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Apple's CEO Tim Cook, left, gestures as China Mobile's chairman Xi Guohua looks on during a promotional event that marks the opening day of sales of China Mobile's 4G iPhone 5s and iPhone 5c at a shop of the world's largest mobile phone operator in Beijing, China, Friday, Jan. 17, 2014. (AP Photo/Alexander F. Yuan)

Apple-Chef Tim Cook in China. archivbild: AP/AP

Apples China-Dilemma – darum leben chinesische iPhone-Nutzer jetzt gefährlich

Amnesty International warnt: Seit heute speichert Apple die Daten chinesischer iCloud-Nutzer in China. Dies erlaube Behörden die Überwachung von Bürger- und Menschenrechtlern – ganz legal und ohne Hintertür.



«Wir bei Apple glauben, dass der Schutz der Privatsphäre ein grundlegendes Menschenrecht ist.»

Apple-Webseite amnesty

Wer als Apple-Nutzer in China lebt und das kommunistische Regime kritisiert, konnte bislang darauf hoffen, dass der US-Konzern heikle Daten nicht an die chinesischen Behörden herausgibt. Die Rede ist von iPhone-Backups mit E-Mails, gespeicherten Kontakten, Chatnachrichten, Fotos, Videos etc., die viele iPhone-Nutzer in Apples Online-Speicher iCloud speichern. Bislang hatten die chinesischen Behörden keinen Zugriff auf die iCloud-Daten chinesischer Bürger, doch das dürfte sich nun ändern.

Die Staatsführung in Peking zieht die Überwachungsschraube mit dem neuen Cybersicherheitsgesetz weiter an: Apple muss die Daten chinesischer iCloud-Nutzer ab sofort in China speichern. In der iCloud gesicherte Daten werden heute auf die Server der chinesischen Firma Guizhou Cloud Big Data (GCBD) verschoben. GCBD ist eine staatliche Firma und gehört der Provinzregierung von Guizhou im Südwesten Chinas. GCBD hat zwar nicht direkt Zugriff auf die iCloud-Daten, aber Apple muss die Daten bei Behördenanfragen herausgeben. 

Amnesty International schreibt in einer Mitteilung: «Wenn Nutzer die Nutzungsbedingungen für iCloud in China akzeptieren, erklären sie sich damit einverstanden, dass ihre Informationen und Inhalte an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet werden, wenn dies gesetzlich vorgeschrieben ist.»

Wer in China lebt und Apples Online-Dienst iCloud nutzt, muss sich also entscheiden: Entweder er deaktiviert iCloud und gibt damit viele praktische iPhone-Funktionen auf – oder er gibt seine Privatsphäre auf.

Kampf gegen Terroristen oder Menschrechtsaktivisten?

Als Grund für den Umzug verweist Apple auf «lokale Cybersicherheitsrichtlinien». Es gehe auch darum, «die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit von iCloud in China weiter zu verbessern». 

Praktisch ist diese Anpassung aber vor allem für die chinesischen Behörden. Der Regierung in Peking geht es bei den neuen Cybersicherheitsrichtlinien offiziell um die nationale Sicherheit und die Terrorismusbekämpfung. Die Behörden wollen sich den Zugriff auf die iPhone-Daten verdächtiger Personen sichern. In der Praxis muss Apple aber nicht nur die Daten von mutmasslich Kriminellen herausgeben, sondern auch von regierungskritischen Bürgerrechtlern, die Peking als Staatsgefährder einstuft. Bislang musste Peking bei entsprechenden Anfragen US-Gerichte bemühen.

Sorge vor den Konsequenzen

Bei Amnesty International löst die Entwicklung grosse Bedenken aus, dass chinesische Behörden Apple-Nutzer nun unbeschränkt überwachen können. Die Menschenrechtsorganisation schreibt: Mit dem neuen Cybersicherheitsgesetz müsse die Cloud-Firma GCBD die Nutzerdaten auf staatliche Anordnung herausrücken und Apple habe «wenige bis gar keine juristischen Wege», um derartige Anfragen anzufechten oder abzulehnen. 

Datenschutz ist für die Bürger Chinas essentiell, denn im Einparteienland drohen Menschenrechtlern und Oppositionellen jahrelange Gefängnisstrafen. Wer sich für Bügerrechte und Meinungsfreiheit einsetzt, gilt als Staatsgefährder. Tausende Menschen werden laut Amnesty International jedes Jahr in China hingerichtet.

Apple hat laut Menschenrechtsorganisation bislang nicht gesagt, ob und wie es beurteilen wird, ob staatliche Auskunftsbegehren die Menschenrechte der Nutzer verletzen könnten. «Wir werden nicht wirklich wissen, wie Apple reagieren wird, bis es auf die Probe gestellt wird, und leider ist das wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit», schreibt Amnesty.

