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Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin ist insolvent.
Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin ist insolvent.Bild: EPA/EPA

Air Berlin: Deutschlands zweitgrösste Fluggesellschaft ist pleite

15.08.2017, 13:2115.08.2017, 14:56

Air Berlin hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Der Flugbetrieb werde fortgeführt, teilte Deutschlands zweitgrösste Fluggesellschaft am Dienstag mit. Alle gebuchten Tickets bleiben gültig. Die deutsche Regierung stellt für den Flugbetrieb einen Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro zur Verfügung.

Nachdem Hauptaktionär Etihad erklärt habe, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen, sei man «zu dem Ergebnis gekommen, dass für Air Berlin keine positive Prognose für ein Fortbestehen mehr besteht», schreibt Air Berlin.

Vor diesem Hintergrund stellte die Fluggesellschaft beim zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Bei dieser Variante des Insolvenzverfahrens führt das Management das Unternehmen weiter.

Seit Jahren Defizite

Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein. 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich danach.

Etihad könne kein weiteres Geld bereitstellen, erklärte die Airline aus Abu Dhabi am Dienstag. Diese Entwicklung sei äusserst enttäuschend für alle Beteiligten, vor allem da Etihad in den letzten sechs Jahren weitreichende finanzielle Unterstützung für Air Berlin während früherer Liquiditätskrisen und für deren Sanierungsbemühungen gewährt habe.

Erst im April habe Etihad weitere 250 Millionen Euro zugeschossen. Laut Etihad hat sich das Geschäft von Air Berlin jedoch in einer beispiellosen Geschwindigkeit verschlechtert. Als Minderheitsaktionär könne Etihad kein weiteres Geld zuschiessen und das eigene Risiko erhöhen. Die Fluggesellschaft war 2011 bei Air Berlin eingestiegen und hält knapp 30 Prozent an der Airline.

Schock für Mitarbeiter

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Air Berlin, die seit Bestehen der Airline eine hervorragende Arbeit geleistet hätten, sei die Nachricht ein Schock, teilte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit mit. Etihad lasse Air Berlin fallen wie eine heisse Kartoffel, obwohl neue Investoren Interesse signalisiert hätten.

Ziel des Insolvenzverfahrens ist es laut Air Berlin, «die bereits eingeleitete Restrukturierung fortzuführen». Unterstützung erhält die Fluggesellschaft dabei auch von der Lufthansa, die am Kauf von Teilen der Gruppe interessiert ist. Lufthansa beabsichtigt nach eigenen Angaben, die Verhandlungen zu einem schnellen und positiven Ergebnis zu führen.

Air Berlin erklärte, dass die Verkaufsverhandlungen mit Lufthansa und weiteren Partnern «weit fortgeschritten» seien und «erfolgsversprechend» verlaufen würden. Die Verhandlungen könnten zeitnah finalisiert werden. (whr/sda/dpa/afp/reu)

Swissair-Grounding

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Swissair-Grounding
quelle: keystone / steffen schmidt
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Air Berlin halbiert seine Flotte und baut 1200 Jobs ab

Video: reuters
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26 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Juliet Bravo
15.08.2017 14:47registriert November 2016
Schade um Airberlin und schade um die Belair, die ebenfalls Geschichte wird.
Ich hoffe nur, Lufthansa bindet sich keinen Klotz ans Bein und übernimmt nur Teile, die sie auch gut in Eurowings integrieren kann.
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coronado71
15.08.2017 18:05registriert Juni 2016
Nicht unterschätzen: es ist Bundeswahlkampf in Deutschland. Ohne die 150 Mio-sofort-Finanzspritze der Bundesregierung hätte AirBerlin den Flugbetrieb per sofort einstellen müssen. Ob damit wie Zypries (SPD) und Dobrindt (CSU) beteuern, der Flugbetrieb bis Ende November aufrecht erhalten werden kann sei mal dahingestellt. Jedenfalls haben sie kein Interesse an einem Grounding VOR den Wahlen im September - also wird die schon längere marode Airline noch etwas durchgefüttert.
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