia, Dravograd, 050823. Consequences of storms and water torrents on roads in Dravograd. Photo: Zeljko Hajdinjak / CROPIX Copyright: xxZeljkoxHajdinjakx nevrijeme_dravograd24-050823
Die Einsatzkräfte vor Ort.Bild: www.imago-images.de

137 Feuerwehreinheiten setzten Schutzmassnahmen bei Erdrutschen und Überschwemmungen um, pumpten Wasser aus überschwemmten Gebäuden, entfernten umgestürzte Bäume, retteten Menschen aus gefährdeten Gebäuden und lieferten dringend benötigte Lebensmittel und Medikamente.

Mehrere Dörfer waren seit Freitag von der Aussenwelt abgeschnitten. Die Bewohner wurden teils per Hubschrauber mit Trinkwasser und Lebensmitteln versorgt, teils versuchten Soldaten, zu Fuss in diese Orte zu gelangen.

Nach Angaben von Ministerpräsident Robert Golob sind zwei Drittel des Landes vom Hochwasser betroffen. Es seien die grössten Schäden einer Naturkatastrophe seit mehr als drei Jahrzehnten im Adrialand. Mindestens vier Menschen starben. Die Polizei prüfte, ob es einen Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Unwetter gab.

A flooded area is seen in the village Sneberje, near the town of Kamnik, Slovenia, Friday, Aug. 4, 2023. Slovenia has faced the worst-ever natural disaster in its history, Prime Minister Robert Golob  ...
Ein Teil des Dorfs Sneberje steht nach den heftigen Regenfällen unter Wasser.Bild: keystone

EU verspricht Hilfe

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sicherte Slowenien Hilfe zu. Die Schäden in dem Adrialand seien «herzzerreissend», twitterte sie.

Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz, Janez Lenarcic, beriet am Samstag mit der Regierung in Ljubljana. Er nannte die drei wichtigsten EU-Fonds, bei denen Slowenien Hilfen beantragen könne: den europäischen Mechanismus zum Katastrophenschutz, den Europäischen Solidaritätsfonds sowie die europäische Krisenreserve für die Landwirtschaft.

Kroatien bislang verschont

Das südliche Nachbarland Kroatien blieb entgegen ersten Befürchtungen von grösseren Überschwemmungen bewohnter Gebiete bis zum Samstagabend zunächst verschont. Eine klare Entwarnung gab es allerdings nicht. Wegen der erwarteten Flutwelle auf den Flüssen aus dem nördlichen Nachbarland Slowenien hatten Kroatiens Behörden mit Deichen aus Sandsäcken und stellenweiser Ableitung von Flusswasser vorgesorgt. Im nördlichen Nachbarland Österreich blieb die Lage angespannt.

(dab, mit Material von Keystone-sda)

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