Darum gelangen die Behörden an die iCloud-Daten, selbst wenn sie verschlüsselt sind

Die Nutzerdaten in der iCloud sind zumindest teilweise verschlüsselt. Da Apple die für den Zugriff nötigen Schlüssel neu ebenfalls auf chinesischen Servern speichern muss, sei es «praktisch unumgänglich», dass der Konzern bei Behördenanfragen entschlüsselte Daten herausgeben muss, sagt Amnesty. Das heisst: Bei jeder Anfrage, die nicht gegen chinesisches Recht verstösst, muss Apple die unverschlüsselten Nutzerdaten herausgeben.

Das Problem ist also, dass Apple verschlüsselte iCloud-Daten bzw. iPhone-Backups selbst entschlüsseln kann. Der iPhone-Konzern könnte seine Nutzer vor dem Behördenzugriff nur schützen, wenn er sämtliche iCloud-Daten so verschlüsseln würde, dass sie nur der Nutzer selbst entschlüsseln kann.

Amnesty lobt Apple dafür, dass sich der Konzern klar gegen die Integration von Hintertüren bzw. Schlupflöchern in den eigenen Betriebssystemen ausgesprochen hat. Dies sei aber «bedeutungslos», wenn Strafverfolger die entschlüsselten Daten einfach unter Verweis auf ein laufendes Ermittlungsverfahren anfordern können.

China bringt Apple in die Zwickmühle

Entweder kooperiert Apple mit den chinesischen Behörden und nimmt dabei mögliche Menschenrechtsverletzung in Kauf oder es zieht sich aus dem lukrativen Markt zurück und verliert viel Geld. 

Vermutlich eher utopisch scheint die Forderung von Amnesty, dass westliche Firmen wie Apple, Google oder Microsoft die chinesische Regierung beeinflussen sollen, um die Menschenrechte zu schützen und zu respektieren. Was man von Apple verlangen kann, ist, dass es regelmässig überprüft und transparent macht, ob die Behörden die Auskunftsbegehren für Menschenrechtsverletzungen missbrauchen.

Die Chinesen selbst haben nur wenig Möglichkeiten: Der beste Weg ihre persönlichen Daten vor dem Zugriff durch die Regierung zu schützen, besteht darin, sie nicht auf Servern innerhalb Chinas zu speichern.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty und Reporter ohne Grenzen raten chinesischen iCloud-Nutzern zudem, ihre Landeseinstellungen mit Hilfe einer ausländischen Kreditkarte und Adresse zu ändern, um den Umzug der Daten auf chinesische Server zu verhindern. Darüber hinaus fordern sie Apple dazu auf, die chinesischen Nutzer vor den Risiken der iCloud-Nutzung zu warnen und den Online-Speicher standardmässig nicht zu aktivieren.

80 Rappen inklusiv Versand für ein Ladekabel aus China

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Video: watson/Lya Saxer

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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Midnight 01.03.2018 08:18
    Highlight Highlight Und wo genau liegt jetzt der Unterschied zu den US-Behörden? Die verlangen ja im Bedarfsfall auch die Herausgabe der Daten. Und wenn sie sie nicht erhalten, holen sie sich diese halt mit Gewalt (Brote Force, Has, Backdoors und alles was dazugehört).
  • Dan Ka 01.03.2018 07:12
    Highlight Highlight Man kann Apple (oder alle anderen Cloudbasierten Dienstanbieter) verteufeln. Das was hier spielt ist aber Kapitalismus und ein totalitärer Staat mit einem gigantischen Markt. Die Firmen (wie Apple) halten sich an das Recht und verkaufen ihre Produkte. Umkehrschluss, wer Produkte aus China bei sich rumstehen hat, sollte lieber schweigen. Alles Andere ist heuchlerisch.
  • Booker 01.03.2018 05:36
    Highlight Highlight Und denkt hier jemand in der "anderen" Cloud oder sonstwo wäre das besser und anonymer ?
    • Midnight 01.03.2018 08:20
      Highlight Highlight Wenn die Cloud in der Schweiz steht, dann ja!
  • Die Redaktion 01.03.2018 00:35
    Highlight Highlight Naja, man könnte ja einfach nichts in die iCloud speichern.
    • Der Tom 01.03.2018 10:06
      Highlight Highlight Ja das wäre eine Lösung. Es ist einfach so, dass es wohl schwieriger ist Daten aus einer Cloud zu klauen als direkt beim Nutzer. Für China mag das wohl keine Rolle mehr spielen aber hier in der Schweiz bin ich sicher, dass wenn eine bestimmte Organisation meine Fotos braucht holt sie diese direkt von meinem Computer. Apple zu fragen oder gar zu hacken wäre viel Aufwändiger und je nach Organisation und Absicht sogar gefährlich.
  • Normi 28.02.2018 22:22
    Highlight Highlight Im Notfall Thor benutzen 😉
    • Sir_Nik 28.02.2018 23:17
      Highlight Highlight Oh ja das bringt in dem Fall wahnsinnig viel 🙄

