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epa09092812 The Suez Canal is blocked by a large container ship in Cairo, Egypt, 24 March 2021 A large container ship registered in Panama ran aground in the Suez Canal on 23 March, blocking passage of other ships and causing a traffic jam for cargo vessels.  EPA/STR

Die «Ever Given» blockiert den Suezkanal. Bild: keystone

Blockade im Suezkanal: «Mit der Versorgungslage in Europa kann es Probleme geben»

Ein 400 Meter langes Containerschiff blockiert die wichtigste Handelsroute zwischen Asien und Europa. Das könnte im Worst-Case auch Schweizer Konsumenten treffen. Doch es gibt Hoffnung.



Die Logistik-Hauptschlagader zwischen Europa und Asien ist verstopft: Das 400 Meter lange Frachtschiff «Ever Given» blockiert seit Dienstag den Suezkanal, der das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet.

In this photo released by the Suez Canal Authority, a cargo ship, named the Ever Green, sits with its bow stuck into the wall Wednesday, March 24, 2021, after it turned sideways in Egypt’s Suez Canal, blocking traffic in a crucial East-West waterway for global shipping. An Egyptian official warned Wednesday it could take at least two days to clear the ship. (Suez Canal Authority via AP)

Mit Baggern versuchen die Behörden, das 400 Meter lange Schiff freizulegen. Bild: keystone

Arbeiter versuchen derzeit, das auf Grund gelaufene Containerschiff wieder flottzumachen. Auf Bildern ist zu sehen, wie ein Bagger den Bug des Cargo-Ungetüms freizulegen versucht.

Medien berichteten am Mittwochnachmittag, dass die «Ever Given» wieder bewegt werden können. Diese Meldungen haben sich laut Al-Jazeera als falsch erwiesen. Die Sperre könnte noch tagelang andauern. Bereits stauen sich 20 Containerschiffe im Suez-Kanal. Insgesamt sind laut watson-Informationen 100'000 Schiffscontainer blockiert. Im Worst-Case müssten die Containerschiffe via Horn von Afrika nach Europa fahren, was einen Umweg von 7000 Kilometer bedeuten würde.

Das bedeutet das Schiffs-Fiasko für den Warenhandel

Ob Rohöl, Flatscreen-TV, Nike-Turnschuhe oder Auto-Zubehör: Der Zwischenfall im Suez-Kanal hat Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette. Der Ölpreis ist bereits angestiegen. «Für die Versorgungslage in Europa kann es innert Tagen Probleme geben», sagt Jörg Schmitt zu watson. Er ist Studiengangsleiter Internationales Logistikmanagement an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW.

«Für die Versorgungslage in Europa kann es innert Tagen Probleme geben.»

Jörg Schmitt, FHNW

Die globale Lieferkette sei ein sehr fragiles System. Dies, weil viele Firmen aus Kostengründen die Lagerbestände auf ein Minimum reduziert hätten. «Heutzutage sind eher die Schiffe oder Lastwagen das Lager», so Schmitt weiter. Dementsprechend anfällig seien die Unternehmen auf Störungen des Warenverkehrs. Schon nach wenigen Tagen könnten etwa der Autoindustrie gewisse Teile fehlen, was zu einem Produktionsstopp führen könnte. Dies sei bei einem Streik in Deutschland passiert.

Ein anderer Brancheninsider, der anonym bleiben will, sieht die Lage weniger dramatisch. Mittels Seefracht würden ohnehin nur jene Güter transportiert, die weniger zeitkritisch sind. Dauere die Störung länger, gebe es zudem Ausweichmöglichkeiten. Fracht könne etwa per Schiff nach Dubai und dann via Flugzeug nach Europa gebracht werden. Weiter könnten Güter auch via Bahn transportiert werden, auch wenn die Kapazitäten nicht mit jenen der Schifffahrt vergleichbar seien.

«Der Zwischenfall kann das Fass definitiv zum Überlaufen bringen.»

Jörg Schmitt

Das Fiasko im Suez-Kanal ist nicht das einzige Problem für die Logistikbranche. Wegen Corona gebe es ohnehin einen grossen Rückstau von Waren aus Asien. So sind die Preise für Container in die Höhe geschossen. «Nun ist mit dem Suez-Kanal ein Flaschenhals der Containerschifffahrt blockiert. Das kann das Fass definitiv zum Überlaufen bringen», so Schmitt.

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Der Suezkanal ist eine der meistbefahrenen Schiffsrouten weltweit. screenshot marinetraffic

Führte Sandsturm zum Unglück?

Am Mittwochmittag meldeten die ägyptischen Behörden laut Al Jazeera, dass ein Teil des Frachters wieder mobil ist. Wieso das Schiff vom Kurs abgekommen war, ist noch nicht abschliessend geklärt. Laut ersten Berichten kam es zu einem Stromausfall auf dem Schiff. Zudem habe zum Unglückszeitpunkt ein Sandsturm getobt. Auch für erfahrene Seeleute ist es kein Leichtes, einen 400 Meter langen Stahlriesen bei Strömung und Seitenwind durch die schmale Schifffahrtsrinne zu steuern. Der Wüstenwind kann hier mit stürmischen 40 oder 50 Knoten pro Stunde über den Kanal fegen.

Die Karte verdeutlicht den massiven Umweg, den die Schiffe aufgrund des blockierten Suez-Kanals auf sich nehmen müssen

Die Karte verdeutlicht den massiven Umweg, den die Schiffe aufgrund des blockierten Suez-Kanals auf sich nehmen müssten. Bild: google maps

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