DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wie sich Techfirmen der Zensurpolitik Chinas beugen – und South Park China verspottet

Meldungen über Firmen, die sich Chinas Zensurpolitik beugen, häufen sich. Auch Apple, Google und Microsoft machen den Kniefall. Nur South Park zeigt China den Mittelfinger.
09.10.2019, 14:3710.10.2019, 06:40
Bild: screenshot twitter

Der Aufschrei in Amerika war gross, als die Houston Rockets und die NBA sich Anfang Woche in China für einen Tweet vom General Manager der Rockets, Daryl Morey, entschuldigten. Morey unterstützte die Proteste in Hongkong mit den Worten: «Kämpft für Freiheit. Ich stehe an der Seite von Hongkong». Kurz darauf zogen sich mehrere chinesische Sponsoren zurück.

Sogar der demokratische Präsidentschaftskandidat Beto O'Rourke rügte die NBA auf Twitter.

Doch die NBA ist bei weitem nicht die einzige grosse Organisation, die den Kniefall vor China macht.

Verschwundene Taiwan-Flagge

In einem kürzlichen Update für iOS hat Apple für die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau das Taiwan-Emoji gesperrt. In China selbst ist die Flagge bereits seit 2017 nicht mehr verfügbar.

Taiwan ist eine unabhängig geführte Demokratie, aber China betrachtet es als Teil seines Territoriums.

Apple selbst erwähnt die Änderungen mit keinem Wort in den Patch Notes. Das Emoji ist zwar durch eine Hintertür immer noch verfügbar. Doch getreu dem Motto «aus dem Auge aus dem Sinn» findet man Taiwan nicht mehr in der Flaggenkategorie.

Auch Suchmaschinenriese Google beugt sich der Zensurpolitik Chinas. Trotz Mitarbeiterprotesten hat der Konzern offenbar die Arbeit an Dragonfly, einer zensierten, chinesisch zugeschnittenen Version seiner Suchmaschine, fortgesetzt.

Und laut einem Bericht von Wired zensiert sich Microsoft gleich selbst auf LinkedIn und Bing.

Unternehmen drücken in Sachen Menschenrechte und Demokratie-Bedenken beide Augen zu, wenn der Zugang zum chinesischen Markt auf dem Spiel steht. Es scheint, als ob sich internationale Unternehmen der chinesischen Regierung unterworfen haben.

Gamer wird mundtot gemacht

Selbst die Videospielindustrie fürchtet sich um die Milliarden aus China. Computerspielhersteller Activision Blizzard hat einen Pro-Gamer aus Hongkong für ein Jahr gesperrt, nachdem dieser während einem Livestream seine Unterstützung für die Protestierenden in Hongkong aussprach.

Chung «Blitzchung» Ng Wai zog sich während eines Live-Interviews über einen taiwanesischen Stream eine Gasmaske und eine Skibrille auf und rief:

«Befreit Hongkong! Die Revolution unserer Zeit!»

«Blitzchung», der zu den 48 besten Spieler der Welt gehört, wurden die Preisgelder für die laufende Saison gestrichen. Diese sollen sich auf rund 16'000 Franken belaufen. Zudem wurde er für ein Jahr gesperrt und sein Status als «Grossmeister» wurde ihm aberkannt.

Nur South Park pfeifft auf China

Die Macher der satirischen Zeichentrickserie «South Park» lassen sich derweil nicht von der Zensurpolitik Chinas beeindrucken. Die neue Episode «Band in China», die am 2. Oktober veröffentlicht wurde, kritisiert Hollywood für ihre Bemühungen, Film- und Fernsehinhalte so anzupassen, dass sie einer chinesischen Zensur entgehen.

In der Folge wird Winnie Puuh und sein Gefährte Ferkel in einem chinesischen Gefängnis gezeigt. «Manche Leute sagen, Puuh sehe aus wie der chinesische Präsident Xi Jinping, deshalb sind wir jetzt illegal in China», erklärt Ferkel dem ebenfalls eingesperrten Charakter Randy Marsh.

iQiyi und Youku Tudou, zwei grosse chinesische Videostreaming-Seiten, nahmen die Episoden daraufhin vom Netz. Matt Stone und Trey Parker, die beiden Macher von South Park, tweeteten daraufhin:

«Man muss seine Ideale nach unten anpassen, wenn man an der warmen Zitze Chinas nuckeln will.»

Kurze Zeit später setzten sie einen zweiten Tweet ab, der im Stil des Entschuldigungsschreibens der NBA gehalten wurde. Darin schrieben sie:

«Wie die NBA, begrüssen auch wir die chinesische Zensur in unseren Häusern und in unseren Herzen. Auch wir lieben Geld mehr als Freiheit und Demokratie. Xi sieht überhaupt nicht aus wie Winnie Puuh. ... Lang lebe die kommunistische Partei Chinas! Möge die diesjährige Sorghum-Hirse-Ernte reichlich sein! Alles in Ordnung jetzt, China?»
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

70. Jahrestag der Volksrepublik China

1 / 18
70. Jahrestag der Volksrepublik China
quelle: epa / roman pilipey
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Der Tag nach den heftigsten Protesten in Hongkong

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

59 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Elchapo
09.10.2019 14:43registriert Januar 2018
Traurig wie es im Moment läuft. Lieber wegschauen und Geld verdienen als das richtige zu tun!!!
4537
Melden
Zum Kommentar
avatar
redeye70
09.10.2019 15:02registriert Mai 2016
Einfach nur beschämend. Der Westen geht an seiner Eierlosigkeit unter!
4145
Melden
Zum Kommentar
avatar
Rolf Mueller
09.10.2019 14:59registriert November 2015
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Hat Brecht schon lange vor Apple und Konsorten gewusst.
3005
Melden
Zum Kommentar
59
Diese 3 Politikerinnen bieten Putin die Stirn
Kaja Kallas, Sanna Marin und Magdalena Andersson: die Regierungschefinnen Estlands, Finnlands und Schwedens stehen für eine neue Politikergeneration in Europa.

Kaja Kallas ist die härteste Frau Europas. Der eine oder andere Regierungschef dürfte sich ob der Ministerpräsidentin von Estland schon mächtig genervt haben. Denn ihr klarer Russland-Kurs entlarvt das herumlavieren in vielen Hauptstädten deutlicher, als es manchen ihrer Kollegen lieb sein kann.

Zur Story