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«New York Times» stellt Macron bloss: Autor wirft ihm Trump-Methoden vor



Emmanuel Macron, Pr

Wütend: Emmanuel Macron. Bild: sda

Der französische Präsident Emmanuel Macron gibt sich gerne als unerschrockener Vorkämpfer für Meinungs- und Pressefreiheit. Doch ein Bericht der New York Times weckt nun Zweifel an diesem Image. Wie ein Kolumnist der US-Zeitung erklärt, hat ihn Macron persönlich angerufen, um sich über die seiner Meinung nach unangebrachte Berichterstattung zu beschweren. Sprich, ein Verhalten, das man eher von Autokraten wie Putin oder einem Donald Trump erwarten würde.

Macron habe ihn am vergangenen Donnerstagnachmittag angerufen, schreibt der Kolumnist Ben Smith. Er habe kundgetan, dass die US-amerikanische Presse seiner Regierung die Schuld an der jüngsten Reihe mörderischer Terroranschläge in Frankreich gegeben habe.

«Als Frankreich vor fünf Jahren angegriffen wurde, unterstützte uns jede Nation der Welt», habe Präsident Macron gesagt und an den 13. November 2015 erinnert, als 130 Menschen bei koordinierten Angriffen in einer Konzerthalle, vor einem Fussballstadion und in Cafés in und um Paris getötet wurden.

Smith zitiert den Präsidenten weiter:

«Wenn ich also in diesem Zusammenhang mehrere Zeitungen sehe, die, wie ich glaube, aus Ländern stammen, die unsere Werte teilen – Journalisten, die in einem Land schreiben, das der Erbe der Aufklärung und der Französischen Revolution ist – wenn ich sehe, wie sie diese Gewalt legitimieren und sagen, dass der Kern des Problems darin bestehe, dass Frankreich rassistisch und islamfeindlich sei, dann sage ich, dass die ursprünglichen Prinzipien verloren gegangen sind.»

US-Medien «legitimieren Gewalt» – Vorwurf sonst von Trump gewohnt

Smith sieht darin den Vorwurf, US-amerikanische Zeitungen, darunter die «New York Times», legitimierten Gewalt. Das sei ein sehr schwerwiegender Vorwurf und eigentlich eher etwas, was er vom amerikanischen Präsidenten Trump zu hören gewohnt sei.

Der Hintergrund ist die teilweise sehr kritische Berichterstattung von US-Medien über die jüngsten Äusserungen des französischen Präsidenten. Nach der Ermordung des Lehrers Samuel Paty, der seinen Schülern im Unterricht Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte, hatte Macron seine Rhetorik verschärft und von «islamistischem Separatismus» gesprochen. In mehreren US-Zeitungen wurde das als kontraproduktive Eskalation bezeichnet.

Smith: Macron liess einen Artikel der «Financial Times» löschen

In einem Fall soll Macrons Beschwerde sogar schon Erfolg gehabt haben. Besonders wütend sei der Präsident über einen Meinungsartikel der «Financial Times» vom 3. November gewesen, so Smith weiter. Die Überschrift lautete: «Macrons Krieg gegen den islamischen Separatismus spaltet Frankreich nur noch weiter». Der Autor argumentierte darin, Macron entfremde mit seiner Herangehensweise die muslimische Mehrheit, die den Terrorismus ebenfalls hasse.

Nach einer Welle von Beschwerden von Lesern und einem verärgerten Anruf aus Macrons Büro habe die «Financial Times» den Artikel aus dem Internet gelöscht, berichtet Smith. Und einen Tag darauf habe die Zeitung in ihrer Printausgabe einen Brief von Macron veröffentlicht, in dem er den gelöschten Artikel angriff.

Macron weist Trump-Vergleich zurück

Der Kolumnist berichtet, er habe Macron auch gefragt, ob seine lautstarken Beschwerden über die amerikanischen Medien nicht selbst ein wenig an Trump erinnerten, weil er so versuche, seine Agenda durch gezielte Angriffe auf die Presse voranzutreiben.

Macron habe das verneint: «Meine Botschaft hier ist: Wenn Sie eine Frage zu Frankreich haben, rufen Sie mich an», habe er gesagt. Smith verweist allerdings darauf, dass er den Pariser Kollegen der «New York Times» bisher kein Interview gewährt habe. Den Vergleich mit Trump habe Macron zurückgewiesen: «Ich lese Ihre Zeitung, ich bin einer Ihrer Leser», habe er erwidert.

(om)

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