      Tor hat mit einem cloud basierten speicher system etwa so viel zu tun wie ein Apfel mit einem handelsüblichen Staubsauger....
    • Normi 01.03.2018 17:37
      Highlight Highlight klar sich anonym einen account anlegen ist ja sooo sinnlos
    • Normi 01.03.2018 17:38
      Highlight Highlight erst denken, dann posten
    Weitere Antworten anzeigen
  • EinePrieseR 28.02.2018 22:21
    Highlight Highlight Wenn sich Apple aus China zurück zieht gibt es auch keinen Schutz mehr vor den Behörden. Daher kommt es für die Chinesen aufs gleiche raus..
  • Moelal 28.02.2018 20:54
    Highlight Highlight Es lebt sich sehr gut und problemlos ohne iCloud
    • Flötist 01.03.2018 23:37
      Highlight Highlight Das haben die Kutscher am Anfang auch gesagt, als das Auto erfunden wurde
  • Der Tom 28.02.2018 19:55
    Highlight Highlight Also sollten Chinesen in Zukunft besser Xiaomi usw nutzen anstatt iPhone? Schützen die Privatsphäre besser?
    • Olaf44512 01.03.2018 07:48
      Highlight Highlight Keine Firma darf in China die Privatsphäre besser schützen.
  • NiemandVonNirgendwo 28.02.2018 19:38
    Highlight Highlight Das beunruhigt mich gerade sehr. Wer wird der nächste sein? Die USA? Vermutlich nicht, die können mit der Begründung "Gefährdung der nationalen Sicherheit" sicher heute schon alle Daten von Amerikanischen Firmen einfordern...
    • oXiVanisher 28.02.2018 21:23
      Highlight Highlight Jo und wenn ich daran denke, dass die USA schon lange versuchen von Microsoft an Daten die in Europa liegen zu kommen, ist das mind. gleich schlimm ... IMHO eig. schlimmer.
    • Luku luku 28.02.2018 22:14
      Highlight Highlight Aber man wird nicht wegen Staatskritik hingerichtet
    • Midnight 01.03.2018 08:19
      Highlight Highlight Wollte grad sagen... In den USA ist das schon seit geraumer Zeit der Status Quo.
  • N. Y. P. D. 28.02.2018 19:14
    Highlight Highlight Es gehe auch darum, «die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit von iCloud in China weiter zu verbessern».

    Tim Cook, hör bloss auf, solche Worthülsen und Spitzfindigkeiten von dir zu geben.

    Du bist geldgeil ! Du hast weder Moral, noch Rückgrat. Auch Prinzipien kennst Du nicht. Schäm Dich.
    • Der Tom 01.03.2018 00:37
      Highlight Highlight Ja ich war mal in Mallorca mit Cook Reisen! Die Liegestühle waren sehr unbequem. Mein Rücken hat lange geschmerz.
    • Midnight 01.03.2018 08:30
      Highlight Highlight @N. Y. P. Mal ehrlich, was soll er denn sonst machen? China hat nunmal Big Brother eingeführt und jeder muss sich dran halten. Das hat weder mit Cook noch mit Apple irgendetwas zu tun. Davon sind sämtliche Firmen betroffen, die in irgendeiner Form in China Daten anhäufen.

      Für mich wäre das eigentlich eher ein Fall für die UNO.

      Nur doof, dass die USA dasselbe ja schon seit geraumer Zeit macht, nur halt viel globaler.
      Wäre also ein bisschen schwierig zu begründen, weshalb die USA die halbe Welt ausspionieren, China aber nicht mal seine eigenen Bürger bespitzeln darf...
    • N. Y. P. D. 01.03.2018 09:24
      Highlight Highlight Die USA überwachen ihre Schäfchen genau so wie China seine Schäfchen überwacht.
      NUR, in China kannst Du für Jahre in einem Loch verschwinden, wenn Du Dich falsch verhältst.

      Alle Firmen der Welt hocken in China. Das Geld ist leider allen Firmen wichtiger, als Ethik.
      Wieso soll sich also Apple an die Ethik halten ?
      Tim Cook selber will ja seiner Firma dieses Fuzzi-Image erhalten. Bunte Werbespots. Wir haben uns alle lieb.

      Das Image von Apple stimmt aber nicht mit der Realität überein.

      Er hätte sagen können. Ethik vor Geld. Wir ziehen uns zurück.

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