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Wirtschaft

Credit-Suisse Topmanager arbeitet jetzt in einer Suppenküche

Andrew Pearse
Es erinnert nicht mehr viel an den Topmanager von früher: Andrew Pearse vor dem Lieferwagen seiner Entrümpelungsfirma.Bild: waste not Group Ltd.

Er ritt die Credit Suisse mit ins Verderben – nun schöpft er Obdachlosen Suppe

Andrew Pearse war 13 Jahre lang Topmanager bei der Credit Suisse, entsprach so ziemlich jedem Klischee des raffgierigen Bankers. Nun zeigt er sich geläutert.
20.09.2025, 21:1321.09.2025, 13:00

Vorbei die Zeiten, in denen Andrew Pearse mit windigen Investment-Geschäften das grosse Geld machte. Vorbei die Zeiten, in denen er als Kreditvermittler Millionenboni einstrich.

Stattdessen führt Pearse nun eine Entrümpelungsfirma in einem Londoner Vorort. Ein Mitarbeiter hat die Waste Not Group – und ist eine Non-Profit-Organisation, sagt Pearse. Was unter dem Strich übrig bleibt, überweise er an Hilfswerke. Darüber berichtet die Handelszeitung.

Jeden Freitag steht Pearse zudem in einer Gassenküche und schöpft Suppe für Bedürftige. «Ich möchte nun beweisen, dass auch ein ehemals geldgieriger, unmoralischer Banker zu Gutem fähig ist», sagt er.

45 Millionen Dollar Vermittlungsgebühr

Pearses Geschichte ist eine eines hohen Flugs – und eines brutalen Absturzes. Der gebürtige Neuseeländer verlor dabei Job, Vermögen, Familie. Ehemalige Weggefährten beschreiben ihn als arroganten, ehrgeizigen und besserwisserischen Karrierist.

Bereichert hatte sich Pearse hauptsächlich mit einem Deal in Mosambik. Mit der Regierung des Staates im Süden des afrikanischen Kontinents verhandelte er über einen Kredit von 1,3 Milliarden Dollar.

Offiziell sollten damit eine Schiffsflotte für den Thunfischfang aufgebaut und Arbeitsplätze geschaffen werden. Tatsächlich versickerte das Geld in den Taschen korrupter Minister, Geheimdienstler – und auch in denen von Pearse. 45 Millionen Dollar kassierte er als Belohnung für die Orchestrierung des Milliardenkredits.

250915 -- MAPUTO, Sept. 15, 2025 -- An aerial drone photo taken on Sept. 11, 2025 shows a city view of Maputo, Mozambique. MOZAMBIQUE-MAPUTO-CITY VIEW HanxXu PUBLICATIONxNOTxINxCHN
In der Hauptstadt Mosambiks, Maputo, sollte angeblich eine Thunfischfangflotte für 1,3 Milliarden Dollar angeschafft werden.Bild: www.imago-images.de

Die Geschichte war auch für die Credit Suisse unangenehm, zeigte sie doch, dass sämtliche Kontrollmechanismen versagten. Über den Slogan der Bank («Wir wollen die respektierteste Bank sein») wurde weltweit gelacht.

Kronzeuge in den USA

Für die CS endete die Geschichte im Desaster. 547 Millionen Dollar musste sie der US-Justiz abdrücken, 200 Millionen der britischen Finanzaufsicht. Noch schlimmer traf es Mosambik: Das Land rutschte in Staatspleite und Chaos. Die Thunfischfangflotte verrottet im Hafen der Hauptstadt Maputo.

Topmanager Pearse wurde in den USA der Prozess gemacht. Einer Haftstrafe entging er einzig, weil er einen Deal mit der Staatsanwaltschaft schloss. Er sagte als Kronzeuge aus und musste auf einen Grossteil seines Vermögens verzichten.

«Ich will kein geldgieriger Banker mehr sein», sagt er heute. Darf er abgesehen davon auch nicht mehr: Die britische Finanzmarktaufsicht hat ihm ein lebenslanges Berufsverbot als Banker erteilt.

(her)

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    56 Kommentare
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    Die beliebtesten Kommentare
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    Garp
    20.09.2025 21:51registriert August 2018
    Mich würde nun noch interessieren, was die USA das anging. Die machen ja genau so unlautere Geschäfte.
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    Garp
    20.09.2025 21:54registriert August 2018
    Schade muss er sich weiter beweisen.
    Schöner wäre es, wenn es ihm ein echtes Anliegen geworden wäre, andern zu helfen.
    Er hat ja genug Leute ins Unglück gerissen.
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    Ökonometriker
    21.09.2025 07:22registriert Januar 2017
    Immerhin einer sieht Fehler. Aber nicht alle: Tidjane Thiam gab gerade kürzlich ein Interview auf Bloomberg und sagte, er sei kein Mensch der Dinge bereue. Und überhaupt sei die Schweiz und besonders die schweizerischen Medien gemein zu ihm gewesen. Aber er konnte ja wegziehen und das hinter sich lassen.

    Eventuell sollten wir uns Fragen, ob wir ausländische Topmanager mit kaum einer Beziehung zur Schweiz die Geschicke von Banken mit Staatsgarantie lenken lassen sollen...
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